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F.A.Z. exklusiv : Drive Now elektrifiziert seine Carsharing-Flotte

Drive Now wird elektrischer. Bild: EPA

Elektroautos sind kein wirklicher Renner in Deutschland. Doch beim Carsharing sind sie ziemlich beliebt, zeigt eine Befragung. Drive Now möchte seine E-Flotte deshalb jetzt ausbauen. Und Hamburg baut mehr Ladesäulen.

          Trotz Diesel-Krise und Fahrverboten in immer mehr Großstädten fristen die emissionsarmen Elektroautos hierzulande ein Nischendasein. Nur wenige Autokäufer sind zum Umstieg auf die teuren Stromer bereit, zu groß ist die Angst vor einer begrenzten Reichweite und dem unzureichend ausgebauten Netz an Ladesäulen.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Ganz anders sieht es aus, wenn die Kunden die Autos nur zur Kurzeitmiete nachfragen. Dann ziehen vier von fünf Autofahrern das Steckdosenauto dem konventionellen Verbrennerfahrzeug vor. Das hat der zu BMW gehörende Carsharing-Anbieter Drive Now in einer vierwöchigen Befragung von gut 1500 Kunden ermittelt.

          „Um das Elektroauto fahren zu können, nimmt so mancher Kunde sogar eine größere Entfernung in Kauf“, sagt Drive-Now-Geschäftsführer Sebastian Hofelich der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zwei Drittel der Drive-Now-Fahrer verbinden damit einen höheren Fahrspaß, für fast Dreiviertel sind Umweltschutzgründe ausschlaggebend.

          Drive Now will Anzahl der Elektroautos steigern

          Das 2011 gegründete Unternehmen zieht aus der Befragung die Konsequenz, die Zahl der Elektroautos weiter zu steigern. Von 6400 Mietautos fahren derzeit 970 elektrisch. „Wir bieten unseren Kunden schon heute in allen Städten eine elektrische Alternative an“, sagt Hofelich. Für den Ausbau der Flotte komme es auch darauf an, dass die Ladeinfrastruktur vor Ort verbessert werde. Denn: „Wenn der Kunde nicht lädt, müssen wir laden.“ Lange Ladezeiten und weite Wege zu den Ladesäulen bedeuten im Carsharing einen hohen operativen Aufwand.

          Vorbildcharakter hat für Hofelich eine Vereinbarung, die mit der Stadt Hamburg getroffen wurde. Die Hansestadt baut bis 2019 gut 1000 neue, öffentlich zugängliche Ladepunkte. Parallel dazu erhöht Drive Now den Anteil elektrischer Fahrzeuge in der Flotte. Derzeit sind in Hamburg 200 BMW i3 verfügbar, bis zum kommenden Jahr sollen es 550 sein. Mit dem Ausbau habe sich die Bereitschaft der Kunden erhöht, die geliehenen Fahrzeuge aufzuladen. 70 Prozent aller Ladevorgänge würden durch Kunden angestoßen, sagt Hofelich.

          Carsharing-Fusion in Berlin

          Noch plant Drive Now die Elektrifizierung seiner Flotten im Alleingang. Aber das Thema ist sehr relevant in dem vorgesehenen Gemeinschaftsunternehmen mit Daimlers Tochtergesellschaft Car2Go. BMW und Daimler wollen ihre Carsharing-Anbieter bekanntlich am Standort Berlin verschmelzen und alle Mobilitätsdienstleitungen rund um das vernetzte Elektroauto unter einem Dach anbieten.

          Konkret geht es um heute insgesamt 20.000 Mietautos in 31 Großstädten im In- und Ausland. Zusammen sind 4 Millionen Kunden registriert, davon fast 3 Millionen bei Car2Go. BMW bringt seine Dienstleister Park Now, das amerikanische Pendant Parkmobile und auch Charge Now ein.

          Die 143.000 Ladestationen von Daimler und BMW sollen gemeinsam zu dem dann größten Netz an öffentlichen Ladestationen für Elektroautos gebündelt und ausgebaut werden. Und unter dem Stichwort „Multimodal“ werden zudem Angebote unabhängig vom Transportmittel vernetzt, bisher realisiert unter dem Namen Moovel von Daimler und Reach Now von BMW. Zum aktuellen Stand der Fusion sagt Hoefelich nichts. Die Wettbewerbshüter der Europäischen Union prüfen das Vorhaben der beiden Autokonzerne noch bis zum 7. November.

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