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EY-Studie : Amerikas Banken hängen Europas Banken ab

Der mit Abstand höchste Nettogewinn unter den amerikanischen Banken: JP Morgan Chase mit umgerechnet 23,4 Milliarden Euro Bild: Reuters

Drei Mal so profitabel, doppelt so viel wert an der Börse: Auch an der Börse geht die Schere zwischen Amerika und Europa immer weiter auseinander.

          Die Aufsichtsbehörden sind auch zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise noch damit beschäftigt, die Verfehlungen der Banken zu verfolgen und zu bestrafen. 2016 verhängten sie gegen die zehn größten amerikanischen Banken und gegen die zehn größten europäischen Banken Strafzahlungen in Höhe von 21,1 Milliarden Euro. Damit bestraften die Aufseher Verstöße gegen Börsenregeln, staatliche Wirtschaftssanktionen, manipulierte Devisenkurse und umstrittene Hypothekengeschäfte. 11,3 Milliarden Euro mussten die zehn größten amerikanischen Banken zahlen, 9,8 Milliarden Euro die europäischen Banken. Dies geht aus einer Zusammenfassung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY hervor.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die höchsten Belastungen mussten im vergangenen Jahr die Deutsche Bank (7,0 Milliarden Euro) tragen, gefolgt von den amerikanischen Rivalen Goldman Sachs (4,7 Milliarden Euro) und Morgan Stanley (2,4 Milliarden Euro) hinnehmen. Bei der Deutschen Bank schlug die Strafe in Höhe von 6,9 Milliarden Euro ins Kontor, die das amerikanische Justizministerium verhängt hat. Damit bestraften die Amerikaner, dass die Deutsche Bank in den Jahren 2005 bis 2007 Pensionsfonds und anderen (Landes-)Banken verschachtelte Immobilienkreditpakete verkauft hat, angeblich ohne über die der Deutschen Bank bekannten Risiken aufzuklären.

          Wells Fargo drohen weitere Strafen

          Nicht in der Rechnung von EY berücksichtigt sind Strafzahlungen der Credit Suisse für ähnliche Verfehlungen in Höhe von insgesamt 5,3 Milliarden Euro, da Credit Suisse nicht zu den größten zehn Banken in Europa zählt. Auch ohne Credit Suisse stiegen aber 2016 die verhängten Strafen an die zehn größten europäischen und amerikanischen Banken gegenüber dem Vorjahr um 24 Prozent – ein untrügliches Zeichen, dass die Finanzkrise noch immer nicht aufgearbeitet ist.

          2016 musste die Deutsche Bank insgesamt sechs Strafzahlungen akzeptieren. Noch häufiger, jeweils acht Mal, wurden Strafen gegen die britische Bank Barclays und die amerikanische Wells Fargo verhängt. Mitarbeiter der zwischenzeitlich zur wertvollsten Bank der Welt aufgestiegene Wells Fargo haben offenbar wegen hohen Erfolgsdrucks in großem Stil Konten eröffnet, für die es keine Ermächtigung von Kunden gab. Wegen dieser fingierten Konten drohen Wells Fargo 2017 noch weitere Strafzahlungen. Die Bank hat bisher tausende Mitarbeiter entlassen hat, aber nur eine Strafe von weniger als 200 Millionen Euro gezahlt.

          Banken kämpfen immer noch mit den Niedrigzinsen

          Allerdings können die amerikanischen Banken die Strafen viel besser wegstecken als ihre europäischen Konkurrenten. 2016 sind die europäischen Banken gemessen an der Profitabilität weiter zurück gefallen. Die Eigenkapitalrentabilität der zehn größten europäischen Banken sank auf 3,0 Prozent (Vorjahr: 3,6 Prozent). Die amerikanischen Banken erwirtschafteten hingegen wie im Vorjahr 10,1 Prozent. „Einige große europäische Institute mussten im vergangenen Jahr erhebliche Gewinneinbußen aufgrund von Abschreibungen und Restrukturierungskosten hinnehmen, aber auch im operativen Kerngeschäft läuft es nicht rund“, sagt EY-Partner Dirk Müller-Tronnier.

          Zwar erhole sich die europäische Wirtschaft weiter. Dennoch führten gerade in den südeuropäischen Ländern faule Kredite zu erheblichen Risikovorsorgeaufwendungen. „Viele europäische Institute sind immer noch mit dem Abarbeiten von Altlasten beschäftigt, auch der Umbau der Geschäftsmodelle führt zu anhaltenden Einbußen“, sagt Müller-Tronnier. „Obendrein kämpfen nach wie vor etliche Banken mit einer ungünstigen Kostenstruktur und mit dem historisch niedrigen Zinsniveau.“ Bei vielen Banken erwirtschafte das Zinsgeschäft kaum noch oder gar keine Gewinne mehr.

          JP Morgan Chase macht meisten Nettogewinn

          Dagegen liegen die Gewinne der amerikanischen Banken auf Vorkrisenniveau. Den mit Abstand höchsten Nettogewinn unter den amerikanischen Banken fuhr mit umgerechnet 23,4 Milliarden Euro JP Morgan Chase ein, den zweiten Platz belegt mit 20,8 Milliarden Euro die unter der Kontoaffäre leidende Wells Fargo. In Europa führt die französische Großbank BNP Paribas mit 7,7 Milliarden Euro die Rangliste der gewinnstärksten Finanzinstitute an. Auf Rang zwei folgt mit 6,2 Milliarden Euro die spanische Banco Santander.

          Auch an der Börse geht die Schere zwischen Amerika und Europa immer weiter auseinander. Die zehn größten amerikanischen Banken waren Ende 2016 doppelt so viel wert wie die zehn europäischen. EY geht davon aus, dass sich der Trend zugunsten der amerikanischen Banken fortsetzt. „Die Deregulierungspläne der neuen amerikanischen Regierung versprechen niedrigere Regulierungskosten, die geplante Steuerreform könnte zu einer niedrigeren Steuerbelastung führen, und der Zinsanstieg in den Vereinigten Staaten bietet den Banken die Chance auf höhere Einnahmen im Zinsgeschäft“, argumentiert Müller-Tronnier.

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