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Kommentar : Die vielen Schuldigen

Sind auch verantwortlich: Die Käufer der billigen Textilien. Bild: dpa

255 Menschen starben infolge des Fabrikbrandes. Doch wer trägt die Schuld daran? Die Antwort führt bis zu den Wühltischen beim Discounter.

          Eine Textilfabrik in Pakistan brennt nach einem Anschlag nieder, es sterben 255 Arbeiter, auch weil die Fenster verbarrikadiert sind. Die Hinterbliebenen erhalten nun einen Schadensersatz, mit dem sie ihr Leben kaum werden fristen können. Einer der Auftraggeber, der Modediscounter Kik, hat den Opfern gut 6 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt. Wer ist an dem Desaster Schuld, wer müsste ordentlich zahlen? Der Fabrikant, der die Fenster schloss? Schuldig. Die Arbeiter, die Waren stahlen und aus den Fenstern warfen, woraufhin er sie verrammelte? Mitschuldig. Derjenige, der Brandbomben werfen ließ? Ganz sicher schuldig. Die Regierung, die solche Zustände zuließ? Schuldig. Der Auftraggeber Kik, der die Bedingungen in der Fabrik augenscheinlich nicht ausreichend prüfte? Schuldig. Seine Konkurrenten, die dort auch nähen ließen, sich aber aus jeder Verantwortung stahlen? Schuldig. Die Kunden, die in Deutschland T-Shirts für 3 Euro kaufen wollen?

          Auch sie tragen Schuld. Das Beispiel von Ali Enterprises zeigt einmal mehr, dass es keine einfachen Antworten auf die Ausbeutung von Arbeitern in Entwicklungsländern gibt. Das allein zeigt schon der fünf Jahre währende Prozess der Verteilung des Geldes an die Opfer. Manches hat sich nach den Katastrophen in Bangladesch und Pakistan verbessert. Doch ein wirkliches Interesse am Ende der Ausbeutung hat kaum einer – auch der deutsche Billig-Käufer nicht.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

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