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Krise in der Autoindustrie : Die strengen CO2-Regeln aussetzen?

Die strengen CO2-Regeln aus Brüssel könnten die deutsche Autoindustrie Milliarden kosten. Bild: dpa

Die Autoindustrie könnte in Existenznot geraten, warnt die Landesbank Baden-Württemberg. Sie schlägt vor, die strengen CO2-Regeln aufzuweichen.

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          Die Corona-Krise könnte die Autoindustrie in Existenznot bringen. Davor warnt die Landesbank Baden-Württemberg und verweist auf die große Ungewissheit: Es sei nicht absehbar, wann die Lieferketten wieder funktionierten und der Absatz sich normalisiere. Daher sei es „zwingend erforderlich“, die CO2-Flottenregeln der EU-Kommission zu diskutieren, fordern die Analysten der LBBW. Sie erwarten, dass die europäischen Autohersteller in diesem Jahr rund 15 Milliarden Euro Strafzahlungen leisten müssten, weil sie die CO2-Grenzwerte nicht einhalten könnten. Wegen der Corona-Pandemie stecke die Autoindustrie gleichzeitig in einer tiefen Krise: Vermutlich würden dieses Jahr weltweit 12 bis 15 Prozent weniger Autos verkauft. „Es kann doch nicht sein, dass der Staat die Wirtschaft mit Kurzarbeit und Liquiditätshilfen stützt und gleichzeitig sollen die Autohersteller 15 Milliarden Euro nach Brüssel überweisen“, warnt LBBW-Autoanalyst Gerhard Wolf. Nachdem in den vergangenen Wochen zahlreiche Regeln im Handstreich außer Kraft gesetzt worden seien, müsse man auch über die CO2-Regeln nachdenken.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Die LBBW schlägt vor, die Strafzahlungen für ein Jahr auszusetzen, um die Liquidität der Unternehmen zu schonen. Alternativ schlägt die LBBW vor, die Senkung der CO2-Flotten-Grenzwerte zu verlangsamen oder, um die Fortschritte in der Transformation zu belohnen, ein Bonussystem einzuführen. 

          „Die eigentlich vernünftige Regelung zur Stärkung des Umweltschutzes könnte für einzelne Hersteller existenzgefährdende Ausmaße annehmen“, fürchtet man bei der LBBW. In Deutschland wären nach früheren Schätzungen von Wolf in diesem Jahr voraussichtlich rund 4 bis 5 Milliarden Euro Strafzahlungen von VW fällig, knapp eine Milliarde Euro von Daimler und etwa 750 Millionen Euro von BMW – wobei die Autohersteller selbst immer auf ihren Ehrgeiz verwiesen haben, durch höhere Anteile an Hybrid- und E-Fahrzeugen am Gesamtabsatz die CO2-Ziele doch zu erreichen und damit Strafzahlungen weitgehend zu vermeiden.

          Die Existenzgefährdung sieht Wolf denn auch nicht bei den großen deutschen Herstellern, jedenfalls „nicht in dieser krassen Form“, präzisiert er. „Aber es wird sich schon die Frage stellen, inwieweit hier Fusionen oder noch stärkere Kooperationen nötig werden.“ Größere Sorgen müsse man sich um die französischen Hersteller machen. Die Fusion von Fiat-Chrysler mit Peugeot werde möglicherweise nicht gelingen – weil sich seit der grundsätzlichen Übereinkunft einiges verschoben habe, so seine Erwartung.  

            

          Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt sich alarmiert über die Folgen der Corona-Pandemie.  Vor allem Baden-Württemberg und Niedersachsen könnten besonders stark betroffen sein, erwartet IW-Wissenschaftsleiter Hubertus Bardt. In den stark von der Autobranche geprägten Regionen sei die Sorge wegen des notwendigen Strukturwandels ohnehin groß: „Für die Automobilbranche kommt Corona zur Unzeit.“

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