https://www.faz.net/-gqe-9175y

Dara Khosrowshahi : Wird er der neue Uber-Chef?

Der neue starke Mann bei Uber? Dara Khosrowshahi soll zum Mitfahrdienst wechseln. Bild: GOMBERT/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Dara Khosrowshahi führt Expedia, einen Online-Reisekonzern. Nun könnte er als Chef zum umstrittenen Mitfahrdienst Uber wechseln. Genug Erfahrung dafür hat er.

          Es ist eine der reizvollsten offenen Stellen im Silicon Valley – und zugleich eine der herausforderndsten: der Chefposten des Mitfahrvermittlers Uber. Der Reiz besteht darin, ein mit mehr als 60 Milliarden Dollar bewertetes, schnell wachsendes Unternehmen zu führen, das jedem Taxifahrer schlaflose Nächte bereiten dürfte. Immerhin hat sich Uber vorgenommen, die Chauffeurbranche in vielen Städten der Welt durcheinanderzuwirbeln. Die Herausforderung ergibt sich aus den Skandalen der vergangenen Monate: Sexismus, Mobbing, Diskriminierung und führende Mitarbeiter, die sich nicht kontrollieren können – manche halten Uber für das unsympathischste Unternehmen der Welt,

          Seit dem erst vorläufigen und dann endgültigen Rückzug des Gründers Travis Kalanick vor rund eineinhalb Monaten ist die Stelle des Uber-Chefs frei. Seitdem kursierten einige Namen, wer sie füllen könnte. Die Kandidatenliste reichte von Meg Whitman, der Chefin des amerikanischen Computerherstellers Hewlett Packard Enterprises bis zu Jeffrey Immelt, der gerade als Vorstandsvorsitzender des Industriekonzerns General Electric ausgeschieden ist. Nun verdichten sich die Hinweise, dass weder Whitman noch Immelt Uber-Chef werden. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten, könnte es stattdessen der 48 Jahre alte Dara Khosrowshahi werden, der zurzeit noch dem Online-Reisekonzern Expedia vorsteht. Das Unternehmen ist hierzulande vor allem durch seine gleichnamige Reisebuchungsplattform bekannt, es betreibt nach eigenen Angaben aber noch rund 200 Buchungsseiten in mehr als 75 Ländern der Welt. Khosrowshahi sollte sich noch am Montag, spätestens aber am Dienstag den Uber-Mitarbeitern vorstellen, berichtete das in der Regel gut informierte amerikanische Online-Medium „Recode“. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe blieben die Berichte unbestätigt. Uber teilte lediglich mit, dass sich der Verwaltungsrat des Unternehmens auf einen Kandidaten geeinigt habe, wollte aber dessen Namen vorerst nicht nennen.

          Folgt man den Berichten, würde Khosrowshahi nicht unter Idealbedingungen auf seinem neuen Posten starten. Von einem „Kompromiss“ war die Rede und von einem „Waffenstillstands“-Kandidaten, der eine Fehde zwischen dem ehemaligen Chef Kalanick und dem Investor Benchmark Capital im Verwaltungsrat befrieden soll. Obwohl sich der 40 Jahre alte Gründer aus der Uber-Leitung zurückgezogen hat: Seinen Sitz im Aufsichtsgremium hat er behalten, genauso wie seine Stimmrechte. So kann Kalanick weiter das Schicksal seines Unternehmens mitbestimmen.

          Hohe Erwartungen an Khosrowshahi

          Diesem Einfluss könnte der iranischstämmige Khosrowshahi mit viel Lebenserfahrung und Berufserfahrung begegnen. Vor 39 Jahren war er mit seinen Eltern vor der islamischen Revolution im Iran in die Vereinigten Staaten geflohen. Wie viele iranische Immigranten legten auch Khosrowshahis Eltern hohen Wert auf die Ausbildung ihres Sohnes Dara. Sein Studium führte ihn an die Brown University im Bundesstaat Rhode Island, wo er einen Abschluss als Ingenieur machte. Die Universität gehört zur sogenannten „Ivy League“, also den acht ältesten und renommiertesten Universitäten der Vereinigten Staaten. Von 1991 bis 1998 arbeitete Khosrowshahi für die Investmentbank Allen & Company, von wo er zum Internetunternehmen IAC wechselte. Dort hatte er verschiedene Positionen inne, war unter anderem Finanzchef, bevor er das Reisegeschäft des Konzerns übernahm. Unter dem Namen Expedia brachte IAC seine Buchungsseiten schließlich vor zwölf Jahren an die Börse, Khosrowshahi wurde Vorstandsvorsitzender des nun eigenständigen Unternehmens. Seitdem ist er ihm treu geblieben und hat dessen Weg zu einem der größten Reisenanbieter der Welt mitbestimmt.

          Sprinter – der politische Newsletter der F.A.Z.
          Sprinter – der Newsletter der F.A.Z. am Morgen

          Starten Sie den Tag mit diesem Überblick über die wichtigsten Themen. Eingeordnet und kommentiert von unseren Autoren.

          Mehr erfahren

          Seine Herkunft hat er dabei nicht aus den Augen verloren. Das zeigte sich, als der amerikanische Präsident Donald Trump kurz nach seiner Wahl ankündigte, Muslime aus bestimmten Ländern nicht mehr einreisen lassen zu wollen. Khosrowshahis Arbeitgeber Expedia war eines von mehreren Unternehmen, die den Einreisestopp klar kritisierten. „Die Anordnung des Präsidenten repräsentiert das Schlimmste seiner Neigung zu überstürzten Handlungen statt Bedachtsamkeit. Wir sind eine Nation von Einwanderern“, sagte Khosrowshahi damals. Klare Worte gegen Trump fand er auch vor zwei Wochen. Nach den lavierenden Äußerungen des Präsidenten zu den rechtsradikalen Demonstrationen in Charlottesville schrieb er über den Kurznachrichtendienst Twitter: „Ich warte noch auf den Moment, in dem unser Präsident den Anforderungen seines Amtes entspricht. Er scheitert immer wieder daran.“

          Sollte Khosrowshahi den neuen Posten bei Uber antreten, muss auch er hohe Erwartungen erfüllen. Das Unternehmen hat sich einen Kulturwandel auferlegt. Von seinem bisherigen Arbeitgeber brächte der Manager jedenfalls ein Grundgerüst an Werten mit zum umstrittenen Mitfahrdienst. Expedia schreibe Transparenz, Teamfähigkeit und demütige Führung groß, heißt es auf der Internetseite. Es sind alles Dinge, die auch Uber gut gebrauchen könnte. 

          Weitere Themen

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Topmeldungen

          Was sollte eine Wurst kosten?

          Agrarlobby : Was kostet die Wurst?

          Tiere leiden, der Planet auch. Dabei wäre das leicht zu ändern. Ganz ohne Fleischsteuer. Die meisten deutschen Fleischesser sind hier längst weiter als die Bauern und ihre Bundesministerin.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.