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Expansion : Tiefkühlpizzen für China

Pizzaproduktion bei Dr. Oetker - hier in Wittenburg in Mecklenburg-Vorpommern Bild: dpa

Sie sind schärfer gewürzt und etwas dicker als herkömmliche Pizzen. Mit dieser angepassten Variante will der Bielefelder Lebensmittelkonzern Dr. Oetker expandieren. Dabei hat der Durschnitts-Chinese gar keinen Ofen.

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          Die Chinesen sind nicht gerade dafür bekannt, große Pizza-Freunde zu sein. Und doch gibt es erste Anzeichen, dass der belegte Teigfladen auch im Reich der Mitte immer beliebter wird: Die amerikanische Schnellrestaurant-Kette „Pizza Hut“ ist in einigen Metropolen stark im Kommen. Allein in Schanghai gibt es schon mehr als 100 dieser Lokale. Dies hat Dr. Oetker nach einer zweijährigen Testphase dazu ermutigt, sich in den chinesischen Tiefkühlpizzamarkt vorzuwagen. Dieser ist mit einem geschätzten Volumen von 50 Millionen Dollar noch sehr klein. Zum Vergleich: In Deutschland werden Jahr für Jahr tiefgekühlte Pizzen im Gesamtwert von rund einer Milliarde Euro verkauft. Aber Richard Oetker, der die Geschäfte des Bielefelder Familienunternehmens führt, sieht in China ein enormes Wachstumspotential.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Um diesen Markt besser begreifen und erschließen zu können, baue man 50 Kilometer nordwestlich von Schanghai eine kleine Pizza-Produktionsstätte auf, sagte Oetker auf der Jahrespressekonferenz der Oetker-Nahrungsmittelsparte in Bielefeld. Schon in wenigen Monaten werde man dort Pizzen produzieren, die an den Geschmack der Chinesen adaptiert werden. Sie sind schärfer gewürzt und etwas dicker als herkömmliche Oetker-Pizzen. Anders als im Rest der Welt sind die chinesischen Teiglinge für die Zubereitung in der Mikrowelle gedacht. „Der gemeine Chinese hat keinen Ofen“, sagte der für das Asiengeschäft zuständige Geschäftsführer Rainer Lührs am Rande der Pressekonferenz.

          Dank der lokalen Produktion könne man die Pizzen für umgerechnet weniger als 2 Euro das Stück anbieten. Daher hofft Lührs auf eine wachsende Akzeptanz im Markt. Weitere Oetker-Produkte will er vorerst nicht nach China bringen: „Mit Götterspeise und Paradiescreme kann man die Chinesen nicht aus der Reserve locken.“ Auch in Indien unternehmen die Bielefelder erste Gehversuche. Wegen der viel schlechteren Infrastruktur und der lückenhaften Kühlkette wagt sich Oetker aber noch nicht mit seinen Stammprodukten nach Indien. Über eine Tochtergesellschaft bietet man dort unter anderem Mayonnaise und Pastasaucen an. „Aktuell können wir in Indien mehr verkaufen als produzieren“, sagte Oetker. Daher werde man dort die Produktion ausbauen.

          2010 hat die Oetker-Gruppe im Nahrungsmittelgeschäft 1,94 Milliarden Euro umgesetzt. Bereinigt um Akquisitionseffekte, waren das knapp 5 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Ergebnis bezeichnete Oetker als „einigermaßen zufriedenstellend“. Gut zwei Drittel des Umsatzes wurden im Ausland erwirtschaftet. Von dort kam auch das größte Wachstum. Im umkämpften deutschen Markt stieg der Umsatz nur um 1 Prozent. Im laufenden Turnus wird es nicht leichter werden, denn wegen der gestiegenen Rohwarenpreise will Oetker die Preise in fast allen Produktgruppen erhöhen. Er kündigte an, die Investitionen auf mehr als 100 (Vorjahr: 61) Millionen Euro zu erhöhen. Davon entfalle ein zweistelliger Millionenbetrag auf China und Indien.

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