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Kommentar : Fonds ohne Bank

  • -Aktualisiert am

Messeturm, Deka-Tower, Helaba- und Commerzbank-Gebäude in Frankfurt Bild: dpa

Banken verkaufen ungerne ETFs, denn sie verdienen nicht viel daran. Bei Kunden allerdings ist diese Anlageform äußerst beliebt. Warum?

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          Die Fondsindustrie hat zu kämpfen. Viele Leute haben in der Finanzkrise und in der darauf folgenden Niedrigzinsphase das Vertrauen verloren, dass Fondsmanager mit ihrem Geld ohne großes Risiko vernünftige Renditen erwirtschaften. Anders ist kaum zu erklären, warum die Deutschen 2 Billionen Euro unverzinst auf Bankkonten „stillgelegt“ haben. Und wenn sie doch Geld an der Börse anlegen, fließt viel davon in ETFs.

          Das Kürzel steht für Exchange Traded Funds, also Fonds, die nichts anderes tun, als eine Marktentwicklung nachzuahmen. Der Trend zu ETFs ist für die Fondsindustrie nicht gut. Denn sie lebt davon, Gebühren dafür zu verlangen, dass aktive Fondsmanager gezielt nur die aussichtsreichsten Wertpapiere auswählen. Oft allerdings fehlt Fondsmanagern dieser Mut, und sie orientieren sich allzu sehr am Gesamtmarkt, also genauso wie ETFs an Indizes.

          Zwar wäre es gut, wenn mehr Privatanleger den Mut aufbrächten, selbst in Aktien zu investieren. Wer aber auf eine breitere Streuung mit Fonds setzt, ist mit ETFs nicht schlecht bedient. Die Banken allerdings verkaufen diese Fonds nicht gerne, denn sie verdienen nicht viel daran. Daher löst sich hier der Fondsvertrieb vom Bankvertrieb. Gilt das auch für den Rest der Fondsindustrie?

          Der härter werdende Wettbewerb um Kundengelder dürfte die Qualität der Kapitalgesellschaften heben. Schon der Verdacht auf Interessenkonflikte schadet. So missfällt insbesondere Großanlegern wie Stiftungen und Versorgungswerken, wenn Fondsgesellschaften Banken gehören, wie es in Deutschland oft der Fall ist.

          Sie vermuten, dass Fondsgesellschaften wie die Deutsche Asset der Deutschen Bank, die Deka der Sparkassen oder die Union Investment der VR-Banken angehalten sein könnten oder sich in der Pflicht sehen, ihre Wertpapierkäufe über die Handelsräume ihrer Eigner abzuwickeln – eben weil ihre Aufträge dort die Kassen klingeln lassen. Nicht ohne Grund prüfen die deutschen Finanzaufseher heute gründlicher als früher die Geschäfte zwischen Banken und ihren Fondsgesellschaften.

          Auch Banken reagieren auf das Misstrauen

          Dennoch dürfte klar sein: Bankunabhängige Fonds entscheiden freier, über wen sie ihre Wertpapiere beziehen und wie sie den Dienstleister vergüten. Bankunabhängige Fonds lassen sich auch keine schwer verkäuflichen Aktien oder Anleihen von Firmenkunden einer Bank aufdrängen. Vermutlich vertrauen Anleger auch deshalb öfter bankunabhängigen Anbietern wie Flossbach von Storch oder Assenagon, die seit längerem überdurchschnittlich wachsen. Auch zieht es immer wieder Fondsmanager, die in Banken unzufrieden sind, in die Selbständigkeit – wie gerade in Hamburg etliche Mitarbeiter von Berenberg.

          Auch Banken reagieren auf das Misstrauen. Manche sehen ihre Fondsgesellschaft in anderen Händen besser aufgehoben. Die Commerzbank hat ihre Fondsgesellschaft Cominvest schon 2009 an die Allianz verkauft. Das hat ihre Berater davon befreit, Kunden nur die nicht immer überragend guten Fonds der eigenen Gesellschaft anzubieten.

          Nun gliedert die Commerzbank ihr strukturiertes Aktiengeschäft mit ETFs und Zertifikaten aus, um es vermutlich 2018 zu verkaufen. Gerade verkauft haben Berenberg und Bankhaus Lampe die Fondsgesellschaft Universal. Sie ging an den Finanzinvestor Montagu. Und die Deutsche Bank, deren Fondsgesellschaft 2016 immerhin 41 von 744 Milliarden Euro Kundenvermögen verlor, prüft nun deren Börsengang.

          Börsennotierung von Vorteil

          Seit 2015 an der Börse ist Amundi, die größte europäische Fondsgesellschaft. Die französischen Banken Crédit Agricole und Société Générale, denen Amundi gehörte, trennen sich seither zu hohen Preisen Schritt für Schritt von ihren Anteilen. Auch für Amundi hat die Börsenpräsenz Vorteile: Der Verkauf neuer Aktien ermöglicht es gerade, die Fondsgesellschaft Pioneer von der italienischen Bank Unicredit zu erwerben.

          AMUNDI

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          In den Vereinigten Staaten, wo das Fondsgeschäft viel bedeutender ist als hierzulande, sind große Vermögensverwalter entweder börsennotiert (wie Blackrock und Franklin Templeton), oder sie gehören wie Vanguard eigenen Fonds oder sind wie Fidelity in Familienbesitz. Verkauft werden Fonds dort meist über Vertriebsbüros der Kapitalanlagegesellschaften, auch erwerben Anleger die Fonds direkt über Broker. Ausgelöst durch den Trend zu ETFs und durch die wachsenden Qualitätsforderungen professioneller Anleger scheint sich auch Europas Fondsindustrie in diese Richtung zu bewegen.

          Blackrock

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          Auf einem anderen Weg unterwegs sind dagegen Deutschlands Sparkassen und VR-Banken. Sie sind mit ihren Fondsgesellschaften Deka und Union eng verbunden: Diese gehören ihnen, und sie verkaufen überwiegend deren Fonds. In der Sparkassengruppe gelingt das mehr schlecht als recht.

          Obwohl die Sparkassen fast doppelt so viele Privatkunden haben wie die VR-Banken, verwaltet Union mehr Kundengelder als die Deka. Unions Vorsprung nimmt zu. Dieser Erfolg ist wohl mit einer konstant hohen Qualität der Fonds, vielen regelmäßigen Einzahlungen treuer VR-Bank-Kunden und einer gelebten Unabhängigkeit von der Muttergesellschaft DZ Bank zu erklären. Doch Union ist die Ausnahme von der Regel: Für Fondsgesellschaften wird Banknähe zur Bürde.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

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