https://www.faz.net/-gqe-6venv

Espresso-Kapseln : Angriff aufs Nespresso-Monopol

  • -Aktualisiert am

Kapseln von Nespresso... Bild: Wohlfahrt, Rainer

Espresso-Kapseln sind beliebt und teuer. Bislang stellt nur Nestlé sie her und verdient daran glänzend. Aber jetzt kommt Konkurrenz.

          Ein Espresso ist ein kurzes Vergnügen - aber wer müde ist, hat länger etwas davon. Wer eine Nespresso-Maschine kauft, in der man Kaffee aus kleinen Kapseln kocht, freut sich ebenfalls: Die Geräte sind billig. Doch wer diese dann fortan wieder und wieder mit den bunten Alubehältern füllt, fragt sich irgendwann, wie viel Müll er damit produziert. Und ist genervt: Denn anders als die Geräte vertreibt Nespresso seine Kapseln ausschließlich teuer über seine exklusiven Innenstadt-Boutiquen und das Internet - der Monopolist aus dem Reich des Schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé kann sich das erlauben.

          Doch jetzt kommt Jean-Paul Gaillard. Der Schweizer war zehn Jahre lang selbst Nespresso-Chef. Nun produziert er mit seiner Ethical Coffee Company (ECC) Nachahmer-Kapseln aus Pflanzenfasern und Maisstärke, die umweltfreundliche Alternative. Die Öko-Kapseln sollen innerhalb von sechs Monaten vollständig biologisch abbaubar sein. Und seit kurzem stehen sie nun auch in Deutschland in den Regalen. In solchen, die sich von denen der edlen Nespresso-Boutiquen kaum mehr unterscheiden könnten: bei Rewe.

          ...und von der Konkurrenz

          Der Nachahmer hat Erfolg. „Das Geschäft boomt“, sagt Gaillard. In diesem Jahr habe ECC 300 Millionen Kapseln produziert, im nächsten Jahr sind 750 Millionen angepeilt. Im Vergleich mit Nespresso ist das allerdings fast nichts: Der Konzern verkauft weltweit 12.300 Kapseln pro Minute, also etwa 6,5 Milliarden im Jahr. Gaillard bietet sein Produkt bisher nur in Frankreich, Österreich und Deutschland an, Belgien ist der nächste Markt. Nespresso ist weltweit vertreten. Trotzdem wird der Monopolist nervös - und schlägt nun hart zurück.

          Eine Geldmaschine

          In der Schweiz hat Nestlé gegen ECC einen Verkaufsstop erwirkt. Jetzt ist Deutschland dran: „Nespresso behält sich das Recht vor, mögliche Patentverletzungen zu überprüfen“, heißt es in einer Stellungnahme. Gaillard, der kleine Mann mit dem starken französischen Akzent und der Raucherstimme, bleibt indes gelassen: „Wir haben die Prozesskosten einkalkuliert, zwei laufen gegen uns, vier führen wir gegen Nestlé“, so Gaillard.

          Für Nestlé ist Nespresso eine Geldmaschine. 2010 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 3,2 Milliarden Schweizer Franken (2,6 Milliarden Euro) und wuchs um 20 Prozent. Seit zehn Jahren ist das Wachstum zweistellig. Etwa 8 Prozent des weltweiten Kaffeemarktes entfällt bereits auf das Kapsel-Geschäft, Tendenz steigend. Nach Angaben des Deutschen Kaffeeverbandes ist der Absatz von Pads und Kapseln in Deutschland seit 2005 um mehr als das Zehnfache gestiegen.

          Der ehemalige Nespresso-Chef Jean-Paul Gaillard

          Da ist einer wie Gaillard lästig. Da er auf Boutiquen und Werbestars wie George Clooney verzichtet, sind seine Packungen mit 10 Kapseln für rund drei Euro bei Rewe billiger. Die Nespresso-Packung kostet zwischen 3,50 Euro und 3,90 Euro. Allerdings bietet ECC bisher nur drei Geschmacksrichtungen und einen koffeinfreien Kaffee an - der große Konkurrent hat 16 verschiedene Sorten.

          Es müsse sich erst zeigen, ob der Öko-Wettbewerber dem Großkonzern länger die Stirn bieten könne, heißt es im Kaffeeverband. „Dennoch könnten biologisch abbaubaren Kapseln interessant für den Verbraucher sein.“ Gaillard selbst ist frohen Mutes: „Die Deutschen sind so umweltbewusst, sie freuen sich über unsere kompostierbare Alternative.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Der Eingriff in die bundesweite Verteilung von Krankenhäusern muss mit chirurgischer Präzision ausgeführt werden – sonst leidet die Versorgungssicherheit vor allem auf dem Land schnell.

          Zu viele Hospitäler : Der Patient Deutschland

          Die Deutschen lieben ihr Krankenhaus in direkter Nähe – mag es auch noch so schlecht ausgestattet sein. Daher hat auch die Politik kein Interesse an einem großflächigen Abbau der Hospitäler. Vernünftig ist das nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.