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Interview aus dem Gefängnis : Ghosn: Bin Opfer von „Komplott und Verrat“

Carlos Ghosn (Archivbild) Bild: AFP

Vor mehr als zwei Monaten klickten beim Renault-Nissan-Chef die Handschellen – nun äußert er sich zum ersten Mal aus dem Gefängnis. Er hat eine klare Vorstellung davon, wer ihm schaden wollte.

  • Aktualisiert am

          Der ehemalige Automanager Carlos Ghosn hat aus dem Gefängnis heraus Vorwürfe gegen die Führungsspitze des japanischen Autokonzerns Nissan erhoben. Der 64-Jährige sagte der Wirtschaftszeitung „Nikkei“ vom Mittwoch, er habe „keinen Zweifel“ daran, dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe damit zusammenhingen, dass die Nissan-Spitze eine engere Verflechtung mit dem Renault-Konzern verhindern wollte. Die Anschuldigungen gegen ihn seien das Ergebnis von „Komplott und Verrat“ von Nissan-Verantwortlichen.

          Er selbst habe das Bündnis zwischen Renault, Nissan und Mitsubishi vertiefen wollen, sei damit aber in der Nissan-Spitze auf Widerstand gestoßen. Das Projekt sei im September gemeinsam mit Nissan-Chef Hiroto Saikawa „angepackt“ worden. Die Vorwürfe gegen ihn wies er zurück. Er habe keinen Vertrauensbruch begangen.

          Nissan dementiert

          Nissan reagierte umgehend auf das Interview: Saikawa habe den Vorwurf eines Putsches gegen Ghosn schon „kategorisch zurückgewiesen“, hieß es abermals. Die gegen Ghosn laufende Ermittlung habe vielmehr „signifikante und überzeugende Beweise“ für ein Fehlverhalten Ghosns hervorgebracht.

          Es ist das erste Presseinterview Ghosns seit seiner Festnahme am 19. November. Geführt wurde es in der Haftanstalt in Tokio, in der Ghosn seitdem einsitzt. Mehrfach wurde ihm ein Antrag auf Haftentlassung verweigert – die Justiz sieht bei Ghosn Fluchtgefahr sowie die Möglichkeit, dass er Beweise vernichten könnte.

          „Ich werde mich verteidigen“

          Ghosn wird finanzielles Fehlverhalten und Untreue bei dem japanischen Autokonzern vorgeworfen, dessen Verwaltungsratschef er war. Der 64-Jährige soll seine Einkünfte zu niedrig angegeben haben. Der Manager hielt laut „Nikkei“ dagegen, die jetzt umstrittenen Zahlungen und Immobilienkäufe seien genehmigt gewesen. Die Anschuldigung, er habe unzulässigerweise Millionen von Nissan und Mitsubishi erhalten, sei „eine Verdrehung der Tatsachen“. Mit Blick auf eine mögliche Entlassung sagte der Manager der Zeitung: „Ich werde nicht fliehen, ich werde mich verteidigen.“

          Der japanische Autobauer hatte den Manager unmittelbar nach seiner Verhaftung von seinem Führungsposten entfernt. Renault hatte gezögert, weil die Gesetzesverstöße nicht erwiesen sind, vergangene Woche dann aber doch den bisherigen Michelin-Chef Jean-Dominique Senard zum Chairman und Interimschef Thierry Bollore zum regulären Vorstandsvorsitzenden ernannt.

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