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F.A.S. exklusiv : „Wir haben von uns aus auf Geld verzichtet“

  • -Aktualisiert am

Karl von Rohr ist Personal- und Rechtsvorstand der Deutschen Bank Bild: Frank Röth

Deutsche-Bank-Vorstand Karl von Rohr über unanständige Gehälter, den Kampf um Talente und die Extraklasse von Lionel Messi.

          Herr von Rohr, verdienen Manager zu viel?

          Ich sehe kein grundsätzliches Problem mit übertriebenen Gehältern in Deutschland. Was wir haben, sind einzelne Ausschläge nach oben, die eine gesellschaftliche Debatte provozieren. Diese Debatte ist berechtigt, der müssen wir uns stellen.

          Sind Sie etwa dafür, gesetzliche Obergrenzen einzuführen, wie es die SPD verlangt?

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nein, der Gesetzgeber ist nicht gefordert. Bisher legt der Aufsichtsrat die Vergütung der Vorstände fest, damit sind die maßgeblichen Interessensgruppen an der Entscheidung beteiligt: Anteilseigner und Arbeitnehmervertreter.

          Investoren fordern, dass sie, die Aktionäre, auf der Hauptversammlung direkt über die Vergütung abstimmen. Wären Sie damit einverstanden?

          Das ist ein möglicher Schritt. Ich halte ihn aber nicht für notwendig. Das System ist so ausgestaltet, dass es zu nachvollziehbaren Ergebnissen kommen sollte. Bei der Deutschen Bank hat es auch funktioniert. Der Aufsichtsrat musste bei uns nicht einmal den Vorstand auffordern zu verzichten. Wir haben das freiwillig getan.

          Anstößig wird es, sobald ein Top-Manager mehr als zehn Millionen Euro kassiert. Liegt hier die gesellschaftlich verträgliche Obergrenze?

          Auf diese Marke können sich offenbar viele Leute einigen, auch ich persönlich. Bei der Deutschen Bank gibt es seit fünf Jahren eine Obergrenze von 9,8 Millionen Euro für Vorstandsgehälter, die übrigens in dieser Zeit nie erreicht wurde.

          Waren die Gehälter der Banker zuvor aus dem Ruder gelaufen?

          So allgemein kann man das nicht sagen. International wird im Bankgeschäft generell gutes Geld verdient. Das ist in manchen Bereichen wie im Sport. Und wir haben gar keine andere Wahl, wenn wir vorne mitspielen wollen.

          Der Ketzer würde einwenden: Warum hochbezahlte Weltstars anheuern, wenn es dann so endet wie mit Anshu Jains Truppe? Mit Tausenden Rechtsstreitigkeiten und Milliardenverlusten.

          Hohe Gehälter führen nicht zwangsläufig zu Problemen. Ich plädiere dafür, Leistungsträger marktüblich zu bezahlen und sicherzustellen, dass das Geschäft profitabel und kontrolliert läuft.

          Ein Fußballer wie Lionel Messi kann so viel verdienen, wie er mag, er muss sich dafür nicht rechtfertigen. Finden Sie das ungerecht?

          Nein, ich kann mich darüber nicht aufregen. Wenn Messi Millionen Menschen glücklich macht und der Markt dies hergibt, soll er dafür auch entsprechend bezahlt werden. Der ist ein Ausnahmespieler, ebenso wie Philipp Lahm.

          Die Deutsche-Bank-Aktionäre sind weniger großzügig und klagen, dass sie, die Eigentümer, immer ärmer werden, während ihre Angestellten, die Investmentbanker, Reichtümer angehäuft haben.

          Natürlich müssen wir sicherstellen, dass die Eigentümer vom Erfolg der Bank angemessen profitieren. Erfolgreich werden wir aber nur sein, wenn wir die besten Kräfte anziehen.

          Dazu braucht es Boni?

          In der Finanzindustrie haben die Gehälter höhere variable Anteile als in anderen Branchen.

          Der BMW-Vorstand sagt: Meine Leute brennen dafür, die tollsten Autos zu bauen, denen muss ich keine Karotte vor die Nase halten, damit sie sich reinhängen. Ist es in einer Bank schwieriger mit der intrinsischen Motivation?

          Wir haben auch in den Banken viele intrinsisch hochmotivierte Leute – ganz unabhängig von der variablen Vergütung.

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