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EWE feuert seinen Chef : Wie Klitschko einen Manager zu Fall brachte

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Jetzt wurde er entlassen: Der ehemalige EWE-Vorstandschef Matthias Brückmann in Oldenburg Bild: dpa

Der Chef des Oldenburger Energieversorgers EWE hat einiges falsch gemacht. Zum Verhängnis wurde ihm nun aber eine nicht genehmigte Zahlung an einen früheren Box-Weltmeister.

          Der Aufsichtsrat des Oldenburger Energieanbieters EWE hat den Vorstandsvorsitzenden Matthias Brückmann abberufen. Dies teilte ein EWE-Sprecher nach der Sitzung des Kontrollgremiums am späten Mittwochabend mit. Grund der Entscheidung sind mehrere Vorwürfe gegen Brückmann, darunter eine umstrittene Spende von 253.000 Euro an eine Stiftung des Ex-Boxweltmeisters Wladimir Klitschko nach Kiew.

          Nach Angaben eines EWE-Sprechers hätte das Gremium der Zahlung zustimmen müssen. Ein Gutachten einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, das der Aufsichtsrat in Auftrag gab, stellte Regelverstöße fest. „Die festgelegten Verfahren sind nicht eingehalten worden“, sagte Heiner Schönecke, der im Präsidium des EWE-Aufsichtsrates sitzt.

          Brückmann kündigte nach Bekanntwerden der Spende Anfang Februar an, die Summe privat zu übernehmen. „Ich will nicht, dass das Unternehmen unter der Diskussion oder meinem persönlichen Fehler leiden muss“, ließ er mitteilen.

          Ein Gutachten sollte über den weiteren Verlauf bestimmen

          Seit sich das Präsidium für eine Abberufung entschieden hat, ist von einem Fehler keine Rede mehr. „Bei der Zusage der Klitschko-Spende und bei der folgenden Abwicklung hat Herr Brückmann seine ihm gegenüber der EWE AG obliegenden Pflichten nicht verletzt“, heißt es in einem Gutachten, das Brückmann in Auftrag gab.

          In einem Brief an den Aufsichtsratschef Stephan-Andreas Kaulvers betonte Brückmanns Anwalt, dass es „bei unvoreingenommener Bewertung“ keinen Grund zur Abberufung Brückmanns gebe. Pflichtverletzungen, die eine fristlose Kündigung rechtfertigten, lägen nicht vor.

          Um eine gewissenhafte Entscheidung zu treffen, wollten sich die Mitglieder des Aufsichtsrats gut vorbereiten. Als Grundlage nutzen sie das Gutachten, das verschiedene Vorwürfe gegen Brückmann untersucht und die schriftliche Stellungnahme des EWE-Chefs. Juristischen Beistand holte sich das Gremium auch. „Wir haben uns rechtlich beraten lassen“, sagte Schönecke.

          Neben Brückmann stehen noch zwei weitere Personalien zur Diskussion

          In Vorbesprechungen tauschten sich die Mitglieder untereinander aus, so kam etwa die Arbeitnehmerseite des Kontrollgremiums zu einem Treffen zusammen. Auch das Präsidium traf sich, bevor das gesamte Gremium tagte.

          Neben den Vorwürfen gegen Brückmann setzten sich die Aufsichtsratsmitglieder auch mit zwei weiteren Personalien auseinander, denn seit Monaten sind zwei Vorstandsposten unbesetzt. Im September hatte Personalvorstand Nikolaus Behr nach Spitzelvorwürfen das Unternehmen verlassen, Ende 2016 ging EWE-Technikvorstandsfrau Ines Kolmsee. Teile des Gremiums wollten die beiden Posten an diesem Mittwoch vergeben - nach informierten Kreisen an den Vorstand der EWE-Tochter SWB, Timo Poppe, und den Geschäftsführer von EWE Netz, Torsten Maus.

          Gegen eine schnelle Entscheidung regte sich jüngst allerdings Widerstand. Grund sind schwerwiegende Vorwürfe gegen das Unternehmen EWE Netz. Die Konzernrevision prüft, ob Mitarbeiter der EWE-Tochter für Aufträge an fremde Unternehmen Gegenleistungen forderten und erhielten.

          Da Poppe früher Generalbevollmächtigter für Infrastruktur bei der EWE AG war, hatte auch er mit der Netzsparte zu tun. Nicht nur manche Aufsichtsratsmitglieder finden es gewagt, mitten in einer Führungskrise zwei Männer in den Vorstand zu berufen, die mit einem Unternehmensbereich in Verbindung stehen, gegen den es Korruptionsvorwürfe gibt.

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