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F.A.Z.-Gespräch mit Klaus Zumwinkel : „Auch Diebe und Hehler müssten vor die Justiz“

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Am Donnerstag war die Hausdurchsuchung. Schon am Freitagabend standen die Einzelheiten in einem Wochenmagazin: Die Beschreibung meiner Wohnung, Zitate aus den beschlagnahmten Privatakten, und Angaben aus der Steuererklärung. Das verstößt gegen mehrere Gesetzte. Derjenige, der das zu verantworten hat, muss mit einer Gefängnisstrafe rechnen. Es läuft bereits ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft Hamm, die diesen Themen hinter her geht.

Wie haben Sie und ihre Familie die Vorgänge ganz persönlich erlebt?

Freunde und Bekannte boten jede Hilfe an. Aber es gab die andere schlimme Seite. Man hat mir, meinen Kindern und meiner Frau nachgestellt. Ich habe üble Drohbriefe bekommen, die ich der Polizei übergeben habe. Man wollte mir Polizeischutz geben. Menschen lassen sich von Druckerschwärze und medialen Urteilen sehr beeinflussen. Da sind schlimme Dinge passiert, über die ich nicht reden möchte.

Sie sind über gestohlene Daten aus Liechtenstein gestolpert, die der BND gekauft hat. Was ist schlimmer, der Stehler, der Hehler, der Steuerhinterzieher?

Für alle gibt es einen Gesetzesparagraphen, der herangezogen wird. Für den Steuerhinterzieher ebenso wie für den Hehler und den Dieb. Alle drei müssten vor die Justiz. Dass dies wünschenswert wäre, hat selbst das Gericht betont. Auf mich hat man sich zunächst konzentriert, aber die beiden anderen Themen stehen noch aus. Der Staat gibt Geld für Diebesgut, der Staat gibt einem Dieb eine neue Identität. Das sind Fragen, die geklärt werden müssen.

Werden Sie nach den Anfeindungen gegen Sie und Ihre Familie Köln oder sogar Deutschland verlassen?

Das werde ich jetzt alles in Ruhe prüfen und dann eine Entscheidung treffen.

Sie bekommen von der Post eine Pension von mehr als 1,1 Millionen Euro im Jahr. Halten Sie das für angemessen?

Ich habe aus einem Unternehmen, das mehr als eine Milliarde Euro Verlust machte, Werte in zweistelliger Milliardenhöhe geschaffen. Über die Jahre hinweg gab es eine Pensionsregelung, die mit den Gehältern gestiegen ist. Das hat der gesamte Aufsichtsrat so über die Jahre hinweg beschlossen. Und so hat sich dieser Pensionsanspruch ergeben. Auf sonstige vertragliche Dinge wie die Erfüllung meines Vertrages als Vorstandsvorsitzender, der noch bis Ende 2008 lief, habe ich nicht gepocht. Ich bin sofort nach der Hausdurchsuchung zurückgetreten.

Fragt Ihr Nachfolger Frank Appel Sie noch um Rat?

Herr Appel und ich kennen uns seit vielen Jahren. Wenn ich um Rat gefragt werde, gebe ich den gerne. Manchmal konnte ich helfen, weil ich doch manche Sachverhalte aus der Vergangenheit in ihren Details kenne.

Gegen Sie laufen Ermittlungen im Zusammenhang mit der Spitzelaffäre bei der Telekom. Was genau wirft man Ihnen vor?

Das weiß ich nicht. Es hat bis heute kein Gespräch mit der Staatsanwaltschaft gegeben. Wenn man Beweise und Fakten hätte, die gegen mich sprechen, würde man mich wohl danach fragen. Ich habe mir in dieser Sache überhaupt nichts vorzuwerfen. Das sind alles diffuse Vermutungen. Umso mehr ist auch mir daran gelegen, dass die Vorgänge bis in die letzte Feinheit untersucht und geklärt werden.

Immerhin hat der ehemalige Telekom-Personalvorstand Heinz Klinkhammer Sie belastet. Er behauptet, dass die Spitzelaufträge an die Konzernsicherheit aus Ihrem Umfeld und dem des früheren Vorstandschefs Kai-Uwe Ricke gekommen seien.

Aktiengesellschaften werden vom Vorstand geführt. Und für die Abteilung Konzernsicherheit war der Personalvorstand verantwortlich, nicht der Aufsichtsrat. Ein Aufsichtsrat kann Mitarbeitern keine Weisungen geben und hat auch keine Kontovollmacht. Solche Vorwürfe gehen an der Wirklichkeit vorbei.

Hatten Sie persönliche Kontakte zu Mitarbeitern der Konzernsicherheit?

Das ist ein laufendes Verfahren. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Bitte haben Sie dafür Verständnis.

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