https://www.faz.net/-gqe-9mtgl

F.A.Z. exklusiv : Fresenius spricht Interessenten für Transfusionssparte an

Die Konzernzentrale in Bad Homburg Bild: dpa

Der Medizinkonzern stellt damit auch ein 2012 erworbenes Geschäft wieder zur Disposition. Eine Investmentbank lotet schon Interesse aus. Als Käufer kommen wohl nicht nur Anbieter der Industrie in Frage.

          Fresenius hat mögliche Interessenten wegen seines Bluttranfusions-Geschäfts angesprochen. Der Medizinkonzern habe für einen eventuellen Verkauf die Investmentbank Goldman Sachs beauftragt, erfuhr die F.A.Z. aus Kreisen, die mit der Ansprache der potentiellen Interessenten vertraut sind. Käme es zum Verkauf, würde Fresenius damit eine erst im Jahr 2012 getätigte Übernahme zurückdrehen.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für umgerechnet 900 Millionen bis 1 Milliarde Euro hatte der Bad Homburger Dax-Konzern damals den amerikanischen Anbieter Fenwal erworben: Der macht einen großen Teil des jetzt zur Disposition stehenden Geschäfts aus. Fresenius gilt seit der Fenwal-Übernahme als global größter Anbieter von Technik für Bluttransfusionen. Der Zukauf gehört zu den Fresenius-Akquisitionen, die von kritischen Konzerninsidern seit längerem skeptisch bewertet werden (F.A.Z. vom 17. Januar 2018).

          Die Ansprache von Interessenten und die Auswahl einer Investmentbank zeigen, dass Fresenius nun konkret einen Verkauf auslotet – nachdem der Vorstandsvorsitzende Stephan Sturm vor Monaten Andeutungen zur Zukunft der Sparte gemacht hat. Bei der Bilanzvorlage im Februar sagte er, Fresenius wolle seine „strategischen Optionen“ überlegen. Dazu gehöre auch, die Bluttransfusiongeschäfte konzernintern umzuhängen: sie nämlich mit einem angrenzenden Geschäft („Apherese“) der Fresenius-Tochtergesellschaft Fresenius Medical Care (FMC) zu kombinieren. Ebenso seien Gemeinschaftsunternehmen möglich. Oft ist aber ein Verkauf die bevorzugte Lösung, wenn ein Unternehmen „strategische Optionen“ abwägt.

          Geschäft gehört zur Fresenius-Sparte Kabi

          Wichtige Wettbewerber in diesem Geschäft sind die Unternehmen Haemonetics, Macopharma und Terumo. Als Käufer kommen nicht nur Anbieter der Industrie in Frage, sondern auch Private-Equity-Häuser. Solche sind auch angesprochen geworden. Fresenius und Goldman Sachs lehnten einen Kommentar ab.

          Das in Rede stehende Geschäft gehört zur Fresenius-Sparte Kabi, die unter anderem Krankenhausnahrung und Flüssigmedikamente für Infusionen anbietet. Es ist innerhalb von Kabi bisher in einer Einheit namens „Medizintechnische Produkte / Transfusionstechnologie“ aufgehängt, welche im vergangenen Jahr knapp 1,1 Milliarden Umsatz erzielte – so viel wie im Jahr zuvor. Wie viel auf den Transfusions-Teil entfällt, ist unklar. Aber alleine die 2012 erworbene Fenwal hatte im Jahr vor dem Erwerb 614 Millionen Dollar Umsatz ausgewiesen.

          Im ersten Schritt gliedert Fresenius das Transfusionsgeschäft als eigenständige Einheit aus. In diesem Prozess mache man „guten Fortschritt“, sagte Sturm Anfang dieses Monats zu Bankanalysten. Als Fresenius Fenwal erwarb, wurde das Dax-Unternehmen damit nach eigenen Angaben zum global führenden Anbieter von Transfusionstechnik. Den neuen Weltmarktanteil gab es mit rund einem Drittel an. Daran dürfte sich seitdem nicht allzu viel verändert haben. Die Transfusionsparte vertreibt Produkte, die dazu dienen, Blut zu gewinnen, es in Bestandteile zu trennen und zu verarbeiten. Kunden sind zum Beispiel Blutbanken.

          900 Millionen bis 1 Milliarde Euro Kaufpreis

          Der Kaufpreis 2012 wurde offiziell nicht bekannt gegeben, betrug aber nach Angaben aus dem Umfeld der Transaktion die besagten 900 Millionen bis 1 Milliarde Euro. Als Integrationskosten fielen später 104 Millionen Euro an. Aus einem früheren Geschäftsbericht geht hervor, dass im Zuge der Akquisition erhebliche immaterielle Vermögenswerte bilanziert wurden: im wesentlichen 70 Millionen Euro für Kundenbeziehungen und 237 Millionen Euro für Technologie. Sturm bescheinigte dem Fresenius-Transfusionsgeschäft im Februar, dass es „nachhaltig wächst und auch über eine sehr interessante Profitabilität verfügt“. Zahlen nannte er nicht.

          Das Marktvolumen scheint auf der Stelle zu treten: Der neueste Geschäftsbericht beziffert es noch immer auf rund 2 Milliarden Euro – wie schon zur Zeit des Erwerbs. Wachstum ergebe sich durch zunehmenden Bedarf an Blutprodukten in Schwellenländern, heißt es. Dem stand in den vergangenen Jahren entgegen, dass der Bedarf an Blutbeuteln wegen neuer Behandlungsmethoden in den Vereinigten Staaten und Europa sinkt, was auch auf die Preise drückte. Dieser Effekt komme zu einem Ende, heißt es im Geschäftsbericht zum vergangenen Jahr.

          Fenwal wurde 1949 gegründet und gehörte einst zum Fresenius-Konkurrenten Baxter. Der hatte die Einheit 2007 an die Finanzinvestoren Texas Pacific Group ( TPG) und Maverick veräußert, welche sie dann mehr als fünf Jahre später an Fresenius weiterreichten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Immer mehr Menschen verlassen die beiden großen Kirchen in Deutschland.

          Aktuelle Statistik : Zahl der Kirchenaustritte steigt

          Die am Freitag veröffentlichte Mitgliederstatistik zeigt, dass die beiden großen Kirchen in Deutschland weiter Mitglieder verlieren. Aus der katholische Kirche heißt es, dies seien „besorgniserregende“ Zahlen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.