https://www.faz.net/-gqe-8y7tn

Facebook-Chef in Harvard : Mark Zuckerberg gibt den Anti-Trump

  • Aktualisiert am

Der neue Ehrendoktor: Facebook-Chef Mark Zuckerberg in Harvard Bild: AP

Mark Zuckerberg kehrt als Ehrendoktor an seine frühere Uni zurück. Was der Facebook-Chef den Studenten erzählt, klingt fast wie ein Wahlprogramm.

          Wenn ich es heute durch diese Rede schaffe, wird es das erste Mal sein, dass ich an Harvard tatsächlich etwas zu Ende bringe.“ Mal scherzte er, mal brachte er zum Schmunzeln, mal sprach er große politische Fragen an: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ist nun Ehrendoktor der renommierten Harvard-Universität. Das ist der Ort, an dem seine Karriere begann, dort hatte er seine Idee, ein soziales Netzwerk aufzubauen, dort lernte er seine spätere Frau Priscilla Chan kennen. Im Jahr 2004 verließ er die Uni bekanntlich aus freien Stücken, um Vollzeit seine Unternehmung voranzubringen – ungefähr 2 Milliarden Menschen auf der ganzen Welt nutzen Facebook gegenwärtig, an der Börse ist der Konzern 440 Milliarden Dollar wert, Zuckerberg selbst mittlerweile steinreich.

          In seiner Dankesrede (hier, auf Englisch) zur nun verliehenen Ehrendoktorwürde ging es ihm aber um mehr als die Frage, was einen erfolgreichen Unternehmer ausmacht. Zuckerberg, 33 Jahre alt, erklärte nicht weniger, als was aus seiner Sicht die Aufgabe seiner Generation ist. „Ich bin heute hier, um über Zweck zu sprechen. Aber ich bin nicht hier, um euch die Standardrede darüber zu halten, wie ihr euren Zweck findet. Wir sind Millenials. Wir werden das instinktiv versuchen. Stattdessen bin ich hier, um zu sagen, dass es nicht reicht, wenn ihr euren Zweck gefunden habt. Die Herausforderung unserer Generation ist es, eine Welt zu schaffen, in der sich jeder gebraucht fühlt.“

          „Es ist gut, idealistisch zu sein“

          Dann gibt er ein Beispiel, das ihn begeistere: Als der frühere Präsident John F. Kennedy  die Weltraumbehörde Nasa besuchte, fragte er einen Hausmeister, den er dort mit einem Besen in der Hand sah, was er gerade tue. Und der Hausmeister sagte: „Herr Präsident, ich helfe mit, einen Mann auf den Mond zu bringen.“

          Ein „Zweck“ sei das Gefühlt, „Teil von etwas zu sein, das größer ist als wir selbst“. Ein „Zweck“ sei, was wirklich glücklich mache.

          Zuckerberg findet, dass die Herausforderung dahingehend gegenwärtig besonders groß ist. Während sich der eigene Zweck in vorigen Generationen noch verlässlich etwa aus dem eigenen Arbeitsplatz, der Kirche oder Gemeinschaft ergeben habe, sei dies nun anders. Ein Grund dafür sei der technische Fortschritt und die Automatisierung, die viele Arbeitsplätze überflüssig gemacht habe und mache.

          „Der Kampf unserer Zeit“

          Die Aufgabe seiner Generation sei es nun, nicht nur viele neue Arbeitsplätze zu schaffen, sondern auch ein neues Gefühl des „Gebrauchtwerdens“ zu etablieren. Eines, in das sich im Grunde alle Menschen einbezogen fühlen. Diesen Schluss habe er aus seinen vielen Reisen und Gesprächen mit Menschen gezogen.

          Außerdem sagt der durchaus sendungsbewusste Unternehmer: „Es ist gut, idealistisch zu sein. Aber seid darauf vorbereitet, missverstanden zu werden. Jeder, der an einer großen Vision arbeitet, wird einmal für verrückt gehalten werden, auch wenn er schlussendlich richtig liegt. Jeder, der an einem komplexen Problem arbeitet, wird kritisiert werden dafür, die Aufgabe nicht vollständig verstanden zu haben, obwohl es unmöglich ist, alles vorher zu wissen.“

          Zuckerberg hatte auch eine politische Botschaft. Eine, die sich wie ein Gegenentwurf Donald Trump verstehen lässt – ein Aufruf, Globalisierung, Freiheit und Offenheit zu bewahren. „Das ist der Kampf unserer Zeit. Die Kräfte der Freiheit, Offenheit und globalen Gemeinschaft gegen die Kräfte des Autoritarismus, Isolationismus und Nationalismus. Die Kräfte für die Verbreitung von Wissen, Handel und Migration gegen diejenigen, die das verzögern wollen. Das ist kein Streit zwischen Nationen, sondern einer zwischen Ideen. In jedem Land gibt es Menschen für globale Verbundenheit und gute Menschen, die dagegen sind.“

          Zuckerberg will sie überzeugen und regt diejenigen an, die als Absolventen renommierter Hochschulen wichtige Positionen begleiten werden, sich entsprechend zu engagieren. Spekulationen, nach denen er selbst einmal in die Politik wechseln und sogar das Präsidentenamt anstreben wird, machen immer wieder die Runde. Darauf ging er in dieser Rede nicht ein. Kaum jemand, der sie gehört hat, wird das allerdings für unwahrscheinlicher halten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brexit-Debatte : Schottland droht mit neuem Unabhängigkeitsreferendum

          Die schottische Ministerpräsidentin Sturgeon hat ein Unabhängigkeitsreferendum für das kommende Jahr angekündigt, sollte es zu einem No-Deal-Brexit kommen. EU-Kommissionspräsident Juncker will konkrete schriftliche Vorschläge von Premierminister Johnson.

          Series 5 im Test : Wie gut ist die neue Apple Watch?

          Am Freitag kommt die neue Smartwatch von Apple in den Handel. Die dunkle Anzeige im Ruhemodus ist damit Vergangenheit. Das Display der Series 5 ist immer eingeschaltet. Aber es gibt ein Problem.
          Mieten sollen durch die Maßnahme günstiger werden: Balkone eines Mietshauses in Hamburg

          Kabinettsbeschluss : Mietspiegel soll neu berechnet werden

          117 Millionen Euro sollen Mieter durch diesen Kabinettsbeschluss sparen. Ob das so kommt, ist aber ungewiss – der Mieterbund hält die Maßnahme für nicht ausreichend. Mietern schaden könnte auch noch etwas anderes.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.