https://www.faz.net/-gqe-a1p2a

Fabrik in Grünheide : Teslas Verwirrspiel um die Batterien

Die Pfähle stehen schon: Die Baustelle der Tesla Giga Factory in Grünheide Bild: ZB

Erst wollte der Elektroautohersteller in Grünheide keine Batterien fertigen – jetzt plötzlich doch. Den entsprechenden Antrag gibt es aber noch nicht.

          3 Min.

          Elon Musk mangelt es nicht an Ideen, was er alles mit dem 300 Hektar großen Grundstück im brandenburgischen Grünheide anfangen will. Die vierte Tesla-Fabrik weltweit bauen, so viel ist klar. Was aber genau dazu gehören soll, ändert sich relativ häufig. Mal denkt der Gründer des amerikanischen Elektroautoherstellers laut über eine unterirdische Rave-Höhle nach, in der zur Eröffnung Rammstein auftreten soll. Auf einer kürzlich von ihm im Kurznachrichtendienst Twitter gezeigten Skizze ist wiederum auf dem Dach eine begrünte Terrasse mit einer Art Schwimmbecken zu sehen. Doch während solche Gimmicks auf die Funktionsfähigkeit der Fabrik wenig Einfluss haben, ist das Hin und Her bei einem anderen Detail bedeutender: dann, wenn es um die Frage der Batteriefertigung in Grünheide geht.

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          In dem Bauantrag, den das Unternehmen Anfang Januar beim Brandenburger Landesumweltamt eingereicht hatte, war diese noch fester Bestandteil der Fabrik – wenig verwunderlich für einen Hersteller von Elektroautos. Umso größer war die Überraschung, als Tesla Anfang Juli einen neuen Antrag einreichte. Darin nennt der Autohersteller explizit den „Wegfall Anlage A007 Batteriefertigung (Battery Pack)“ als eine der wichtigsten Änderungen. Jetzt, nur kurze Zeit später, macht das Unternehmen erneut eine Kehrtwende: „Es wird eine lokale Zellproduktion geben, die den Bedürfnissen der Berliner Fabrik gerecht wird“, sagte Musk in der Online-Konferenz des Unternehmens zu den jüngsten Quartalszahlen. Womit der gerade erst eingereichte Antrag theoretisch hinfällig wäre.

          Auf Anfrage bestätigt das Unternehmen, dass es in der Tat jetzt doch eine Batteriefertigung auf dem Gelände geben soll. Wie das in die Planung eingebettet werden könne, werde aktuell geprüft. Eine wichtige Rolle dürfte dabei die von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) ausgelobte Batteriezellen-Milliarde spielen. Das erste Konsortium, das staatliche Fördermittel für den Aufbau einer Batteriezellenproduktion in Deutschland erhalten soll, ist schon länger bekannt. Dazu zählt unter anderem der französische Hersteller PSA mit seiner deutschen Tochtergesellschaft Opel. Das zweite Konsortium soll in Kürze bekanntgegeben werden.

          Ist das ein Schwimmbecken auf dem Dach? Darstellung von Tesla der Gigafactory Berlin in Grünheide.
          Ist das ein Schwimmbecken auf dem Dach? Darstellung von Tesla der Gigafactory Berlin in Grünheide. : Bild: dpa

          Dass sich Tesla um Geld bemüht hat, ist ein offenes Geheimnis. Zum Ausgang der Gespräche hat Altmaier unlängst im Gespräch mit der F.A.Z. gesagt: „Tesla wird Geld bekommen, wenn es unsere Bedingungen erfüllt. Das bedeutet: Deutschland darf nicht nur als verlängerte Werkbank genutzt werden, es muss hier auch Forschung und Entwicklung stattfinden.“ Dies werde derzeit geprüft. „Wenn ja, was ich sehr hoffe, wird Tesla Teil des Konsortiums, das wir im Herbst auf den Weg bringen.“

          Im Juli 2021 will Tesla die Produktion in der Fabrik in Grünheide aufnehmen. Rund 500 000 Fahrzeuge sollen dort jährlich hergestellt werden, nach weiteren Bauabschnitten womöglich auch mehr. Mehr als 10.00 Mitarbeiter sollen in dem Werk arbeiten. Noch bis zum 3. August liegt der aktuellste, aber nach Musks Batterieankündigung womöglich schon wieder überholte Bauantrag öffentlich aus. Am 23. September soll dann der öffentliche Erörterungstermin stattfinden, der schon für Mitte März geplant war, aber wegen der Corona-Vorsichtsmaßnahmen verschoben wurde. Mehr als 370 Einwände waren schon damals gegen das Bauvorhaben eingegangen.

          Ein Hauptkritikpunkt ist seit jeher der große Wasserbedarf von Tesla in Spitzenzeiten. Dass in dem Anfang Juli eingereichten Antrag neben der Batterie- auch die Plastikfertigung gestrichen war, wurde als Versuch gewertet, den Wasserbedarf zu senken. Dass Tesla nun doch wieder eine Batteriefertigung plant, dürfte die Gegner des Projekts alarmieren. Der örtliche Wasserverband hat schon mehrfach gewarnt, der Bedarf des Unternehmens überfordere die Region. Die Landesregierung sieht das aber nicht so.

          Trotz der noch fehlenden Gesamtgenehmigung wird auf der Baustelle schon eifrig gearbeitet. Die ersten Pfeiler für den Rohbau der Halle stehen bereits. Umweltschützer verfolgen mit Skepsis, dass Tesla, anders als anfangs geplant, nun das Fundament mit Pfählen in der Erde stabilisiert. Das Immissionsschutzgesetz erlaubt vorzeitige Baumaßnahmen ausdrücklich, jede einzelne muss jedoch genehmigt werden. Für den Fall, dass die Gesamterlaubnis für das Projekt nicht erteilt wird, müsste Tesla den ursprünglichen Zustand auf dem Gelände wiederherstellen, sprich: wieder alles abreißen und einen Kiefernwald anpflanzen.

          Weitere Themen

          Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist Video-Seite öffnen

          Greenwashing : Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist

          Grüne Investitionen erobern die Finanzmärkte. Mehr als 300 Milliarden Dollar flossen 2020 in „nachhaltige“ Anlagen und brachen damit den Rekord des Vorjahres. Doch wirklich "grün" zu investieren, ist schwieriger als es klingt.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.