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Neue Strategie : Der letzte Versuch der Deutschen Bank

Um dieses Ziel zu erreichen, wurde der Vorstand neu besetzt. Aktuell will Cryan mit der Berufung Werner Steinmüllers zum Vorstandsmitglied für Asien und Pazifik ein Zeichen in dieser Richtung setzen. Steinmüller ist Deutscher, kein Investmentbanker und seit 25 Jahren in der Bank. Deutsche können Karriere machen, lautet eine Botschaft. Und die zweite lautet: Die Deutsche Bank ist immer noch willens, in expandierenden Märkten wie in Asien Potentiale zu heben.

Denn Cryans zweite Aufgabe besteht darin, die Ambitionen der Bank mit ihren Ressourcen in Einklang zu bringen. Hier liegt ein weiteres grundlegendes Problem der Expansion in das globale Investmentbanking: Die Bank wurde allein über die Ertragsseite, aber nicht über die Kostenseite geführt. Das Ergebnis ist, dass die Deutsche Bank mit jährlichen Erträgen von rund 35 Milliarden Euro sehr viel mehr Geld jährlich in ihre Kassen bekommt als viele andere europäische Banken.

Bringt die Wende eine bessere Zukunft?

Aber gleichzeitig war die Deutsche Bank bereit, für ihre Expansion hohe Kosten zu bewilligen und notwendige Investitionen in die IT zu verzögern. Rechnete man neben den exorbitanten Rechtskosten auch noch die unterlassenen Investitionen in die Bilanzen früherer Jahre ein, sähen die Abschlüsse deutlich schlechter aus.

Heute muss Cryan schon angesichts einer nicht sehr dicken Eigenkapitaldecke versuchen, die Kosten zu drücken, ohne zu viele Ertragsmöglichkeiten zu beschneiden - und dies in einem für Banken generell nicht leichten Umfeld. In Deutschland werden knapp 200 Filialen geschlossen, und auch das Investmentbanking muss Einschnitte akzeptieren.

Ob die Wende in eine bessere Zukunft auf diese Weise gelingt, ist nicht abzusehen. Eine Grundsatzdebatte über die Strategie kann noch einmal notwendig werden, in deren Zentrum die Trennung vom Investmentbanking stehen würde. Auch heute noch wehrt sich die Bank mit Händen und Füßen dagegen, und vor allem sieht sie keine Parallelen zur UBS.

Die schweizerische Großbank, die sich in den vergangenen Jahren deutlich besser als die Deutsche Bank entwickelt hat, setzt im internationalen Geschäft heute sehr viel stärker auf die Vermögensverwaltung als auf das Investmentbanking. Das ist für uns so nicht machbar, ist aus der Deutschen Bank zu hören. Denn auch wenn die eigene Vermögensverwaltung in den vergangenen Jahren leistungsfähiger geworden ist, spielt sie nicht in derselben Liga wie die Vermögensverwaltung der UBS.

In den Doppeltürmen stellt man sich etwas anderes vor. Die Expansion ins globale Investmentbanking vor einem Vierteljahrhundert war begleitet von einer Globalisierung der Finanzmärkte und einem technischen Fortschritt, der das Geschäft an weltumspannenden Finanzmärkten erleichtert hat.

Scheitert Cryan, muss die Bank eine andere werden

Nun sieht die Deutsche Bank einen zweiten Megatrend kommen: das Wachstum der Kapitalmarktgeschäfte in Europa. Traditionell spielen die Banken in Kontinentaleuropa eine wichtigere Rolle als in der angelsächsischen Welt; umgekehrt sind bisher in der angelsächsischen Welt die Kapitalmarktgeschäfte sehr viel bedeutender als in Kontinentaleuropa.

Allerdings sind viele Banken auf dem europäischen Kontinent schwach; und nicht wenige Fachleute vermuten, dass auch hier künftig sehr viel mehr Geschäfte an Kapitalmärkten betrieben werden. Die Deutsche Bank als einzige bedeutende kontinentaleuropäische Investmentbank sieht sich in einer guten Position, um davon zu profitieren.

Das klingt gut, aber immer noch muss die Bank nachweisen, dass sie in ihrer gegenwärtigen strategischen Verfassung in der Lage ist, im Wettbewerb zu bestehen. Die Berufung Cryans zum Vorstandsvorsitzenden ist ein Versuch, eine problematische Vergangenheit in eine bessere Zukunft zu transformieren. Scheitert Cryan, muss die Bank eine andere werden.

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