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Verlagsgruppe macht Gewinn : Der F.A.Z. gelingt die Ertragswende

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Hier entsteht der Lesestoff für kluge Köpfe: Redaktions- und Verlagsgebäude der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Bild: Patricia Kühfuss

Die Verlagsgruppe ist auf Erfolgskurs – dank Konzentration auf die wirklich verkaufte Auflage und die neuen digitalen Produkte. Bald schon kommt noch ein neues Angebot auf den Markt.

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          Die Frankfurter Allgemeine Zeitung macht nach schwierigen Jahren wieder Gewinn. „Im laufenden Geschäftsjahr wird sich die Erholung der Verlagsgruppe fortsetzen“, kündigt der Vorsitzende der F.A.Z.-Geschäftsführung, Thomas Lindner, an. Schon im zurückliegenden Jahr hat sich der vor zwei Jahren eingeleitete Restrukturierungskurs ausgezahlt. Nach einem Verlust im Vorvorjahr hat die F.A.Z. im abgelaufenen Jahr wieder Geld verdient.

          Die Geschäftsführung geht davon aus, der Gesellschafterversammlung im Sommer eine gute Bilanz für das Geschäftsjahr 2015 mit einem positiven Ergebnis vor Steuern in Höhe von mehr als 13 Millionen Euro vorlegen zu können. Zum besser als erwartet ausgefallenen Ergebnis im Jahr 2015 tragen vornehmlich die nachhaltig gesunkenen Kosten bei, aber auch die stabilen Anzeigenerlöse, ebenso wie die stabilen Erlöse aus dem Lesermarkt.

          Umbau zu einem schlanken Verlag

          Die gelungene Ertragswende ist Beleg dafür, wie richtig die Restrukturierung und Neuausrichtung des Verlags war. Vor knapp zwei Jahren leitete die neue Geschäftsführung der F.A.Z. GmbH gemeinsam mit den Herausgebern ein Sparprogramm ein, das unter anderem den Abbau von etwa 200 Stellen vorsah, davon rund 160 im Verlag und 40 in der Redaktion. Der Umbau der F.A.Z. zu einem schlanken Verlag mit Konzentration auf wesentliche Verlagsbereiche kommt gut voran.

          Der Stellenabbau ist nahezu abgeschlossen, ebenso wie die Auslagerung von nicht betriebsnotwendigen Abteilungen. Für die Kosten des Umbaus und der personellen Einsparungen wurden in der Bilanz 2014 entsprechende Restrukturierungsrückstellungen gebildet. Diese und die sprunghaft gestiegenen Zuführungen zu Pensionsrückstellungen aufgrund der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank waren die wesentlichen Gründe für den Verlust von 18,3 Millionen Euro im Vorvorjahr.

          Die Bilanzsumme der F.A.Z. GmbH blieb 2014 im Vorjahresvergleich mit 395 Millionen Euro nahezu unverändert, die Eigenkapitalquote sank leicht auf 39,5 Prozent. Dank der guten Liquiditätsausstattung in Verbindung mit der traditionell konservativen Anlagestrategie verfügt die Gesellschaft über einen hohen Bestand an Bankguthaben und Wertpapieren; sie ist weiterhin vollständig innenfinanziert und nimmt keine Bankkredite in Anspruch.

          Die übliche Politik der geschönten Auflagen beenden

          Zur schnellen Ertragswende der F.A.Z. trug auch der Übergang zum kostensparenden Sammeldruckverfahren bei: Durch diese drucktechnische Optimierung müssen seither das erste und das dritte Zeitungsbuch, also die Politik und die Wirtschaft, immer denselben Umfang haben, ebenso wie das zweite und das vierte Buch. Deshalb wurde im März 2014 in der F.A.Z. die Reihenfolge der Ressorts in Politik, Feuilleton, Wirtschaft und Finanzen/Sport geändert.

          Einen besonders großen Anteil an der nachhaltigen Ergebniswende hat jedoch die Konzentration der F.A.Z. auf die voll bezahlte Auflage. Im Unterschied zu anderen Verlagen hat sich die Frankfurter Allgemeine entschieden, die in der Verlagsbranche übliche Politik der geschönten Auflagen zu beenden, weil das Verschenken von Zeitungen in Hotels oder Flugzeugen hohe Kosten verursacht, die erhöhte Auflage aber kaum zusätzliche Anzeigen generiert. Denn die Anzeigenkunden wissen, dass die meisten Verlage ihre Auflagen stützen. Deshalb schauen sie zunehmend auf die hart verkaufte Auflage aus Abonnement und Einzelverkäufen.

          Die Entscheidung der Herausgeber und der Geschäftsführung, die weichen Auflagen von F.A.Z. und F.A.S. innerhalb von vier Quartalen deutlich zu reduzieren, hat sich ausgezahlt. Die Fokussierung auf die voll bezahlte Auflage trägt maßgeblich zur wirtschaftlichen Gesundung der F.A.Z.-Verlagsgruppe bei. Durch den Verzicht auf einen Großteil der sonstigen Verkäufe und von Teilen der Bordauflage sanken zwar die Gesamtauflagen der F.A.Z. und der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung stärker als im Branchentrend. Doch der von der F.A.Z. eingeleitete überproportionale Auflagenrückgang kommt nach vier Quartalen zu einem Ende. Der Sparbeitrag dieser Maßnahme hingegen ist dauerhaft, während anderen Verlagen die gestützte Auflage jedes Jahr viel Geld kostet.

          Trügerischer Blick auf gemeldete Auflagen

          Eine Analyse der jüngsten Auflagenzahlen aus dem vierten Quartal 2015 zeigt, wie trügerisch der Blick auf die der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) gemeldeten Auflagen inzwischen ist. Von der gemeldeten verkauften Auflage der F.A.Z. in Höhe von 263,9 Tausend Exemplaren entfallen auf die harte Auflage 230,5 Tausend Stück, darunter 196,5 Tausend im Abonnement und 34 Tausend im Einzelverkauf. Die Bordauflage der F.A.Z. beträgt 15,8 Tausend, und die sonstigen Verkäufe liegen bei 17,6 Tausend Stück.

          Bei der „Süddeutschen Zeitung“ sinkt die gemeldete verkaufte Auflage von 367,9 bei harter Betrachtung auf 307,2 Tausend Stück. Bei der „Welt“ macht die weiche Auflage inzwischen sogar fast die Hälfte der Gesamtauflage aus. Bei dieser Zeitung des Springer-Konzerns steht der gemeldeten verkauften Auflage von 187,9 Tausend eine hart verkaufte Auflage von nur 98,6 Tausend Exemplaren gegenüber. Auch beim „Handelsblatt“ ist die Differenz zwischen harter und weicher Auflage groß; dort schrumpft die gemeldete verkaufte Auflage von 123,5 Tausend Stück um fast 30 Prozent auf eine harte Auflage von nur noch 88,2 Tausend.

          Ein ähnliches Bild bieten die Wochenzeitungen. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung meldet eine verkaufte Auflage von 281,3 Tausend Exemplaren und weist eine hart verkaufte Auflage von 242,3 Tausend auf. Die „Welt am Sonntag“, die seit Erscheinen der überregionalen Sonntagszeitung aus Frankfurt in jedem Quartal eine Auflage von knapp über 400 Tausend meldet, weist im letzten Quartal 2015 eine verkaufte Auflage von 401,5 Tausend Stück aus. Doch davon entfällt ein Anteil von 35 Prozent auf sonstige Verkäufe und Bordauflage, die hart verkaufte Auflage der „WamS“ liegt bei nur 260,1 Tausend Exemplaren. Nicht ganz so groß ist die Differenz bei der „Zeit“, wo von der Gesamtauflage in Höhe von 511,8 Tausend Stück 429,7 hart verkauft werden.

          Frankfurter Allgemeine Woche ab Frühjahr

          Die Fixierung der Branche auf die gestützten Auflagen von Zeitungen ist auch aus anderen Gründen fragwürdig. Denn Zeitungen werden schon seit Jahren nicht ausschließlich auf Papier gelesen, sondern immer häufiger in digitaler Form. Die F.A.Z. und die F.A.S. lesen inzwischen mehr als 56.000 Leser als E-Paper. Damit ist die F.A.Z. eine der erfolgreichsten digitalen Zeitungen in Deutschland.

          Die Digitalisierungsquote, der E-Paper-Anteil am Gesamtverkauf, liegt bei der F.A.Z. bei 12 Prozent und bei der „Süddeutschen Zeitung“ bei 10 Prozent. Mit einem Anteil von mittlerweile 11 Prozent digitaler Umsätze am Gesamtumsatz braucht die F.A.Z. auch einen internationalen Vergleich nicht zu scheuen; bei der „New York Times“ liegt dieser Anteil bei 22 Prozent. Außerdem hat die F.A.Z. auch im frei zugänglichen Internet viele treue Leser. Wie die Nutzerdaten von IVW zeigen, ist die Zahl der FAZ.net-Leser zwischen 2014 und 2015 um fast 50 Prozent auf 7,31 Millionen User im Monat gestiegen. Im Januar 2016 zählte FAZ.net 54,1 Millionen Visits (zum Vergleich: Süddeutsche.de hatte 55,5 Millionen).

          Schon bald wird es ein neues Angebot von der F.A.Z auf Papier geben. Mit dem Titel Frankfurter Allgemeine Woche kommt in diesem Frühjahr ein kompaktes Wochenmagazin auf den Markt. Für die Woche wird ein junges Team aus F.A.Z.-Redakteuren vor allem für jüngere Leserinnen und Leser die wichtigsten Themen aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und Wissen erklären, einordnen und kommentieren. Die Frankfurter Allgemeine Woche eignet sich besonders gut als Ergänzung zum digitalen Nachrichtenstrom, durch die Konzentration auf das Wesentliche wird sie eine gute Orientierung in der Informationsflut geben.

          Neue digitale Produkte kommen gut an

          Die neuen digitalen Produkte der F.A.Z. kommen bei den Lesern gut an. „Der Tag“, ein Überblick über die wichtigsten Meldungen des Tages in Form einer App für Smartphones von der F.A.Z., wurde bereits von mehr als 195.000 Lesern heruntergeladen.

          Die neue digitale Ausgabe dieser Zeitung, ein E-Paper mit dem Namen „F.A.Z. Plus“, wurde in den ersten Wochen nach Markteinführung mehr als 37.000 Mal heruntergeladen, rund 3000 Leser haben „F.A.Z. Plus“ schon abonniert. In „F.A.Z. Plus“ finden sich alle Artikel der gedruckten Zeitung, dargestellt in einem völlig neuen Layout, mit opulenter Optik, zusätzlichen Bildern, Grafiken und Videos.

          Auch die „Frankfurter Neue Presse“, die von der Frankfurter Societät, einer Schwestergesellschaft der F.A.Z., herausgegebene Regionalzeitung, verdient Geld. Die „Frankfurter Rundschau“, eine gemeinsame Tochtergesellschaft, macht ebenfalls einen kleinen Gewinn. In den Aufsichtsgremien der Frankfurter Allgemeinen gab es personelle Veränderungen. Die Hamburger Verlegerin Katarzyna Mol-Wolf wurde in den Aufsichtsrat der F.A.Z. GmbH gewählt, und Marija Korsch, ehemalige Partnerin des Bankhauses Metzler, wurde in das Kuratorium der FAZIT-Stiftung gemeinnützige Verlagsgesellschaft mbH berufen.

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