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Facebook-Chef im Porträt : Der einsame Krieger

„Mein Ziel für dieses nächste Jahrzehnt ist es nicht, gemocht, sondern verstanden zu werden“, verkündete Mark Zuckerberg im Januar. Bild: Reuters

Boykott, Proteste, Trump: Mark Zuckerberg kämpft an vielen Fronten und weicht nicht zurück. Doch er spürt Druck von mehr Seiten denn je.

          7 Min.

          Daumen nach oben, das ist das Markenzeichen von Facebook. Es steht für „Gefällt mir“, und ein Klick darauf ist der einfachste Weg für Nutzer des sozialen Netzwerks, Zustimmung oder Sympathie zu bekunden. Der Internetgigant identifiziert sich so sehr damit, dass er es auf einem riesigen Schild an der Einfahrt seiner Zentrale in Kalifornien stehen hat. Aber das Symbol scheint heute nicht mehr ganz zeitgemäß. Denn zumindest Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg will niemandem mehr gefallen.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das hat er selbst gesagt. „Mein Ziel für dieses nächste Jahrzehnt ist es nicht, gemocht, sondern verstanden zu werden“, verkündete er im Januar. Es war sein bislang deutlichstes Signal an die Öffentlichkeit, dass er Konfrontationen nicht mehr aus dem Weg gehen will. Ähnliches hörten vor zwei Jahren schon einmal seine Top-Manager, in reichlich martialischer Form.

          Damals wurde Facebook von einem Datenskandal um das dubiose britische Unternehmen Cambridge Analytica erschüttert. Zuckerberg sagte, er werde damit aufhören, wie in „Friedenszeiten“ zu führen. Facebook sei im Krieg. Deshalb werde er fortan Entscheidungen schneller und auch einseitiger treffen.

          „Dies ist keine Demokratie“

          Das neue Selbstverständnis von Mark Zuckerberg ist es also, gestählt und resolut zu sein. Und er zeigt sich entschlossen, die außerordentliche Machtfülle, über die er verfügt, auch auszuschöpfen. Einst unbeholfen und linkisch im Auftreten, will er heute den Eindruck vermitteln, dass mit ihm nicht zu spaßen ist.

          So erklärt sich womöglich, wie wenig Entgegenkommen er in jüngster Zeit in Auseinandersetzungen zeigt. Zum Beispiel inmitten des derzeitigen Werbeboykotts, der Facebook Druck machen soll, mehr gegen Hetze und Manipulationsversuche von Wahlen zu tun. Er hat erstaunliche Resonanz gefunden, mehr als 1000 Unternehmen haben bekundet, vorerst keine Anzeigen mehr auf Facebook schalten zu wollen, darunter Großkonzerne wie Coca-Cola und Volkswagen. Aber Zuckerberg soll intern gesagt haben, die Werbekunden würden schon „bald genug“ wieder zurückkommen.

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          Auf einem Treffen mit den Initiatoren des Boykotts vor wenigen Tagen machte er keine konkreten Zusagen – zur Enttäuschung der Unternehmen. Und auch im Umgang mit seiner eigenen Belegschaft hat seine Kompromissbereitschaft offenbar Grenzen. „Dies ist keine Demokratie“, soll er nach einem Bericht der „New York Times“ auf einer Betriebsversammlung im Herbst Mitarbeiter belehrt haben, die ihn kritisierten.

          Selbst Sandberg ist in den Hintergrund gerückt

          Ist Zuckerberg also unantastbar? Zumindest auf dem Papier kann im Unternehmen kaum etwas gegen seinen Willen geschehen. Einer von vier offiziellen Gründern, hat er sich zur überragenden Figur gemacht, die anderen drei haben Facebook längst verlassen. Er ist nicht nur Vorstandschef, sondern führt als Chairman auch sein eigenes Aufsichtsgremium. Er hält sogar eine Mehrheit der Stimmrechte, weshalb alle anderen Aktionäre wenig zu sagen haben. Auf Hauptversammlungen werden regelmäßig Anträge gestellt, seine Macht zu beschneiden. Aber er kann ihr Scheitern garantieren.

          Andere mögliche Korrektive gibt es heute kaum mehr. Nach einigen Umbesetzungen ist Zuckerberg im Aufsichtsrat noch stärker als vorher von Loyalisten umgeben. Auch bei den zugekauften Diensten Whatsapp und Instagram hat der Facebook-Chef die Zügel angezogen. Deren Gründern gestand er zunächst eine gewisse Unabhängigkeit zu. Aber nach Meinungsverschiedenheiten haben sie den Konzern verlassen. Selbst die lange in der Öffentlichkeit allgegenwärtige Geschäftsführerin Sheryl Sandberg ist etwas in den Hintergrund gerückt.

          Mehr denn je ist Zuckerberg heute also Facebooks Alleinherrscher. Er hat weitgehende Kontrolle über ein Unternehmen, das auf der ganzen Welt 2,6 Milliarden Nutzer hat. „Mark Zuckerberg hat viel zu viel Macht, mehr als eine einzelne Person sie haben sollte“, sagte Rashad Robinson, Präsident der Menschenrechtsorganisation Color of Change, jetzt der Zeitung „USA Today“. Der Facebook-Chef sei in der Position, „Gott zu spielen“. Robinson ist einer der Organisatoren des Werbeboykotts.

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