https://www.faz.net/-gqe-914un

Mehdorn über den Altkanzler : „Deutschland sollte stolz auf Schröder sein“

  • Aktualisiert am

Der frühere Chef der Bahn und von Air-Berlin, Hartmut Mehdorn Bild: dpa

Für sein 300.000-Euro-Engagement beim russischen Ölkonzern Rosneft muss Gerhard Schröder viel Kritik einstecken. Sein alter Freund, der frühere Bahn-Chef Mehdorn bricht nun eine Lanze für den Altkanzler – und bringt ein überraschendes Argument vor.

          1 Min.

          Der frühere Bahn-Chef Hartmut Mehdorn verteidigt die Entscheidung seines Duz-Freundes Gerhard Schröder, einen Platz im Direktorium des halbstaatlichen russischen Ölkonzerns Rosneft einzunehmen. „Ich kann die Aufregung nicht verstehen“, sagt Mehdorn, der Aufsichtsrat bei der russischen Staatsbahn ist. „Deutschland sollte stolz sein, dass ein ehemaliger Bundeskanzler in Russland für seine Expertise so gefragt ist.“

          Mehdorn erklärt Schröders Moskau-Nähe im Magazin „Spiegel“ auch mit dem Image des Altkanzlers in Deutschland: „Würde man Schröder hierzulande mehr wertschätzen, würde er seine Kompetenz sicher gern auch in Deutschland noch mehr zur Verfügung stellen.“

          Merkel: „Nicht in Ordnung“

          Für sein geplantes Engagement bei Rosneft wird Schröder von Politikern aus nahezu allen Parteien scharf kritisiert.  Als eine der letzten nahm Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag in der „Bild“-Zeitung Stellung. Sie finde „das, was Herr Schröder macht, nicht in Ordnung“. Merkel begründete ihre Kritik damit, Rosneft sei eines der Unternehmen, das auf der Sanktionsliste der Europäischen Union stehe. Der Konzern darf, seitdem 2014 die Sanktionen wegen der russischen Aggressionspolitik gegenüber der Ukraine verhängt wurden, keine Spezialtechniken oder Dienstleistungen zur Ölförderung aus europäischen Ländern mehr beziehen. Zudem wird der Konzernleitung von Rosneft ein besonders enges Verhältnis zum russischen Präsidenten Wladimir Putin nachgesagt.

          Auch der SPD-Vorsitzende und Kanzlerkandidat Martin Schulz war mit den Worten „Ich würde es nicht tun“ öffentlich auf Distanz zu seinem Parteifreund Schröder gegangen. Der Grünen-Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer bezeichnete das Verhalten des prominenten Sozialdemokraten sogar als „schamlos“ – mehr noch: „Er erniedrigt sich endgültig zu einem bezahlten Diener der Politik Putins.“

          Ehemaliger Bundeskanzler, Sozialdemokrat und Russland-Freund Gerhard Schröder

          Der Altkanzler selbst verteidigte seine Ambitionen hingegen. „Ich werde mich zur Wahl stellen, trotz aller Kritik, die ich für falsch halte“, hatte er Mitte des Monats der Schweizer Zeitung „Blick“ gesagt. Die Deutschen hätten großes Interesse an vernünftigen Beziehungen zu Russland. Er glaube auch, „dass es den Rosneft-Arbeitnehmern in Deutschland und den Gewerkschaften nicht unwohl ist, wenn ein Deutscher an wichtiger Stelle mit dabei ist“, sagte Schröder. Das Erdölunternehmen hat in Deutschland nach Angaben der Zeitung Tausende Angestellte. Sein Salär bezifferte Schröder auf etwa 300.000 Euro im Jahr.

          Weitere Themen

          Merkel will für AKK-Vorstoß werben

          Kritik von SPD : Merkel will für AKK-Vorstoß werben

          Die SPD zeigt sich verärgert über das Vorgehen von Kramp-Karrenbauer bei ihrem Vorschlag für einen internationalen Stabilisierungseinsatz in Nordsyrien. Kanzlerin Merkel hingegen bei Johnson, Macron und Erdogan für den Vorschlag werben.

          Reich werden im Casino Video-Seite öffnen

          Macau : Reich werden im Casino

          Macau, einst eine vergessene portugiesische Kolonie, ist jetzt der zweitreichste Ort der Erde und das größte Zockerparadies der Welt. Aber dieser Wohlstand kostet.

          Topmeldungen

          Mario Draghi und seine Nachfolgerin Christine Lagarde.

          Wechsel an der EZB-Spitze : Draghi und die Deutschen

          Nirgendwo ist EZB-Präsident Mario Draghi auf so viel Protest gestoßen wie in Deutschland. Am Ende hat er die Macht der Europäischen Zentralbank überdehnt. Eine Bilanz.

          Ukraine-Affäre : Stehen die Republikaner weiter hinter Trump?

          Der amerikanische Botschafter in der Ukraine, William Taylor, hat Donald Trump vor dem Kongress schwer belastet. Die Republikaner reagierten mit Solidaritätsbekundungen, aber einige in der Partei setzen sich auch von ihrem Präsidenten ab.

          Sorgen beim FC Bayern : „Es muss alles besser werden“

          Drittes Spiel, dritter Sieg: Doch die Münchner zeigen in der Champions League in Piräus viele Mängel. Sportdirektor Salihamidzic übt deutliche Kritik. Dazu kommt Verletzungspech. Der nächste Spieler fehlt lange.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.