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Quartalszahlen von Facebook : Sicherheit wichtiger als Gewinne

Der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg in Barcelona Bild: dpa

Mark Zuckerberg verspricht Investitionen, um Missbrauch seines sozialen Netzwerks zu verhindern, auch wenn es zu Lasten des Ergebnisses geht. „Ich meine das todernst“, sagt er.

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          Facebook ist in jüngster Zeit ein ums andere Mal in Erklärungsnot geraten. Das soziale Netzwerk musste zugeben, dass seine Plattform während des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs im vergangenen Jahr von Akteuren mit Verbindung zur russischen Regierung für politische Zwecke missbraucht worden ist.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Zudem wurde bekannt, dass über Facebooks Anzeigensystem gezielt Werbung für Nutzer geschalten werden konnte, die sich mit Schmähbegriffen wie „Judenhasser“ identifizierten. In dieser Woche gab es mehrere öffentlichkeitswirksame Anhörungen vor dem Kongress in Washington, wo ranghohe Vertreter von Facebook und den Wettbewerbern Google und Twitter zu den Manipulationsversuchen aus Russland Stellung nehmen mussten.

          Facebook-Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg war nicht vor Ort, was ihm einige Kritik einbrachte. Dafür sprach er die Kontroversen am Mittwoch bei der Vorlage von Quartalszahlen an, mit denen Facebook die Erwartungen deutlich übertraf. Er sagte, die gute Entwicklung des Geschäfts bedeute nichts, wenn die Angebote des Unternehmens auf eine Weise genutzt würden, die Menschen nicht zusammenbrächten.

          Künstliche Intelligenz für die Sicherheit

          Facebook wolle Missbrauch verhindern, deshalb werde so viel in Sicherheit investiert, dass dies die Profitabilität „erheblich“ beeinträchtigen werde. „Unsere Gemeinde zu beschützen ist wichtiger, als unsere Gewinne zu maximieren,“ versprach Zuckerberg und fügte hinzu: „Ich meine das todernst“. Der Facebook-Chef ließ auch seinem Ärger über die Aktivitäten Russlands freien Lauf. „Was die gemacht haben, ist falsch“. Russen hätten die Instrumente von Facebook genutzt, um „Misstrauen zu säen“ und „unsere Werte zu untergraben“.

          Unter anderem will Facebook die Zahl der für Sicherheit zuständigen Personen im nächsten Jahr auf 20.000 verdoppeln. Darin sind eigene Mitarbeiter ebenso enthalten wie Beschäftigte von Vertragspartnern. Außerdem will das Unternehmen verstärkt in bessere Sicherheitstechnologien investieren, zum Beispiel mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz. Zuckerberg sagte, Missbrauch auf Facebook zu verhindern, sei ein „hartes Problem“. Im Zahlenwerk von Facebook könnten sich die verstärkten Investitionen in Sicherheit nach Angaben des Unternehmens künftig in höheren Aufwendungen für Forschung und Entwicklung äußern.

          Für den Moment sprudeln die Gewinne von Facebook aber weiter. Im dritten Quartal sprang der Nettogewinn von Facebook um 79 Prozent auf 4,7 Milliarden Dollar. Das Ergebnis je Aktie von 1,59 Dollar war um 31 Cent besser als erwartet. Der Umsatz kletterte um 47 Prozent auf 10,3 Milliarden Dollar, Analysten hatten im Schnitt mit 9,8 Milliarden Dollar gerechnet.

          Facebook hat damit sein Wachstum gegenüber dem zweiten Quartal noch einmal beschleunigt. Und obwohl Facebook schon eine riesige Nutzergemeinde hat, steigt die Zahl der Mitglieder noch immer. Ende September gab es 2,07 Milliarden Nutzer, die Facebook mindestens einmal im Monat aufriefen, im vorangegangenen Quartal waren es noch 2,01 Milliarden. Der Aktienkurs notierte nachbörslich zunächst leicht im Plus, drehte dann aber ins MInus. Er war zuvor im regulären Handel auf ein neues Allzeithoch von 182,66 Dollar gestiegen.

          Erklärvideo : Facebook - Internetgigant und Meinungsmacht

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