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Europa-Park Rust : König der Achterbahnen

Der neue König der Achterbahnen: Michael Mack übernimmt den Europa-Park Rust. Bild: Felix Schmitt

Für die meisten von uns hat Michael Mack wohl eine Traumkindheit gehabt. Denn der Geschäftsmann ist im familieneigenen Europa-Park Rust aufgewachsen. Jetzt übernimmt er das Zepter von seinem Vater.

          Michael Mack ist ein waschechter Europäer. Aufgewachsen im Dreiländereck von Österreich, England und Luxemburg, nicht weit von Portugal und nur einen Steinwurf entfernt von Skandinavien. Klingt unglaublich. Aber im Europa-Park in Rust am Rande des Schwarzwalds sind die Regeln der Realität außer Kraft gesetzt. In Deutschlands größtem Vergnügungspark, auf 95 Hektar Land, grenzt Russland an Luxemburg und England an Österreich, dazwischen liegt nur ein See. Geographische Feinheiten sind hier nebensächlich. Hauptsache, es sieht alles so aus, wie sich ein Durchschnittseuropäer das vorstellt. Für England bedeutet das: Doppeldeckerbus, Linksverkehr, Fish & Chips. Außerdem wird England immer ein Teil dieses Europas sein, Brexit hin oder her. Hier gibt es kein Land, das sich abspalten will, keine Region, die sich nach Unabhängigkeit sehnt. Nur Achterbahnen, so weit das Auge reicht. Und jede Menge Spaß.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Regiert wird diese Welt von der Familie Mack, die für Rust so etwas wie die Windsors für England ist. Nur, dass sich die Skandale in Grenzen halten und die Thronfolge in geregelteren Bahnen verläuft. König Roland hat das Zepter gerade an seine Kinder übergeben, sein Erstgeborener Michael ist quasi der natürliche Thronfolger. Ganz konfliktfrei verlief der Übergang von der einen zur anderen Generation freilich auch im Hause Mack nicht. Ein zweijähriger Mediationsprozess ging voraus, in dem sogar Tränen geflossen seien, so berichtet es der Vater offenherzig. Auch jetzt noch fällt es Mack senior erkennbar schwer, loszulassen. Aber nun gibt es eine „Familiencharta“, die wesentliche Streitpunkte regelt.

          Mack denkt in anderen Kategorien

          Sohn Michael kommentiert die durchgestandenen Gefechte abgeklärter als sein Vater: Ein Systemwechsel produziere nun einmal Gewinner und Verlierer, räsoniert er im leichten badischen Singsang. Das sei auch schon nach dem Fall der Mauer so gewesen. Vor großen Vergleichen hat Michael Mack, ein bodenständiger, pragmatischer, durchaus selbstironischer Typ von nicht einmal 40 Jahren, keine Scheu.

          Ein Wasserpark für die Kinder: Jürgen Mack und Roland Mack (Mitte) bereiten den Generationswechsel vor.

          Mack denkt offenbar in anderen Kategorien. Das mag damit zusammenhängen, dass sein Leben schon immer denkbar ungewöhnlich verlief. Als Kind aus dem Vergnügungspark ist er nicht nur am Dreiländereck aufgewachsen, sondern auch noch mitten in Grimms Märchenpark, zwischen Dornröschenschloss und Schneewittchens Hütte. Mit allen Vor- und Nachteilen, die sich in diesem Zusammenhang stellen. Wobei die Vorteile überwogen haben dürften. Den Satz „In der Schule waren Sie ja . . .“ beendet er wie aus der Pistole geschossen mit „beliebt“ und schiebt ein amüsantes Glucksen hinterher. Da spielt es keine Rolle, dass die Frage erkennbar in eine andere Richtung zielte. Ja, der Sohn des Europa-Park-Herrschers dürfte im städtischen Gymnasium eine ähnliche Stellung gehabt haben wie Prinz William aus dem Hause Windsor in seinem Edelinternat. Da macht sich niemand etwas vor. Auch Michael Mack nicht.

          Loopings, Hänge-Achterbahnen und visuelle Effekte

          So ein Vergnügungspark eröffnet aber auch eine ganze Reihe herrlicher Möglichkeiten, Blödsinn zu treiben. Die Mack-Brüder lieferten sich Wettbewerbe im Achterbahnfahren, bis die Nase blutete. Der Größere hat dabei den Kürzeren gezogen, gibt Michael unumwunden zu. Er habe schon nach 36 Fahrten aufgeben müssen, sein kleinerer Bruder Thomas zehn Fahrten länger durchgehalten. Auf der Schweizer Bobbahn, einer kleineren Achterbahn ohne seitliche Begrenzungen, sind die Jungs Skateboard gefahren. Offen bleibt, wie man solche Torheiten überhaupt überleben kann.

          Irgendwie ist es geglückt. Michael Mack ist an diesem sonnigen Herbsttag zwar wie stets geschäftig, aber ganz bei der Sache, seiner Sache. Gemeinsam mit seinem Bruder Thomas treibt er nun die Innovationen voran. Er bringt Loopings, Hänge-Achterbahnen und visuelle Effekte in den Park. Denn Achterbahnfahrten, so waghalsig sie sich sowieso schon anfühlen mögen, werden noch spektakulärer, wenn man die Besucher vorher mit Virtual-Reality-Brillen ausstattet. Das alles gibt es nicht umsonst: Insgesamt 180 Euro kostet der Eintritt in Rust für eine vierköpfige Familie.

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