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Neue Strategie : Der letzte Versuch der Deutschen Bank

John Cryan steht vor einer Mammutaufgabe. Scheitert er oder wird er sie bewältigen? Bild: dpa

Wenn angelsächsisches Investmentbanking und traditionelles europäisches Bankgeschäft aufeinandertreffen, gibt es Spannungen. Kein Haus weiß das so gut wie die Deutsche Bank. Die neue Strategie muss funktionieren. Dringend.

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          Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn der bayerische Löwe nicht im falschen Moment laut gebrüllt hätte. Still und leise hatte die Deutsche Bank unter ihrem Vorstandssprecher Hilmar Kopper Mitte der neunziger Jahre eine Beteiligung von rund 5 Prozent an der Bayerischen Vereinsbank aufgebaut. Die Vereinsbank, in der Zwischenzeit längst aufgegangen in der Hypovereinsbank, war damals nach der Bilanzsumme eine der größten deutschen Banken und von den drei wichtigen in München ansässigen Häusern das weitaus beste.

          Eine Übernahme der Vereinsbank hätte die Deutsche Bank fester in Deutschland verankert und eine Alternative zur Expansion in die angelsächsische Welt bieten können, zumal die Deutsche Bank damals viel Ärger mit ihrer wenige Jahre zuvor erworbenen Londoner Investmentbank Morgan Grenfell hatte.

          Aber die Bayerische Staatsregierung und die ebenfalls an der Vereinsbank beteiligte Allianz riefen der Deutschen Bank „Stop!“ zu. Danach war der Zug in Richtung globales Investmentbanking nicht mehr aufzuhalten.

          „Wir brauchen starke Banken in Deutschland“

          Wenige Jahre später übernahm die Deutsche Bank, mit Rolf Breuer als Vorstandssprecher, die amerikanische Investmentbank Bankers Trust. Nur kurz danach waren die Investmentbanker so stark, dass sie die geplante Fusion der Deutschen Bank mit der Dresdner Bank im Jahre 2000 hintertreiben konnten.

          Im Zuge der Auflösung der Deutschland AG trennte sich die Deutsche Bank in den darauf folgenden Jahren von ihren zahlreichen Industriebeteiligungen in ihrem Heimatland. Das globale Investmentbanking gewann immer mehr an Bedeutung, auch wenn im Jahre 2003 der damalige Vorstandsvorsitzende Josef Ackermann versicherte: „Wir brauchen starke Banken in Deutschland, und zwar auch aus Deutschland heraus geführt.“

          Nicht sehr viel später trugen die Investmentbanker dazu bei, dass ein angedachter Kauf der Postbank, mit dem die Präsenz in Deutschland hätte gestärkt werden können, nicht zustande kam. Dafür spielte die Deutsche Bank im Konzert der großen Investmentbanken der Welt vorne mit. Dies bekam der Bank zunächst gut; im Juni 2007 erreichte der Aktienkurs beinahe die Marke von 100 Euro.

          Unerwartete Spannungen

          Neun Jahre, eine Finanzkrise, mehrere Kapitalerhöhungen und einige tausend Rechtsfälle später war er bis auf 11,05 Euro gefallen. In der Öffentlichkeit gelten die Investmentbanker nicht mehr als die Helden, sondern als die Ausplünderer einer geschwächten, in sich uneinigen Bank. Die wertvolle Gemäldesammlung der Bank sei das Einzige, was sich die Investmentbanker nicht unter den Nagel reißen konnten, sagen Kritiker.

          Im Frühjahr 2015 saßen der Vorstand und der Aufsichtsrat der Deutschen Bank in den Frankfurter Doppeltürmen und erwogen ernsthaft eine Aufteilung der Bank. Die Fliehkräfte waren offensichtlich, der Anspruch der im Jahre 2012 berufenen Co-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Fitschen und Anshu Jain, zu den führenden Universalbanken der Welt aufzurücken, schien nicht einlösbar.

          Die kulturellen Probleme ließen sich nicht mehr verschweigen. „Was wir bewundern und nicht besitzen, ist die angelsächsische Kultur im Geldgeschäft“, hatte Alfred Herrhausen kurz vor seiner Ermordung im Jahre 1989 gesagt. Damals stand die Deutsche Bank in Verhandlungen zur Übernahme Morgan Grenfells. Was Herrhausen nicht ahnen konnte und was seine Nachfolger unterschätzt haben mögen, sind die erheblichen Spannungen, die entstehen, wenn angelsächsisches Investmentbanking und traditionelles kontinentaleuropäisches Bankgeschäft aufeinandertreffen.

          Es ist kein Zufall, dass außer der Deutschen Bank keine andere kontinentaleuropäische Bank mit den Riesen der Wall Street um die Macht im globalen Kapitalmarktgeschäft kämpft. Versucht haben es nur die Schweizer.

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