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Jetzt wird es ernst : EY-Partner sollen über große Aufspaltung abstimmen

  • -Aktualisiert am

Große Aufspaltung geplant: Markenzeichen des Prüfungs- und Beratungsnetzwerks EY an einem Gebäude in der Schweiz Bild: Reuters

Das Prüfungs- und Beratungsnetzwerk EY will ernst machen mit der Trennung von Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung. In der aktuellen Struktur ist das Wachstum durch Regulatorik beschränkt.

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          Das internatio­nale Prüfungs- und Beratungsnetzwerk EY hat sich nun auch offiziell zu seinem Plan bekannt, die beiden Geschäfts­felder der Wirtschaftsprüfung und der Unternehmensberatung zu trennen. Die globale Führung von EY habe ent­schieden, den Partnerinnen und Partnern den Vorschlag zur Aufspaltung in zwei unterschiedliche multidisziplinäre Or­ga­nisationen zu unterbreiten. Das gab EY am Donnerstag bekannt.

          Mark Fehr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          EY ist ei­ner der vier international führenden An­bieter von Wirtschaftsprüfung und Unternehmensberatung – neben PWC, KPMG und Deloitte. Von den vier Branchenriesen ist EY der erste, der eine internationale Aufspaltung durch­führen will. Begründet wird das Vor­haben damit, dass die Wirtschaftsprüfung und die Unternehmensberatung unabhängig voneinander viel stärker wachsen könnten. Ist ein Anbieter für die jährliche Prüfung der Jahresabschlüsse eines Un­ter­nehmens verantwortlich, darf er den Mandanten nicht gleichzeitig auch noch umfangreich beraten. Das schränkt die Möglichkeiten von multidisziplinären Organisationen wie EY ein, die viele unterschiedliche Dienstleistungen rund um Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Unternehmensberatung oder Rechtsberatung anbieten.

          Kampf um Fachkräfte

          Wachstum ist für Prüfungs- und Beratungsgesellschaften wichtig, weil es Talente und Fachkräfte anlockt, nach denen aktuell alle Anbieter händeringend suchen. Im Lichte des Wirecard-Skandals kann der Aufspaltungsplan von EY allerdings auch als ein Weg gesehen werden, Risiken aus Schadenersatzforderungen und Reputationsschäden zu begrenzen.

          EY will seine Partnerinnen und Partner nun erst einmal umfassend über den Aufspaltungsplan informieren. Die Ab­stimmungen in den Partnerschaften in den unterschiedlichen Ländern sollen dann Ende 2022 und Anfang 2023 be­ginnen. Der Plan sieht vor, das Geschäft mit der Unternehmensberatung in ei­nem separaten und international tätigen Unternehmen zu bündeln. Das Be­ratungsunternehmen wäre dann – an­ders als EY bisher – nicht mehr als Netzwerk organisiert, sondern als eigenständige Rechtsform und könnte in dieser Form irgendwann an die Börse gebracht werden. Es soll in mehr als 75 Ländern tätig sein und Beratungsleistungen rund um Digitalisierung, Nachhaltigkeit oder Steuern anbieten. Der Schwerpunkt wird auf Transformationen und Unternehmenstransaktionen liegen.

          Auch nach einem Börsengang soll sich die Un­ternehmensberatung mehrheitlich im Besitz der Partnerinnen und Partner befinden. Die Rede ist von einem Streubesitzanteil von nur 15 Prozent. Am ehesten dürfte die Struktur mit der US-Bank Goldman Sachs vergleichbar sein, die börsennotiert ist, an der die Partner aber mitbeteiligt sind.

          Ein Markenname für die neue Beratungsgesellschaft steht offenbar noch nicht fest. Klar scheint, dass die Marke EY für die abgetrennte Wirtschaftsprüfung vorbehalten bleibt, die zudem wegen regulatorischer An­forderungen weiter als Partnerschaft or­ganisiert bleiben muss. Angestrebt ist, die Unabhängigkeit von Prüfung und Be­ratung mit Wirkung für das Kalenderjahr 2024 herzustellen, damit Mandanten, Regulierungsbehörden und Mit­arbeiter Klarheit haben. Für bisherige Prüfungskunden ist es entscheidend zu wissen, ab wann sie die Dienste des neuen Beratungsunternehmens in An­spruch nehmen könnten, wenn sie das wünschen.

          Wirtschaftsprüfung behält Markennamen EY

          Neben der Zustimmung der Partnerinnen und Partner sind zahlreiche organisatorische Schritte nötig. So müssen zwei voneinander unabhängige IT-Infrastrukturen eingerichtet werden. Für den deutschen Arm von EY sind etwa ein Drittel der Partner und Mitarbeiter in der Wirtschaftsprüfung tätig, zwei Drittel in der Unternehmensberatung.

          Durch die Aufspaltung hofft EY in Deutschland auf neue Geschäftsmöglichkeiten, weil dank der neuen Struktur künftig auch die Jahresabschlüsse von solchen Dax-Unternehmen geprüft werden könnten, die aktuell schon Beratungskunden sind. Gleichzeitig könnten Prüfungskunden in Deutschland dann lukrative Beratungsaufträge erteilten. Dieses Prinzip gilt natürlich auch für andere Länder. In Amerika etwa prüft EY derzeit die Jahresabschlüsse der Großunternehmen Google, Microsoft, Salesforce oder Wework und kann diese daher nicht gleichzeitig beraten. Nach der Trennung soll das aber künftig möglich sein.

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