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F.A.Z. exklusiv : Europa schmiedet an einer Chip-Allianz

Europa will mehr: Die neuen Fabriken sollen noch größer und moderner sein als etwa die Halbleiterfertigung von Globalfoundries in Dresden. Bild: Bloomberg

Industriekommissar Breton will modernste Chip-Fabriken in die EU holen. Davon hängt nicht nur die Zukunft der Autobranche ab.

          3 Min.

          Thierry Breton macht Tempo, um Europa in der Chip-Industrie wieder nach vorn zu bringen. Ende dieser Woche wird der EU-Industriekommissar Vertreter führender Halbleiterkonzerne aus Amerika und Asien sprechen, um die Möglichkeit auszuloten, milliardenschwere Investitionen an Land zu ziehen. Er will in der EU den Bau neuer Fabriken für die Fertigung der modernsten Chip-Generationen in Gang setzen und damit technologische Lücken zur Konkurrenz in Übersee schließen.

          Hendrik Kafsack
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.
          Stephan Finsterbusch
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auf diese Weise will die Kommission sicherstellen, dass in der EU in Zukunft genügend Chips für das vernetzte Fahren, die Industrie 4.0, Smartphones, Künstliche Intelligenz und Supercomputer gefertigt werden. „Die Chip-Knappheit, unter der momentan die Autoindustrie leidet, belegt, wie dringend wir unsere Lieferketten widerstandsfähig machen müssen“, sagt Breton im Gespräch mit der F.A.Z.

          „Europa ist nicht naiv“

          Im Blick hat er vor allem die Produktion von Chips mit Strukturen, die Tausende Mal feiner sind als ein menschliches Haar. Diese sogenannten 5-, 3- und 2-Nanometer-Chips werden derzeit nur von Asiaten und Amerikanern hergestellt. Breton will das ändern. „Wir wollen europäische Kapazitäten für das Design und die Produktion der leistungsstärksten und energieeffizientesten Prozessoren aufbauen“, sagt er. „Dafür wollen wir die Industrie und die Staaten im Rahmen der europäischen Halbleiter-Allianz zusammenbringen, um die nötigen Investitionen anzustoßen.“

          Modell sei die europäische Batterie-Allianz, in der sich zahlreiche Unternehmen zusammengeschlossen haben, um mit staatlichen Hilfen die gesamte Wertschöpfungskette in der EU aufzubauen. Auch sie kommt aber letztlich nicht ohne Beteiligung internationaler Unternehmen wie Tesla oder der chinesischen Unternehmen CATL und Svolt aus. Für die Chip-Produktion kämen Intel, aber auch TSMC und Samsung ins Spiel, heißt es in der Europäischen Kommission.

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          So steht auf der Agenda von Breton am Freitag ein Treffen in Brüssel mit dem Vorstandsvorsitzenden des amerikanischen Branchenprimus Intel, Pat Gelsinger. Am selben Tag wird er nach Informationen der F.A.Z. per Videokonferenz mit einem ranghohen Vertreter des taiwanischen Unternehmens TSMC reden, Nummer drei der Branche und der größte Auftragsfertiger für Mikrochips der Welt. Darüber hinaus ist offenbar auch ein Gespräch mit der koreanischen Samsung-Gruppe vorgesehen, dem zweitgrößten Chip-Hersteller der Welt.

          Breton hat kein Problem, asiatische und amerikanische Unternehmen mit ins Boot zu holen, solange er die Bedingungen definieren kann. „Europa ist nicht naiv“, sagt er. „Wir wollen uns aber auch nicht isolieren.“ Die EU werde Brücken zu internationalen Partnern bauen, „aber mit uns im Fahrersitz“, betont der Franzose. Diese Botschaft soll auch das Treffen mit Gelsinger und dem Vertreter von TSMC aussenden. Eine Woche später sind die Europäer an der Reihe. Dann spricht Breton mit den Chefs des europäischen Halbleiterherstellers NXP und des niederländischen Fabrikausrüsters ASML, Kurt Sievers und Peter Wennink.

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