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Affront vor Gericht : Mehmet Göker kommt nicht zum Prozess

  • Aktualisiert am

Mehmet Göker im Jahr 2010 Bild: dpa

Der Versicherungsmakler hatte mehr als 1000 Mitarbeiter, war immens erfolgreich – und steckte Gewinne teils in teure Sportwagen. Dann ging MEG insolvent. Heute steht sein ehemaliger Chef vor Gericht.

          Mehmet Göker kommt nach Angaben seines Rechtsanwalts nicht zu einem Strafprozess nach Deutschland. Das ist ein Affront gegen die Richter am Landgericht Kassel. Sie verhandeln von diesem Donnerstag an einen Fall, in dem es um den gewerbsmäßigen Verrat von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen und einen Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz geht.

          Göker war Vorstandsvorsitzender des Versicherungsmaklers MEG mit phasenweise mehr als 1000 Mitarbeitern. Das Unternehmen hatte sich auf den Verkauf von privaten Krankenversicherungen spezialisiert und war darin so erfolgreich, dass große Versicherungsunternehmen ihm hohe Provisionsvorschüsse gewährten. Diese wurden zum Teil in einen großen Fuhrpark aus teuren Sportwagen investiert, wie es der zweiteilige Dokumentarfilm „Versicherungsvertreter“ des Kasseler Filmemachers Klaus Stern gezeigt hat.

          Als das Unternehmen insolvent ging und gegen ihn ermittelt wurde, siedelte Göker in die Türkei über, wo er eine Tarifwechselberatung für privat Krankenversicherte aufbaute. Er wirft den deutschen Behörden ein unfaires Verfahren vor und verlangt, dass der Haftbefehl gegen ihn aufgehoben wird. In dem Verfahren geht es darum, dass Göker und Mitarbeiter Kundendaten des Maklerunternehmens entwendet haben sollen. Mit dem Datenhandel und dem weiteren Verkauf von Policen sollen sie drei Millionen Euro eingenommen haben.

          Am Donnerstag wurde das Verfahren gegen Göker abgetrennt. Vor Gericht deshalb allein ein 32 Jahre alter Mitarbeiter. Seine Anwältin beantragte die Einstellung des Verfahrens. Sie wirft den Ermittlern vor, durch mehrere Verfahren das Verbot der Doppelbestrafung verletzt zu haben, die Ermittlungen seien zudem von Vorverurteilung geprägt gewesen und es sei zu Rechtsbeugung gekommen. So habe der Angeklagte teilweise ohne richterliche Entscheidung in Haft gesessen. Außerdem sei eine achtjährige Verfahrensdauer bis zur Hauptverhandlung rechtsstaatswidrig, sagte die Verteidigerin. Eine Entscheidung darüber wollte das Gericht noch am Donnerstag treffen.

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