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F.A.Z. exklusiv : Merck investiert kräftig in China

  • -Aktualisiert am

Merck verdreifacht sein Investitionsvolumen in Nantong auf nun insgesamt 250 Millionen Euro. Bild: Maximilian von Lachner

Der Dax-Konzern Merck gibt mehr Geld aus für seine Pharmaproduktion im chinesischen Nantong, hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung erfahren. Darum geht es.

          Merck weitet seine Investitionen in China kräftig aus. Wie der Dax-Konzern auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mitteilte, stellt er für zwei Projekte in Nantong insgesamt 170 Millionen Euro neu bereit: Rund 80 Millionen Euro gehen in ein neues Werk für chemische und biologische Produkte, das noch zu errichten ist. 90 Millionen Euro sind einer Arzneimittelfabrik gewidmet, die schon steht und jetzt frisch die Testproduktion aufnimmt.

          Das ist ein zweiter Schritt nach einer bereits getätigten Erstinvestition von 80 Millionen Euro. Mit anderen Worten: Merck verdreifacht sein Investitionsvolumen in der ostchinesischen Stadt auf nun insgesamt 250 Millionen Euro.

          Das Unternehmen wird die Pläne an diesem Freitag bekannt geben, wenn es die Arzneiproduktionsstätte offiziell einweiht. Hier fahren zunächst Probeläufe, vom zweiten Halbjahr 2017 an sollen die ersten Arzneimittel für Patienten in China zur Verfügung stehen. Dabei geht es um das Diabetesmittel Glucophage, das Präparat Euthyrox gegen Schilddrüsenfunktionsstörungen und das Medikament Concor gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Alle drei sind chemisch synthetisierte Moleküle. Mit dieser klassischen Pharmaproduktion wird Nantong der zweitgrößte Produktionsstandort nach dem Stammsitz in Darmstadt. Davon zu unterscheiden ist die biotechnologische Herstellung, also die Produktion von Präparaten, die aus lebenden Organismen gewonnen werden. Sie wird am Schweizer Standort Vevey betrieben.

          Hoffen auf China

          Merck hatte im Jahre 2013 sein erstes Investitionspaket, seinerzeit in Höhe von 80 Millionen Euro, für die Arzneifabrik in Nantong angekündigt. Dass das Unternehmen nun etwas mehr als denselben Betrag draufsattelt, hat den Angaben zufolge nichts damit zu tun, dass die Kosten aus dem Ruder gelaufen wären. Man liege damit voll im Plan, heißt es.

          Vielmehr sei von vornherein ein stufenweiser Ansatz vorgesehen gewesen. Zu erwarten sei eine steigende Medikamentennachfrage in China, daher weite man nun die Produktionskapazität aus. Nach den aktualisierten Plänen soll die Anlage bis 2021 die volle Kapazität erreichen, nämlich jährlich bis zu 10 Milliarden Tabletten. Es sollen dort dann mehr als 400 Mitarbeiter beschäftigt sein, schon heute sind es 180.

          Der andere Standort in Nantong wird demnächst errichtet und gilt der Sparte „Life Science“, die Merck als dritten Geschäftsbereich neben dem Pharma- und dem Chemiegschäft betreibt. Die Sparte beliefert Arzneibetriebe und Labors mit chemischen und biologischen Materialien. Das Werk in Nantong soll zum Beispiel anorganische Salze für medizinische Wirkstoffe sowie biochemische Kulturen etwa für Umweltprüfungen herstellen. Es liegt etwa fünf Kilometer entfernt von dem anderen Standort in Nantong, einer Stadt am Jangtse-Fluss im Großraum Schanghai.

          Pharmaunternehmen setzen große Erwartungen in das Geschäft in Schwellenländern. China war nach Berechnung des Fachdaten-Instituts Qintiles-IMS voriges Jahr global der zweitgrößte Markt hinter den Vereinigten Staaten. Merck hat in den vergangenen Jahren auch in der Chemiesparte in größerem Stil in dem Land investiert: im Jahr 2013 mehr als 30 Millionen Euro in ein Zentrum für Flüssigkristalle, im vergangenen Jahr fünf Millionen Euro in ein Forschungs- und Entwicklungslabor, das an Materialien für Bildschirme arbeitet.

          Über alle drei Sparten hinweg erzielte der Konzern im Jahr 2015 in der Region Asien-Pazifik ein Drittel seiner Umsatzerlöse, nämlich 4,2 Milliarden Euro, was knapp ein Viertel über dem Vorjahreswert lag. Das Unternehmen zählt 3100 Mitarbeiter in China.

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