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Ex-Botschafter involviert? : Deutsche Lobbyisten werben für die Saudis

  • Aktualisiert am

Mohammed bin Salman im Jahr 2015 beim Händedruck mit dem damaligen deutschen Außenminister und heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Bild: dpa

Khashoggi hin oder her – eine Berliner PR-Agentur macht einfach weiter Werbung für Saudi-Arabien. Auch der ehemalige deutsche Botschafter in Saudi-Arabien arbeitet für die Agentur. Was genau er dort tut, bleibt unklar.

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          Die PR-Agentur WMP Eurocom arbeitet daran, dass deutsche Medienberichte ein „ausgewogenes“ Bild von Saudi vermitteln. Auch nach der Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi setzte sie ihre Arbeit fort. Gegen Zahlung eines monatlich sechsstelligen Geldbetrags aus Riad habe die Berliner Lobbyorganisation WMP Eurocom seit 2017 für ein besseres Image Saudi-Arabiens in deutschen Medien gerungen, berichtet die „Bild am Sonntag“.

          Besonders brisant ist, dass auch ein früherer deutscher Botschafter seit Kurzem für die Kommunikationsagentur arbeitet. Dieter Haller ist als Seniorberater für WMP Eurocom tätig, was im Oktober bekannt wurde. Haller war von 2011 bis 2014 und dann nochmals von 2016 bis zum Juli dieses Jahres deutscher Botschafter in Saudi-Arabien. Mit Hallers Verpflichtung wolle WMP Eurocom „ihr Auslandsgeschäft ankurbeln“, schrieb damals das Fachmagazin „PR Report“.

          Vermeintlich großer Einfluss auf deutsche Medien

          Hinter WMP Eurocom steht der frühere Journalist Michael Inacker, der seit 2014 Anteilseigner und seit 2015 Vorstandschef der Kommunikationsberater ist. Die „Bild am Sonntag“ gelangte an ein fünfzigseitiges internes Papier, das WMP genutzt habe, um sich gegenüber seinem Kunden, dem saudischen Informationsministerium, seines vermeintlich großen Einflusses auf deutsche Medien zu rühmen.

          WMP verspricht nicht nur dies – sondern auch Zugang zum Kanzleramt, zum Bundespräsidenten, zu Ministerien, dem Deutschen Fußball-Bund oder Wirtschaftskonzernen wie Airbus. Sie waren von WMP offenbar nicht gefragt oder informiert worden.

          Das Dokument enthält fiktive Zeitungsseiten mit phantasierten Überschriften, die Saudi-Arabien als Land liberaler politischer Reformen darstellen. WMP behauptet darin etwa: „Wir haben ausgewogene Geschichten über das Königreich Saudi-Arabien in allen führenden deutschen Medien plaziert und mehr als 38 Millionen Leser erreicht.“

          Die in der internen Werbe-Broschüre genannten Verlage widersprachen vehement – so etwa „Bild“: Die Haltung der Zeitung sei nicht beeinflussbar, die Berichterstattung zu Saudi-Arabien sei fortlaufend kritisch. Ähnlich äußerten sich leitende Redakteure der ebenfalls erwähnten „Süddeutschen Zeitung“ oder der „Welt“. Auch das „Handelsblatt“ ist genannt. Eine Verlagssprecherin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung teilte mit: „PR-Agenturen haben keinen Einfluss auf unsere Berichterstattung und Kommentierung. Behauptungen dieser Art weisen wir entschieden zurück.“

          Merz dementiert Kontakte

          Zwar wird der 33 Jahre alte saudische Kronprinz und Verteidigungsminister Mohammed bin Salman mit dem Wirtschaftsreformprogramm „Vision 2030“ in Verbindung gebracht, wie auch mit einigen gesellschaftspolitischer Liberalisierungen, etwa der Aufhebung des Fahrverbotes für Frauen.

          Gleichwohl gibt es in Saudi-Arabien immer wieder Todesstrafen oder Foltern von Frauen- oder Menschenrechtsaktivisten, Journalisten oder Regimekritikern. Der brutale Mord des Journalisten Khashoggi im saudischen Konsulat von Istanbul rief die rigorose Verfolgung von Regimegegnern in Riad der Weltöffentlichkeit eindrucksvoll vor Augen.

          Laut „Bild am Sonntag“ arbeitete WMP Eurocom auch nach diesem Mord weiter im Auftrag für das saudische Informationsministerium. Die Berater verweisen auf ihre „Verbindungen zu den wichtigen Medien, politischen Institutionen und Chefetagen der Wirtschaft im deutschsprachigen Raum“.

          Sie warben bis zum Wochenende auf ihrer Website auch mit einem Zitat des Kandidaten für den CDU-Parteivorsitz Friedrich Merz. Dies wurde dann von der Seite gelöscht. Merz erklärte auf Anfrage, er kenne „WMP noch aus Zeiten des von mir hochgeschätzten Hans Dietrich Genscher, der dort viele Jahre Aufsichtsratsvorsitzender war.“ Er habe aber „keinerlei Kontakte nach Saudi-Arabien“.

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