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EY-Studie : Europas Banken fallen gegenüber Amerika noch weiter zurück

Lahmen ihren amerikanischen Konkurrenten hinterher: Banken in Frankfurt Bild: dpa

Das Wettbewerbsumfeld für die amerikanischen Banken wird rauher. Aber nach einem ersten Halbjahr mit Rekordgewinnen sind die amerikanischen Banken gegen Kreditausfälle besser gerüstet als die wenig profitablen größten Europäer.

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          Die amerikanischen Banken weiten den Abstand zu den europäischen Banken mehr und mehr aus. Zwar trübt sich die Ertragslage für die Banken auch in den Vereinigten Staaten ein: Die Zinskurve ist seit Monaten invers, das heißt mit langfristig ausgereichten Krediten lässt sich untypischerweise weniger verdienen als mit kurzfristigen. Zudem verlangsamt sich das Wirtschaftswachstum nicht zuletzt durch die Handelskonflikte mit China spürbar.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit wächst die Gefahr von Kreditausfällen. Die Banken Citigroup und Wells Fargo warnten gerade, dass sie ihre für dieses Jahr geplanten Einnahmen nicht erreichen werden. Im Vergleich zu den europäischen Banken sind die amerikanischen Banken aber für ein rauheres Umfeld bestens gerüstet. Im ersten Halbjahr 2019 erzielten die zehn größten amerikanischen Banken zusammengerechnet die höchsten Gewinne seit der Finanzkrise.

          Nach einer Aufstellung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY ist der Gewinnanstieg der Amerikaner um knapp 1 Prozent auf umgerechnet 70 Milliarden Euro klein. Da aber die zehn größten europäischen Banken zusammengerechnet einen Gewinnrückgang um 6 Prozent verzeichneten, geht die Schere weiter auseinander.

          Kumuliert verdienten die zehn größten europäischen Banken im ersten Halbjahr 26 Milliarden Euro, nur der britischen HSBC und der französischen Bank BNP Paribas gelang ein Halbjahresgewinn von mehr als 4 Milliarden Euro. In Amerika erzielten immerhin sieben der zehn größten Banken einen Gewinn über dieser Schwelle, am meisten verdiente JP Morgan mit 16,6 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank kam auf 654 Millionen Euro.

          Als ersten Grund für den seit Jahren wachsenden Abstand zwischen amerikanischen und europäischen Banken führt Claus-Peter Wagner, der als Partner die europäische Prüfungsabteilung für Finanzinstitute von EY leitet, das in Europa noch viel tiefere Zinsniveau an. In der vergangenen Woche hat die Europäische Zentralbank den negativen Einlagenzins für die Geschäftsbanken weiter gesenkt. „Diese Strafzinsen für Einlagen lassen die Zinserträge weiter schrumpfen“, sagt Wagner. Allerdings hat die EZB auch einen Staffelzins eingeführt, der die Geschäftsbanken entlastet. Kian Abouhossein, der renommierte Aktienanalyst von JP Morgan, bezifferte die Entlastung für die Deutsche Bank auf 200 Millionen Euro.

          Gewinne europäischer Banken „nicht zufriedenstellend“

          EY hält die Gewinne der europäischen Banken für „nicht zufriedenstellend“. Auch zehn Jahren nach der Finanzkrise drücke viele Banken Sanierungsaufwand, die durchschnittliche Eigenkapitalrendite ging im ersten Halbjahr 2019 von 7,1 auf 6,4 Prozent zurück. Auch bei den zehn amerikanischen Banken sank die Eigenkapitalrendite; der kleinere Rückgang von 13,4 auf 13,0 Prozent ist aber auf ein gewachsenes Eigenkapital zurückzuführen, das die Banken resistenter gegen Verluste macht.

          Die Rekordgewinne der amerikanischen Banken führt EY neben dem höheren Zinsniveau in den Vereinigten Staaten auf ein boomendes Kreditkartengeschäft zurück. Dies werde aber nicht so bleiben. Das Privatkundengeschäft werde auf beiden Seiten des Atlantiks schwieriger, sagt EY voraus. Dies erhöhe aber vor allem den Handlungsbedarf bei den wenig profitablen europäischen Banken. Ihre Kosten seien zu hoch, weitere Einschnitte im Filialnetz und in der Belegschaft stünden an. Tatsächlich prüfen Commerzbank und Deutsche  Bank derzeit derartige Maßnahmen, sie werden nach Informationen der F.A.Z. voraussichtlich in diesem Herbst beschlossen.

          EY erwartet noch eine Konsequenz: „Die Gewinnschwäche vieler europäischer Banken könnte die Neuordnung der Branche beschleunigen“, sagt Wagner. Zwar verliefen etwa die Gespräche zwischen Deutscher Bank und der Schweizer UBS im vergangenen Halbjahr im Sande. Aber Wagner vermutet: „Der erwartete europaweite Konsolidierungsprozess rückt ein Stück weit näher.“

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