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Neue Strategie : Der letzte Versuch der Deutschen Bank

Die UBS musste in der Finanzkrise vom Staat gerettet werden und hat dem Investmentbanking weitgehend Lebewohl zugerufen. Die Credit Suisse wurde intern ähnlich zerrissen wie die Deutsche Bank und steht heute nicht besser da als der Rivale aus Frankfurt.

Es hat, vor allem in Deutschland, immer Vertreter der Ansicht gegeben, die Deutsche Bank brauche nicht nur kein globales Investmentbanking, sondern sie wäre ohne das Investmentbanking besser gefahren. Gerade nach den traumatischen Erfahrungen der vergangenen Jahre hat diese Position an Zustimmung gewonnen. Fairerweise muss aber auch die Gegenposition zitiert werden. Sie lautet: Ohne das Investmentbanking wäre die Deutsche Bank kaum mehr als eine größere Commerzbank, fokussiert auf einen zersplitterten deutschen Heimatmarkt, auf dem im Unterschied zu vielen anderen Ländern keine auskömmlichen Renditen zu verdienen sind.

Warum entschied man sich gegen die Aufteilung?

Die Deutsche Bank als eine Art Großsparkasse wäre dann nicht rentabler als die nachweislich nicht sehr rentable Commerzbank - und vor allem wäre sie, sollte es einmal zu einer Konsolidierung auf dem europäischen Bankenmarkt kommen, nicht in einer Lage, aktiv zu werden.

Vielmehr würde sie passiv zusehen müssen, ob Aufkäufer aus dem Ausland kommen. Dem mögen Kritiker entgegenhalten, dass die Deutsche Bank in ihrer aktuellen Gestalt angesichts ihres geringen Börsenwertes auch ein Übernahmekandidat wäre, wenn es nicht die unkalkulierbaren Rechtsrisiken gäbe.

Die Führung der Deutschen Bank entschied sich im Frühjahr 2015 gegen die Aufteilung, die in der Praxis auf eine Abtrennung des Investmentbankings hinausgelaufen wäre. Warum? Weil das Investmentbanking rund 40 Prozent des Konzernertrags beisteuert und die anderen Geschäftsbereiche, das Privat- und Firmenkundengeschäft, die Transaktionsbank und die Vermögensverwaltung, zwar wacker arbeiten, aber die Bank in keinem dieser drei Bereiche eine führende Stellung einnimmt.

Investmentbanking als die große Geldmaschine

Auch in der Wahrnehmung großer Aktionäre wurde das Investmentbanking als die große Geldmaschine wahrgenommen. Das ist für die vergangenen Jahre auch richtig, solange das rein betriebliche Geschäft betrachtet wird. Rechnet man die Rechtskosten, die überwiegend im Zusammenhang mit dem Investmentbanking entstehen, hinzu, ist das Investmentbanking nicht mehr so rentabel, wie seine Befürworter behaupten.

Kurze Zeit nach der Entscheidung, die strategische Ausrichtung der Bank nicht zu ändern, trat der Co-Vorstandsvorsitzende Anshu Jain, der prominenteste Investmentbanker, auf Druck von Aktionären zurück. Die Bank war nicht bereit, Jain die alleinige Führung der Bank anzuvertrauen, unter anderem, weil der seit langem in der englischsprachigen Welt lebende Inder keine Bereitschaft gezeigt hatte, Deutsch zu lernen.

Seitdem haben zahlreiche Getreue des alten Chefs, die in der Bank auch als „Anshu’s Army“ bezeichnet wurden, ebenfalls die Segel gestrichen. John Cryan, seit dem Jahre 2013 Mitglied des Aufsichtsrats und damit mitverantwortlich für die Entscheidung, die Strategie nicht zu ändern, hat in der Zwischenzeit den Vorstandsvorsitz übernommen.

Kulturelle Konflikte in der internen Bankstruktur

Cryans Aufgabenheft ist außergewöhnlich umfangreich. Er will die Deutsche Bank in ihrer breiten Aufstellung bewahren, aber ihre Verankerung in Deutschland stärker betonen und gleichzeitig mit dem Investmentbanking viel Geld verdienen, ohne die Bank noch einmal unter Kontrolle der Investmentbanker geraten zu lassen. Auf diese Weise sollen die kulturellen Konflikte, die seit einem Vierteljahrhundert die Bank intern immer wieder belastet haben, entschärft werden.

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