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Haribo : Die Goldbären erobern die Welt

Panda- oder Goldbär? Für die Expansion hält der Haribo-Konzern am klassischen Design fest. Bild: dpa

Die Goldbären werden überall auf der Welt gekauft. In China, Brasilien und Amerika expandiert der Konzern kräftig und mausert sich langsam zum Global Player. Aber auch hierzulande lässt Haribo keinen Stein auf dem anderen.

          Die chinesischen Landesgeschäftsführer sind leider schon in der nächsten Besprechung. Zu gerne hätte Hans Guido Riegel sie den berühmten Slogan in ihrer Muttersprache vortragen lassen. Denn Haribo macht bald auch chinesische Kinder froh. Die Waren für die ersten Lieferungen ins Reich der Mitte sind verpackt, Happy Cola und die Goldbären machen den Anfang. Sie sehen aus wie ihre Artgenossen, die es bei fast jedem deutschen Einzelhändler zu kaufen gibt. Keine Spur von Panda, wie man es vielleicht für China erwartet hätte. Riegel lacht. „Wir haben das tatsächlich getestet, mit den Pandabären, die noch mein Onkel kreiert hat. Aber die kamen nicht besonders an, weil die Chinesen den Heidelbeergeschmack nicht so mögen.“

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Sein Onkel, das war der 2013 kinderlos verstorbene Hans Riegel. Viele Jahrzehnte war er das Gesicht von Haribo in der Öffentlichkeit, während sein Bruder Paul, ein begnadeter Techniker und Tüftler, bis zu seinem Tod 2009 lieber im Hintergrund wirkte. Privat konnten die beiden nicht gut miteinander, aber geschäftlich waren sie ein geniales Gespann. Sie haben das Haribo-Imperium weit über die deutschen Grenzen hinaus erweitert, Fruchtgummi und Lakritz nach Bonner Rezept überall in Europa fest etabliert. Nun also steht Pauls Sohn Hans Guido, 49 Jahre alt, an der Unternehmensspitze. Zusammen mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Michael Phiesel erläutert er, wie er sich die nächste Wachstumsphase vorstellt: die Expansion in Übersee.

          Phiesel breitet einige Grafiken aus. „Das sind die zehn wachstumsstärksten Märkte. Da wollen wir unsere Präsenz weiter ausbauen und zum Teil auch ganz neu hinein“, sagt er. Asien ist ein großes Ziel, die Vereinigten Staaten locken mit dem größten Süßwarenmarkt der Welt, und in Lateinamerika entwickelt eine wachsende Mittelschicht Appetit auf Süßes. In China hat Haribo ein Jahr lang den Markt erkundet, Verbrauchervorlieben getestet und sich um Markenschutz für seine Produkte bemüht. „Für uns ist es ein sehr wichtiger Markt, aber wir gehen mit der gebührenden Vorsicht heran“, sagt Riegel. Die neu gegründete Landesgesellschaft startet mit dem Vertrieb in Schanghai, noch in diesem Jahr sollen dann zwei weitere Städte dazukommen.

          Haribo muss sich erst noch mit der Bürokratie auseinandersetzen

          Auch Indien und Indonesien stehen in der Planung weit oben. „Möglichst noch in diesem Jahr, spätestens aber 2016 möchten wir beide Länder beliefern“, sagt Riegel. Dazu muss sich Haribo aber erst noch mit der Bürokratie auseinandersetzen. Es geht um Einfuhrgenehmigungen und lebensmittelrechtliche Bestimmungen. Einige Farbstoffe aus der Rezeptur für den Goldbären sind in Indien nicht zugelassen, die Haribo-Anwälte haben noch einiges zu tun. Aber der Aufwand lohnt sich: Indien ist hinter China, Brasilien und den Vereinigten Staaten der am schnellsten wachsende Süßwarenmarkt der Welt.

          Große Pläne haben Riegel und Phiesel in Brasilien. Eine neue Landesgesellschaft wird gegründet, die erste in Lateinamerika. „Und noch in diesem Jahr werden wir in der Nähe von São Paulo eine eigene kleine Produktion in Betrieb nehmen“, kündigte Riegel an. Sehr zufrieden zeigen sich die beiden, allen Unkenrufen zum Trotz, über das Geschäft in den Vereinigten Staaten. „Unsere Umsätze haben sich dort von 2011 bis 2013 verdoppelt. Auch im vorigen Jahr sind wir in den Vereinigten Staaten zweistellig gewachsen“, sagt Phiesel. Der überraschende Tod von Amerika-Chef Sal Ferrara im November sei ein großer Verlust. „Unser Management-Team vor Ort ist aber stark und erfahren genug, die Situation zu bewältigen.“ Gerade ist in Chicago ein zweites großes Büro eröffnet worden, und jetzt kommt der nächste Schritt: der Aufbau einer Fabrik, für das Haribo nach einem geeigneten Grundstück sucht. Drei Standorte sind in der engeren Wahl: Chicago, Indianapolis und Louisville. Im März reisen die zwei Geschäftsführer in die Staaten, dann könnte die Kaufentscheidung für das Areal fallen.

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