https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/eventim-zahlen-ein-wenig-aufwind-und-weiterhin-viel-unsicherheit-17499404.html

Konzertbranche : 2G, 3G und das Warten auf volle Hallen

Organisiert von Eventim-Gesellschaft FKP Scorpio: Marcus Wiebusch, Axel Bosse und Thees Uhlmann während ihres Konzerts im Hamburger Stadtpark Bild: Action press

Die November- und Dezemberhilfen bescheren Eventim einen kleinen Gewinn. Doch nicht nur der Branchenriese wartet weiter sehnsüchtig auf das Ende von Abstandsregeln.

          3 Min.

          Etwas größere und etwas mehr pandemiegerechte Konzertformate als vor einem Jahr, aber weit entfernt von einem normalen Geschäft: So lässt sich nach wie vor die Lage der hiesigen Konzert- und Veranstaltungsbranche zusammenfassen. Diesen Befund spiegeln auch die Geschäftszahlen des größten europäischen Ticketing- und Veranstaltungskonzerns CTS Eventim wider. So stand im zweiten Quartal, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, ein Umsatzplus von auf den ersten Blick stolzen 228,1 Prozent auf 45,7 Millionen Euro zu Buche. Doch war der Zeitraum April bis Juni im vergangenen Jahr auch deutlich stärker von den Auswirkungen der Pandemie betroffen, was in einem Umsatz von lediglich 13,9 Millionen Euro resultierte. Zum Vergleich: 2019 vermeldete der M-Dax-Konzern für diesen Zeitraum noch einen Umsatz von rund 414 Millionen Euro.

          Benjamin Fischer
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Anders als zu normalen Zeiten üblich, generierte das deutlich margenstärkere Ticketing-Geschäft im zweiten Quartal mit 36,1 Millionen Euro (plus 283,7 Prozent) deutlich mehr Umsatz als jenes mit den kostenintensiven Veranstaltungen – 11,5 Millionen Euro (plus 81,5 Prozent). Allerdings organisieren die zum Konzern gehörenden Veranstalter auch primär größere Tourneen oder Festivals wie Rock am Ring, Southside oder Hurricane, die im Zuge der Krise auch 2021 nicht stattfanden.

          Knackpunkt Abstandsregel

          Im Ticketing-Segment wiederum fungiert Eventim primär als Dienstleister für konzernfremde kleinere wie größere Veranstalter aus diversen Bereichen. Hier ist Eventim der führende Anbieter, sodass etwa Karten für die Strandkorbkonzert-Reihe auch über die Eventim-Plattformen vertrieben werden. Zum operativen Gewinn in Höhe von 99,1 Millionen Euro im zweiten Quartal trug nicht zuletzt allerdings auch der Erhalt der rund 102 Millionen Euro an November- und Dezemberhilfen bei. Unter dem Strich entfielen auf die Aktionäre rund 52 Millionen Euro. Die Aktie notierte nach Vorlage der Zahlen am Mittwochmittag mit knapp 1 Prozent im Plus, nachdem sie vergangene Woche rund 11 Prozent verloren hatte.

          Im Finanzbericht zum Halbjahr hieß es, dass die im „Vorjahr initiierten Maßnahmen zur Kostensenkung und Liquiditätssicherung“ weitergeführt worden seien. Unter anderem wurden so im Ticketing-Segment und im Live-Bereich Stellen abgebaut. Mit Blick auf Letzteren habe dies „im Wesentlichen“ Aushilfen betroffen. Eventim-Chef Klaus-Peter Schulenberg erklärte zur Vorlage der Zahlen, die „deutlich anziehenden Ticketverkäufe“ zeigten die Sehnsucht der Menschen nach Kultur. Der Konzern sei derweil für „den Neustart des Live-Entertainment-Geschäfts bestens positioniert“. Neben den Einsparungen habe man die Krise genutzt, um die eigene „Marktposition mit einer ganzen Reihe weitreichender strategischer Initiativen weiter zu stärken und zu verbreitern“. So hatte Eventim Anfang August angekündigt, in Mailand die „größte und modernste“ Multifunktionshalle Italiens bauen zu wollen, und überdies Ende Juli gemeinsam mit dem früheren Live-Nation-Manager Jason Miller eine Dependance für den asiatischen Markt gegründet.

          Hamburg führt 2-G-Option ein

          Eine Prognose wagt Eventim derweil nach wie vor nicht. Tatsächlich dürfte aufgrund der vermehrt gerade im Juli, August oder September stattgefundenen oder stattfindenden Open-Air-Veranstaltungen unter pandemiebedingten Einschränkungen auch für das dritte Quartal vor allem im Ticketing ein deutliches Plus im Vorjahresvergleich zu Buche stehen. Doch sind diese für Veranstalter aufgrund der Kapazitätsbeschränkungen unter anderem durch das Abstandsgebot eben nur selten ein lohnendes Geschäft; und bald endet die Open-Air-Saison. Der Großteil der einmal geplanten gerade internationalen Touren ist längst auf das Jahr 2022 verschoben. Dennoch appellierte Schulenberg vor diesem Hintergrund an die Politik, klare Rahmenbedingungen festzulegen, „damit Veranstaltungen künftig wieder wirtschaftlich durchgeführt werden können“.

          Anfang Juli hatte er im Gespräch mit der F.A.Z. gesagt: „Ich hoffe, dass wir im vierten Quartal Indoor-Konzerte mit voller Kapazität ohne Abstand und Maske sehen werden.“ Vielleicht gehe dies von November an – natürlich unter Anwendung der 3-G-Regel.

          Um Veranstaltungen mit voller Auslastung wieder zu ermöglichen, wird mitunter auch die Möglichkeit einer Begrenzung auf von einer Covid-19-Erkrankung genesene oder geimpfte Personen gefordert. In Hamburg hat der Senat am Dienstag ein solches „Optionsmodell“ beschlossen, demzufolge Veranstalter oder auch Restaurantbetreiber nur Geimpfte und Genesene einlassen dürfen. Dafür entfällt etwa die Abstandspflicht, in Inneneinrichtungen muss allerdings weiterhin eine medizinische Maske getragen werden. Auch Kapazitätsbeschränkungen etwa für Konzerte bleiben bestehen.

          Ein anderer Ansatz, auf den ebenfalls am Dienstag auch das Forum Veranstaltungswirtschaft, in dem unter anderem auch der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) organisiert ist, drängte, sieht wiederum die Beibehaltung der 3-G-Regel vor. Allerdings sollten künftig nur PCR-Tests und keine Antigen-Schnelltests mehr akzeptiert werden. Mit diesem Prinzip sollen Clubs in Baden-Württemberg wieder mit voller Kapazität öffnen dürfen.

          Zuvor war auch hier auf der Tanzfläche Maskenpflicht vorgesehen. Nach Gesprächen zwischen Clubszene, Dehoga und Landesregierung entfällt diese auf der Tanzfläche sowie in Sitzbereichen. Voraussetzung für Vollauslastung ist allerdings ein „ausreichendes“ Lüftungskonzept, zudem soll die Branche ein „Muster-Hygienekonzept„ erarbeiten.

          Weitere Themen

          Aareal Bank steigert Betriebsergebnis

          Immobilienfinanzierung : Aareal Bank steigert Betriebsergebnis

          Der Wiesbadener Gewerbeimmobilienfinanzierer hat im zweiten Quartal mehr verdient und zugleich die Risikovorsorge erhöht. Man wisse nicht genau, was in der zweiten Jahreshälfte komme, sei aber „bestmöglich vorbereitet“, heißt es.

          Topmeldungen

          Die EU-Länder haben sich vorgenommen, ihren Gasverbrauch um mindestens 15 Prozent zum Frühling zu reduzieren.

          Standpunkt : Wo ist die Energiestrategie gegenüber Russland?

          Es ist, als spielte Europa Schach mit bereits festgelegten Zügen, unfähig, auf Russlands Vorgehen zu reagieren. Dabei gibt es die Möglichkeit, das Heft des Handelns zu übernehmen. Ein Gastbeitrag.
          Eine Mücke saugt Blut.

          Geht doch! : Wie Sie Mückenstiche klein halten

          Golfballgroße Mückenstiche müssen nicht sein. Hier kommt ein heißer Tipp für alle, die in lauen Sommernächten – und in den Tagen danach – besonders leiden. Obacht, wer dabei nicht richtig aufpasst, leidet auch!

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.