https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/facebook-meta-aktie-faellt-um-bis-zu-20-prozent-an-der-boerse-17775083.html

Bis zu 20 Prozent Kursverlust : Facebook-Konzern Meta verschreckt die Börse

Daumen hoch: Die Quartalszahlen könnten allerdings besser sein. Bild: AFP

Der Internetgigant Meta sorgt mit seinen Zahlen für eine herbe Enttäuschung – und klagt über härtere Konkurrenz von TikTok.

          2 Min.

          Der Mutterkonzern des sozialen Netzwerks Facebook hat bei der Vorlage seiner Quartalszahlen mit einem überraschend vorsichtigen Ausblick die Börse aufgeschreckt. Der Aktienkurs des Unternehmens, das sich kürzlich von Facebook in Meta Platforms umbenannt hat, fiel im nachbörslichen Handel zeitweise um mehr als 20 Prozent. Auch die Aktien von Wettbewerbern gerieten erheblich unter Druck. Der Kurs von Snap fiel ebenfalls um 20 Prozent, Twitter erlitt ein Kursminus von 8 Prozent. 

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Meta sagte für das erste Quartal ein ungewöhnlich niedriges Umsatzwachstum um 3 bis 11 Prozent auf 27 Milliarden bis 29 Milliarden Dollar voraus, Analysten hatten im Schnitt mit mehr als 30 Milliarden Dollar gerechnet. Der Konzern lieferte mehrere Begründungen, und eine davon war besonders bemerkenswert. Er sprach von zunehmendem Wettbewerb um die Zeit seiner Nutzer. Kritiker beklagen oft die dominierende Marktposition von Facebook, der Konzern sieht sich deswegen in den USA sogar einer Klage seiner Kartellbehörden gegenüber.

          Zuckerberg: „Leute haben große Auswahl“

          Mit dem Hinweis auf verstärkten Wettbewerb zeichnete er jetzt ein etwas anderes Bild. Und er untermauerte das auch mit einer anderen Kennzahl: Nach seinen Angaben ist die Zahl seiner täglichen Nutzer in Nordamerika im vergangenen Quartal um eine Million auf 195 Millionen gefallen.  

          Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg sagte in einer Telefonkonferenz: „Die Leute haben eine große Auswahl.“ Und er verwies ausdrücklich auf das schnelle Wachstum der Smartphone-App TikTok. Umso wichtiger sei deshalb „Reels“, das 2020 eingeführte Format für Kurzvideos, das als Facebooks Antwort auf TikTok gilt. Zuckerberg hat TikTok schon vor drei Monaten bei der Vorlage von Geschäftszahlen als „einen der effektivsten Konkurrenten“ beschrieben, den sein Unternehmen jemals gehabt habe. 

          Meta führte auch noch andere Gründe für seine zurückhaltende Prognose an: Das Reels-Format wachse zwar schnell, bringe aber bislang nicht so hohe Werbeumsätze wie andere Funktionen. Zudem hinterließen die gegenwärtigen Engpässe in den globalen Lieferketten und die allgemeine Inflation Spuren in den Budgets von Werbekunden. Daneben machten sich auch die umstrittenen Veränderungen der Datenregeln von Apple bemerkbar. Die im vergangenen Jahr eingeführten neuen Richtlinien behindern das Sammeln von Nutzerdaten, die für das Werbegeschäft relevant sind. Das erschwert es Facebook, Werbung auf einzelne Nutzer abzustimmen und den Erfolg von Werbekampagnen zu messen.

          Google meldete glänzende Ergebnisse

          Auch die Zahlen für das Schlussquartal des vergangenen Jahres waren nicht frei von Enttäuschungen. Zwar stieg der Umsatz um 20 Prozent auf 33,7 Milliarden Dollar und lag leicht über den Erwartungen von Analysten. Aber auch das bedeutete schon eine deutlich Abschwächung des Wachstums gegenüber vorangegangenen Quartalen. Der Nettogewinn fiel wegen höherer Kosten sogar um 8 Prozent auf 10,3 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie von 3,67 Dollar war um 17 Cent niedriger als erwartet. 

          Die schwachen Zahlen von Meta waren umso überraschender, weil der Wettbewerber Google nur einen Tag vorher glänzende Ergebnisse gemeldet hatte. Seine Mutterholding Alphabet meldete einen rasanten Anstieg von Umsatz und Gewinn, ihr Aktienkurs legte am Mittwoch deutlich zu.

          Meta hat im jüngsten Quartalsbericht erstmals seine Geschäftsfelder neu ausgewiesen. Zum einen gibt es die „Familie von Apps“, worunter der Stammdienst Facebook und Plattformen wie Instagram, Messenger und Whatsapp gehören. Sie stehen bislang für fast den gesamten Konzernumsatz.  

          Daneben gibt es jetzt noch die Kategorie „Reality Labs“ mit Aktivitäten rund um virtuelle Realität („Virtual Reality“) und erweiterte Realität („Augmented Reality“). Die Virtual-Reality-Brillen der Tochtergesellschaft Oculus fallen in dieses Segment. Zuckerberg sieht diese Geschäfte als wichtigste Bausteine für das von ihm in jüngster Zeit verstärkt propagierte „Metaversum“. Damit meint er virtuelle Räume, in dem die Grenzen zur Realität verschwimmen. Die Reality Labs brachten im vergangenen Quartal noch einen überschaubaren Umsatz von 877 Millionen Dollar. Sie sind bislang auch noch hochdefizitär und fuhren einen Betriebsverlust von 3,3 Milliarden Dollar ein. 

          Weitere Themen

          Microsofts Gewinne sprudeln weiter

          Softwarekonzern : Microsofts Gewinne sprudeln weiter

          Kurz nach der Bekanntgabe von Entlassungen legt der Softwarekonzern seine Geschäftsergebnisse vor. Dabei legt Microsoft einige Schwachstellen offen – präsentiert sich aber unter dem Strich in solider Verfassung.

          Auch Spotify streicht Stellen

          Musikstreaming-Marktführer : Auch Spotify streicht Stellen

          Der Umsatz und auch die Zahl der Abonnenten wuchs zuletzt zwar weiterhin stabil. Doch Investoren haben schon länger die Kostenseite im Blick. Nun folgt Spotify dem Beispiel diverser Tech-Konzerne und streicht rund sechs Prozent der Stellen.

          Topmeldungen

          Am vergangenen Wochenende demonstrierten in London Anhänger des schottischen Selbstidentifikations-Regelung für Trans-Rechte.

          Debatte über Transrechte : Vergewaltiger im Frauengefängnis

          Die schottische Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon ist im Streit um Transrechte in die Defensive geraten. Nachdem ein Vergewaltiger in ein Frauengefängnis sollte, beugte sie sich jetzt Protesten.
          Bernard Arnault (vierter von links) im Kreise der Familie

          Wer leitet künftig LVMH? : Der Schatz der Arnaults

          Der reichste Mann der Welt hätte allen Grund, sich zur Ruhe zu setzen – tut es aber nicht. Seine Nachfolgeplanung bleibt ein wohlbehütetes Geheimnis.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.