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Evonik-Aufsichtsratschef : Werner Müller tritt endgültig ab

  • -Aktualisiert am

Werner Müller in seinem Büro Bild: dpa

Werner Müller war Bundeswirtschaftsminister und hat das Ende der Steinkohle mit abgewickelt. Jetzt gibt der schwer kranke Mann seine letzten beiden wichtigen Posten ab.

          Im Zeichen des Wachwechsels an der Spitze des Aufsichtsrats steht an diesem Mittwoch die Hauptversammlung des Essener Chemiekonzerns Evonik. Werner Müller, bisheriger Vorstandsvorsitzender des Evonik-Großaktionärs RAG-Stiftung und in dieser Funktion auch Aufsichtsratschef, hat beide Posten an Bernd Tönjes übergeben. Müller hatte schon Ende Februar mitgeteilt, im Anschluss an das diesjährige Evonik-Aktionärstreffen den Vorstandsvorsitz in der Kohlestiftung und auch alle weiteren damit zusammenhängenden Ämter aus gesundheitlichen Gründen niederzulegen. Seine schwere Erkrankung erlaube es ihm leider nicht mehr, seinen Verpflichtungen in der Stiftung und in den Aufsichtsräten weiter nachzukommen, hatte der in wenigen Tagen 72 Jahre alt werdende ehemalige Bundeswirtschaftsminister im Kabinett von Gerhard Schröder (SPD) seine Entscheidung begründet.

          Brigitte Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          Müller ist der Architekt des vor mehr als zehn Jahren entwickelten Finanzierungsmodells, mit dem die Umsätze der sogenannten Ewigkeitsaufgaben erwirtschaftet werden sollen, wenn Ende dieses Jahres die letzten beiden deutschen Steinkohlezechen endgültig schließen. Den Grundstock der von ihm seit Dezember 2012 geleiteten Stiftung bildet die 68-Prozent-Beteiligung an dem von ihm aus dem früheren RAG-Konzern herausgelösten Evonik-Konzern. Von 2007 bis Ende 2008 war er auch der erste Vorstandschef des Chemiekonzerns.

          Nachfolger Tönjes ist ein Kind des Ruhrgebiets

          „Ohne Sie würde es Evonik gar nicht geben“, sagte der Evonik-Vorstandsvorsitzende Christian Kullmann, für den Müller in den zurückliegenden Jahren stets großes Vorbild und so etwas wie ein Ziehvater war. „Sie, lieber Herr Müller, sind unser Gründungsvater und werden es immer bleiben. Ihrer strategischen Weitsicht und Ihrem unternehmerischen Verständnis sind wir verpflichtet. Ihre soziale Verantwortung im Handeln ist uns Vorbild.“ Nun gehe der letzte Ruhrbaron, beschreibt ihn Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

          Als Anerkennung für seine Leistungen wurde der von seiner schweren Erkrankung gezeichnete Müller schon vor einigen Wochen zum Ehrenvorsitzenden sowohl der Stiftung als auch von Evonik ernannt. Erst kürzlich hatte er zudem den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen erhalten. Müller sei ein Pionier und Gestalter für die Zukunft des Ruhrgebiets, hatte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) die Auszeichnung begründet.

          Müllers Nachfolger Tönjes gilt als Kind des Ruhrgebiets. Der 62 Jahre alte bisherige Vorstandschef des Steinkohlebergbau-Konzerns RAG stammt aus Dorsten im nördlichen Revier. Er hat seine Karriere unter Tage begonnen, bevor er zum Bergwerksdirektor und später in den Vorstand der Deutschen Steinkohle AG aufstieg. 2001 übernahm er dort den Vorsitz. Seit 2008 leitet er die heutige RAG Aktiengesellschaft. Nachfolger von Tönjes an der Spitze des Zechenkonzerns ist der bisherige stellvertretende Vorstandsvorsitzende Peter Schrimpf.

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