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Nach dem Urteil : Middelhoff bleibt mindestens eine Woche im Gefängnis

  • -Aktualisiert am

Bild: AP

Da helfen alle Rechtsmittel nicht: Der ehemalige Top-Manager Thomas Middelhoff verbringt mindestens eine Woche in der Untersuchungshaft. Erst dann wird über sein weiteres Schicksal entschieden.

          Der ehemalige Spitzenmanager Thomas Middelhoff wird mindestens eine Woche in der Untersuchungshaft verbringen. Middelhoff werde aus dem Landgericht Essen in eine Justizvollzugsanstalt gebracht, sagte ein Gerichtssprecher am Freitag in Essen nach einem Haftprüfungstermin. In der kommenden Woche stehe aber ein neuer Prüfungstermin an.

          Zuvor hatte das Landgericht Essen Middelhoff zu einer Haftstrafe von drei Jahren ohne Bewährung verurteilt. Es befand den früheren Arcandor-Chef in 27 Fällen von Untreue und in drei Fällen von Steuerhinterziehung für schuldig. Wegen Fluchtgefahr verkündete das Gericht zudem einen Haftbefehl. Als Grund dafür führte es auch die unklaren Vermögensverhältnisse Middelhoffs an, es bestehe auch der Verdacht auf Verschleierung.

          Der 61 Jahre alte frühere Arcandor-Chef war wegen Untreue in 44 Fällen angeklagt. Als Vorstandsvorsitzender hatte er sich von dem krisengeschüttelten Kaufhauskonzern in den Jahren zwischen 2005 und 2009 ganz oder teilweise privat veranlasste Flüge im Wert von 800.000 Euro bezahlen lassen. Teilweise reiste er dabei mit Charterjets nach London und New York, ferner flog er häufig mit dem Hubschrauber zwischen seinem Wohnsitz in Bielefeld und der Arcandor-Zentrale in Essen.

          Ebenfalls angelastet worden ist ihm eine 180.000 Euro teure Festschrift zu Ehren des früheren Bertelsmann-Chefs Mark Wössner. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und drei Monate Haft für Middelhoff gefordert. Middelhoffs Verteidiger hatten dagegen einen Freispruch gefordert. Noch in seinem Schlusswort hatte der Manager alle Vorwürfe zurückgewiesen und beteuert: „Ich kann mir kein Fehlverhalten vorwerfen.“

          Der Vorsitzende Richter Jörg Schmitt fand in seiner Urteilsverkündung jedoch harte Worte für Middelhoff und warf ihm „Lügen“ und „abenteuerliche Erklärungsversuche“ vor. An entscheidenden Stellen im Verfahren sei Middelhoff nicht ehrlich gewesen. Middelhoffs Verteidiger werden voraussichtlich Revision einlegen. Der Prozess dauerte länger als ein halbes Jahr.

          Middelhoff lebt mittlerweile in St. Tropez und ist zudem in mehrere Zivilklagen in vielfacher Millionenhöhe verstrickt. Viele davon drehen sich um geschlossene Immobilienfonds, mit denen er Geld verloren hat. Die Folge: Der 61 Jahre alte Exmanager ist – nach eigenen Angaben – nicht insolvent, aber doch ziemlich wenig flüssig. Weshalb ein Gerichtsvollzieher jüngst sogar seine Armbanduhr pfändete und im Internet versteigerte.

          Am Dienstag will nun das Landgericht Köln einen Prozess eröffnen, der den Kern des Middelhoffschen Dilemmas betrifft. Dort klagt er nämlich gegen die ehemalige Privatbank Sal. Oppenheim, die seine Konten eingefroren hat, weil sie eigene Forderungen gegen ihn geltend macht. Da er seither keinen Zugriff auf einen erheblichen Teil seiner Ersparnisse hat, dürfte die Finanzierung seines aufwendigen Lebensstils im französischen Saint-Tropez einen ziemlichen Balanceakt bedeuten. Eine ganze Meute von Gläubigern ist bereits hinter ihm her.

          Und als wäre das alles noch nicht genug, hat auch das Oberlandesgericht Hamm noch ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Eigentlich wollte es schon vor Tagen eine Entscheidung über Bonuszahlungen in Millionenhöhe verkündet haben, die der Insolvenzverwalter der Kaufhauskette zurückfordert. Die Berufungsrichter haben den Termin jetzt aber auf den 10.Dezember verschoben. Auch Schadensersatzforderungen des Verwalters in dreistelliger Millionenhöhe stehen im Raum, haben bisher vor Gericht aber nur wenig Unterstützung gefunden.

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