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F.A.Z.-Gespräch mit Klaus Zumwinkel : „Auch Diebe und Hehler müssten vor die Justiz“

  • Aktualisiert am

„Es war ein Fehler, der vor Jahrzehnten entstanden ist.” Bild: Frank Röth

Der frühere Postchef versucht nach seinem Steuerhinterziehungsprozess nun einen Neuanfang. Entschuldigen will er seinen Fehler nicht. Aber Bitterkeit bleibt zurück. Das ausführliche F.A.Z.-Gespräch mit Klaus Zumwinkel.

          Der frühere Postchef versucht nach seinem Steuerhinterziehungsprozess nun einen Neuanfang. Entschuldigen will er seinen Fehler nicht. Aber Bitterkeit bleibt zurück. Das ausführliche F.A.Z.-Gespräch mit Klaus Zumwinkel.

          Das Urteil ist gesprochen: Zwei Jahre Haft auf Bewährung und eine Geldauflage von einer Million Euro. Hinzu kommt die gesellschaftliche Ächtung. Ist das die richtige Strafe für Ihre Steuerhinterziehung?

          Ich bin froh, dass reiner Tisch gemacht worden ist. Ich habe keine Ausflüchte gemacht, sondern ich bin den direkten Weg gegangen. Seit Montag habe ich eine Bewährungsstrafe. Ich zahle das, wozu ich verurteilt worden bin, die 970.000 Euro aufgerundet auf eine Million. Jetzt bin ich befreit von diesen elf Monaten, in denen diese Themen anstanden. Ich gehe davon aus, dass es jetzt vorbei ist. Jetzt werde ich eine dritte Etappe als selbständiger Unternehmer und Investor starten.

          „Im Beruf habe ich mich so verhalten, wie ich es von meinem Vater als ehrbarem Kaufmann gelernt habe.”

          Sie sind ein reicher Mann. Warum haben Sie über so viele Jahre hinweg falsche Steuererklärungen unterschrieben?

          Es war ein Fehler, der vor Jahrzehnten entstanden ist. Und wenn so ein Fehler einmal entstanden ist, hat man Sorge, dass bei einer Korrektur, zum Beispiel durch die Inanspruchnahme einer Amnestieregelung, großer Schaden entsteht, sei es für die eigene Position, das Unternehmen oder insbesondere die Familie. Deshalb habe ich diesen Schritt nicht gemacht, obwohl es im Vergleich zu den versteuerten Einkommen um kleine Summen ging, wie es ja auch der Staatsanwalt gesagt hat. Deshalb hat sich der Fehler dann weitergezogen. Aber Angst war und ist ein schlechter Ratgeber.

          Wie viel Steuern haben Sie nachgezahlt?

          Sämtliche Steuerschulden, die in zehn Jahren aufgelaufen sind, einschließlich Zinsen insgesamt rund 4 Millionen Euro. Der Steuerschaden, der Schaden für die Gemeinschaft, ist bis auf den letzten Cent ausgeglichen. Ich bin mit dem Finanzamt vollkommen im Reinen. Über viele Fragen hätte man streiten können. Aber ich habe Anweisung gegeben, alle Schätzungen und Anweisungen des Finanzamtes zu akzeptieren. Auch im Strafverfahren gab es viele Dinge, die sich durchaus anders hätten betrachten lassen, etwa die Verwertbarkeit des vom BND gekauften Datenmaterials. Aber ich wollte die Sache möglichst schnell aus der Welt haben und mich deshalb nicht auf einen langen Kampf mit der Justiz und den Finanzbehörden einlassen.

          Früher hat man Ihnen abgenommen, wenn Sie von Anstand und Moral sprachen. Haben Sie dabei nie an Ihre Steuererklärungen gedacht?

          Im Beruf habe ich mich so verhalten, wie ich es von meinem Vater als ehrbarem Kaufmann gelernt habe. Mit diesen persönlichen Finanzangelegenheiten habe ich mich vielleicht ein bis zwei Mal im Jahr mit beschäftigt.

          Dennoch fragt man sich, warum Sie diesen Fehler jahrelang haben weiterlaufen lassen. Schwang da auch so etwas mit wie der Ehrgeiz, es dem Fiskus zu zeigen?

          Ich habe es ja jetzt konkret erlebt, dass bei Behörden nichts geheim bleibt. Auch eine Selbstanzeige wäre herausgekommen, und das wollte ich nicht.

          Auffallend war der Jubel im Finanzministerium nach der Hausdurchsuchung. Haben Sie sich Feinde in Berlin gemacht, die Sie bloßstellen wollten?

          Das ist möglich. In einer Position wie ich sie hatte, an der Schnittstelle von Politik und Wirtschaft gibt es auch Widersacher. Ich gehe davon aus, dass die Staatsanwaltschaft das in aller Gründlichkeit untersuchen wird. Aber letztlich ist die mediale Verurteilung und der große Schaden der mir dadurch entstanden ist, nicht mehr zu heilen. Auch wenn irgend jemand überführt würde, ist mir nicht geholfen. In anderen Fällen werden Steuerstreitigkeiten eben anders beigelegt, leiser und ohne Öffentlichkeit. Bei mir hat es eine Inszenierung gegeben. Da muss jeder seine Schlussfolgerungen selber ziehen. Aber ich will darüber nicht klagen. Ich bin ja Verursacher und stand am Anfang dieser Kette.

          Werden Sie gegen die Weitergabe von Interna an die Medien rechtlich vorgehen?

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