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Europäischer Gerichtshof urteilt : Fußballklub muss Schwulenhass widerlegen

Homosexualität ist im Fußball weiter ein Tabu-Thema Bild: dpa

Der „Patron“ des Fußballklubs Steaua Bukarest hat vor drei Jahren gesagt, sein Verein werde nie homosexuelle Fußballprofis engagieren. Nun hat der EuGH geurteilt: Unternehmen müssen nachweisen, dass sie nicht diskriminieren.

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          Seinem Fußballklub Steaua Bukarest hat der „Patron“ mit diesem Interview keinen Gefallen getan: Niemals würde er einen homosexuellen Spieler einstellen, sagte George Becali 2010 in einem Gespräch und bezog sich dabei auf den möglichen Transfer eines homosexuellen bulgarischen Fußballprofis zu seinem Club. An klaren Worten ließ er es nicht fehlen: „In meiner Familie hat ein Schwuler nichts verloren, und die Steaua ist meine Familie“, tönte er. „Besser als mit einem Schwulen spielen wir mit einem Nachwuchsspieler; das ist keine Diskriminierung. Niemand kann mich zwingen, mit jemandem zusammenzuarbeiten. Auch ich habe das Recht, zu arbeiten mit wem ich möchte, wie die anderen auch.“

          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Zwar nicht postwendend, aber immerhin drei Jahre später kam die Antwort des Europäischen Gerichtshofs (EuGH): Ganz so einfach ist es nicht. Aussuchen dürfen sich Arbeitgeber ihre Mitarbeiter zwar. Aber benachteiligen dürfen sie bei dieser Auswahl niemanden, zumindest nicht wegen des Geschlechts, der Religion, des Alters – oder aber der sexuellen Orientierung. Ablehnungen sollten sich deshalb nur auf die Leistungen oder die Qualifikation der Bewerber beziehen, predigen Arbeitsrechtler schon seit langem.

          Umkehrung der Beweislast

          Was passiert, wenn man das nicht tut, zeigen die Luxemburger Richter nun exemplarisch ausgerechnet in einem Bereich, der sich mit der Vielfalt sexueller Orientierungen noch immer schwer tut. Nun muss der Fußballverein beweisen, dass er den Fußballspieler damals nicht diskriminiert hat, als er sich schlussendlich doch gegen ihn entschied. „Umkehr der Beweislast“ nennen Juristen das – und das bedeutet in Diskriminierungsverfahren eine noch bessere Ausgangslage als ein 4:0 in einem Champions-League-Halbfinal-Hinspiel.

          Dabei stellen die Luxemburger Richter zwar klar, dass sie die Latte nicht zu hoch hängen wollen: Es werde kein Beweis verlangt, der unmöglich zu erbringen sei, ohne den Schutz des Privatlebens zu verletzen, betonen sie in dem Urteil am Donnerstag. Der Fußballverein müsse keine früheren Spieler „outen“, die er trotz ihrer homosexuellen Neigungen schon eingestellt hat – wenn es diese denn überhaupt gibt. Vielmehr könne der Anschein einer Diskriminierung auch mit einem „Bündel übereinstimmender Indizien“ widerlegt werden, etwa durch ausdrückliche Bestimmungen in seiner Einstellungspolitik. Da sich der Verein niemals explizit von den Äußerungen seines „Patrons“ distanziert hat, dürfte der Beweis allerdings schwer zu erbringen sein.

          Für Unternehmen bedeutet das, dass sie die Äußerungen auch ihres erweiterten Führungskreises überprüfen müssen, denn der „Patron“ war streng genommen überhaupt nicht für die Einstellung von neuen Spielern zuständig. Mit einem Hinweis, die Person sei rechtlich dazu gar nicht befugt, könne sich der Arbeitgeber jedenfalls nicht herausreden, betonte der EuGH.

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