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EU billigt Bahn-Fusion : Bombardier darf zu Alstom

Der Doppelstockzug „Ville de Geneve“ von Bombardier Bild: Reuters

Das Nein der EU-Kommission zur Bahn-Fusion von Siemens und dem französischen Konkurrenten Alstom hatte im vergangenen Jahr Empörung ausgelöst. Nun können zumindest die Franzosen aufatmen.

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          Der französische Bahnhersteller Alstom darf die Zugsparte seines kanadischen Konkurrenten Bombardier unter Auflagen übernehmen. Die EU-Kommission hat die Fusion am Freitag unter der Bedingung genehmigt, dass Alstom all seine Zusagen einhält. Zu ihnen gehört, dass der französische Hersteller Produktionsstätten verkauft.

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Zum einen soll die im brandenburgischen Hennigsdorf angesiedelte Produktion von „Talent 3“-Nahverkehrszügen verkauft werden. Veräußert werden soll ferner die Produktion des Fernzugs „Coradia Polyvalent“ im elsässischen Koenigshoffen. Zudem will Bombardier Transportation unter anderem seinen Projektanteil an der Kooperation für den Hochgeschwindigkeitszug V300 Zefiro abgeben. Schließlich sollen die Wettbewerber Zugriff auf Alstoms Signaltechnik und die Steuerungssysteme (TCMS) des Unternehmens bekommen.

          EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sagte, ihre Behörde habe das Vorhaben rasch prüfen können, da Alstom zügig „Abhilfemaßnahmen“ vorgeschlagen habe, um die vorhandenen Wettbewerbsbedenken auszuräumen. „Das aus dem Zusammenschluss hervorgehende Unternehmen wird künftig eine stärkere Marktstellung haben. Gleichzeitig wird es dank dieser Abhilfemaßnahmen auf seinen Kernmärkten auch weiterhin dem Wettbewerb ausgesetzt sein“, sagte Vestager.

          Dem Vernehmen nach hat Alstom im Bombardier-Fall stärker mit der EU-Behörde zusammengearbeitet als im Fall der Fusion mit der Zugsparte von Siemens, welche die EU-Behörde im Februar 2019 verboten hatte. Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire hatte beide Vorhaben mit dem Argument befürwortet, der Aufbau europäischer „Spitzenreiter“ müsse gefördert werden.

          Nach Angaben der EU-Behörde wäre der Zusammenschluss ohne die Zusagen nicht genehmigt worden, weil die Dominanz des fusionierten Unternehmens auf drei Märkten zu groß geworden wäre. Für Höchstgeschwindigkeitszüge wäre das Unternehmen ohne Auflagen generell zum Marktführer geworden, bei den Fernzügen wäre der Marktanteil vor allem in Deutschland und Frankreich weiter gewachsen, und bei der Signaltechnik im Fernverkehr hätte das Unternehmen die Möglichkeit gehabt, Konkurrenten den Marktzugang zu erschweren oder zu verhindern.

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