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F.A.Z. exklusiv : Riverrock steht hinter Millionen-Darlehen an insolvente Alno

  • -Aktualisiert am

Ausstellungsstück von Alno Bild: dpa

Der insolvente Küchenhersteller Alno hat nach Informationen der F.A.Z. einen Massekredit über sechs Millionen Euro von Riverrock bekommen. Mit dem Geld können Gehälter vorerst weiter bezahlt werden.

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          Die britische Investmentgesellschaft Riverrock, an der auch die deutsche Beraterlegende Roland Berger und der ägyptische Milliardär Naguib Sawiris beteiligt sind, steht nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hinter dem Massedarlehen von 6 Millionen Euro an den insolventen Küchenkonzern Alno. Der Notkredit war am Donnerstag in höchster Not zustande gekommen, nachdem der vorläufige Insolvenzverwalter Martin Hörmann wohl woanders abgeblitzt war. Wie aus Unternehmenskreisen zu hören ist, seien Kunden, Lieferanten und auch aktuelle Gesellschafter nicht mehr bereit gewesen, ein weiteres Risiko einzugehen. Riverrock, das für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, hatte zuvor schon zu den Gläubigern gehört und plant offenbar im Alno-Fall zusätzliche Transaktionen.

          So hat die F.A.Z. erfahren, dass die britische Investmentgesellschaft wohl auch Massedarlehen des Alno-Hauptgesellschafters Tahoe (Prevent) über 3 Millionen Euro und der Investmentgesellschaft Robus Capital Management in Höhe von 10 Millionen Euro ablösen will. Als Sicherheiten dienen hier ein Betriebsgrundstück der Produktion in Coswig/Sachsen-Anhalt sowie Anlagen von Alno in Pfullendorf und am Standort Enger/Ostwestfalen. Robus, das am Freitag ebenfalls keinen Kommentar dazu abgab, hatte vor der Insolvenz des Küchenherstellers schon ein Darlehen von 15 Millionen Euro ermöglicht und dafür als Sicherheit das Alno-Grundstück in Pfullendorf erhalten.

          Was hinter der Strategie von Riverrock steckt, ist bislang unbekannt. Wie zu hören ist, könnte als Sicherheit für die 6 Millionen Euro eine inzwischen beglichene Verbindlichkeit der Alno AG gegenüber dem Lieferanten Bauknecht von mindestens 8 Millionen Euro stehen, die als anfechtbar eingeschätzt wird. Insolvenzverwalter Hörmann hatte nach der Bekanntgabe der Höhe des neuen Massedarlehens nur gesagt, dass sich die Suche nach neuen Investoren in einer „entscheidenden Phase“ befände. „Wir rechnen damit, dass in Kürze verbindliche Gebote eingehen werden.“ Zu Riverrock und dem Darlehen wollte sich aber auch Hörmann nicht äußern.

          Das Geld kann er zur Zwischenfinanzierung gebrauchen. Nur bis zu diesem Samstag hat der Staat Insolvenzgeld für die rund 1600 Mitarbeiter gezahlt, nun muss das börsennotierte Unternehmen das selbst übernehmen. In der nächsten Woche soll nach Aussage Hörmanns das Insolvenzverfahren am Amtsgericht Hechingen eröffnet werden. Alno hat seit seinem Börsengang im Jahr 1995 fast durchgängig Verlust gemacht.

          Die Frage ist, ob Alno überhaupt überleben kann oder welche Teile auch der Tochtergesellschaften Pino und Wellmann zu retten sind. Ein Gerücht kursiert, dass angeblich ein chinesischer Investor, der in Fernost im Immobiliengeschäft tätig ist und die Wohnungen mit deutschen Küchen ausstatten will, Interesse an der Marke Alno zeigen soll.

          Derzeit ruht die Produktion in den drei Alno-Werken. Vor diesem Hintergrund würden weder bei Alno noch bei den Tochtergesellschaften neue Bestellungen aufgenommen, heißt es vom Insolvenzverwalter. Man versuche aber weiterhin, mit interessierten Kunden Möglichkeiten auszuloten, um eine Lösung zur Behebung der Fehlteileproblematik von unvollständig ausgelieferten Küchen zu finden.

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