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Erzwungener Streik-Stopp : Piloten bieten Lufthansa Verhandlungen an

Jetzt tobt auch zwischen den Lufthansa-Gewerkschaften der Streit. Bild: dpa

Nach der Niederlage vor Gericht wollen die Lufthansa-Piloten wieder mit ihrem Arbeitgeber verhandeln. Der Konzern äußert sich sehr zurückhaltend.

           Die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit geht kurz nach dem Streik-Aus auf die Lufthansa zu. Die Gewerkschaft habe dem Management der Airline für nächste Woche Verhandlungstermine angeboten, teilte Cockpit mit. „Dieser Tarifvertrag hat für uns hohe Priorität und wir freuen uns auf konstruktive Verhandlungen.“ Am Ende der kommenden Woche wolle Cockpit die Öffentlichkeit über die Fortschritte informieren.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Lufthansa begrüßte den Vorschlag. „Wir werden prüfen, ob einer der angebotenen Termine für uns möglich ist", sagte ein Sprecher. Das Landesarbeitsgericht Hessen hatte am Mittwoch den zweitägigen Ausstand der Piloten der Lufthansa mit sofortiger Wirkung gestoppt und damit einem Eilantrag der Fluggesellschaft stattgegeben.

          Flugbegleiter gegen Piloten

          Das Gericht folgte der Argumentation des Konzerns, dass der Streik nicht in erster Linie bessere Bedingungen der Piloten zum Ziel habe, sondern sich gegen den geplanten Billigflieger Eurowings richte. Das sei aber eine unternehmerische Entscheidung und nicht Gegenstand von Tarifverhandlungen.

          Derweil rumort es im Lager der Gewerkschaften. So wird das Vorgehen der Vereinigung Cockpit (VC), in der die meisten der streikenden Piloten organisiert sind, von der Gewerkschaft der Flugbegleiter scharf kritisiert. „Das Scheitern der VC vor Gericht führt dazu, dass die Konzernführung die Piloten in ihrer Planung kaum mehr berücksichtigt und die Kernmarke Lufthansa weiter schrumpfen lässt“, sagte Nicoley Baublies, der Chef der Flugbegleiter-Organisation Ufo, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Dieser Umstand habe für die 18.000 Mitarbeiter in den Kabinen, die seine Gewerkschaft vertritt, fatale Konsequenzen: „Der Stellenabbau wird sich für uns beschleunigen.“

          Die Kollegen in den Lufthansa-Cockpits müssten nach dem Streikverbot durch das Landgericht Frankfurt ihr weiteres Vorgehen im laufenden Tarifkonflikt kritisch hinterfragen. „Doch die schonungslose Fehleranalyse, die bei der VC wohl nötig ist, entspricht nicht dem Selbstverständnis eines Piloten“, ist der Ufo-Chef überzeugt. Trotz der Schelte ruft Baublies die VC-Mitglieder zur Kooperation auf. Damit müsse der seit zwei Jahren schwelende Tarifkonflikt, in dem es aus formalen Gründen um Lohn und Renten, in Wahrheit aber um die Bedingungen für die neue Billigfluggesellschaft geht, rasch beendet werden.

          Als neue Plattform für einen Schulterschluss zwischen Piloten- und Kabinen-Gewerkschaft bietet sich für den Ufo-Chef die frisch gegründete Industriegewerkschaft Luftverkehr an. Dass die Ufo, die ausschließlich Flugbegleiter vertritt, künftig auch Piloten als Mitglieder umwerben könnte, schließt er aus. Doch die Avancen stoßen bei den organisierten Lufthansa-Piloten bislang auf Ablehnung. „Das ist geschickte Eigen-PR einer Gewerkschaft, die händeringend ein Profil sucht und zum Management auf Schmusekurs geht“, sagt ein Pilot.

          Schadenersatz-Klage gegen Piloten

          Diplomatischer fällt die Antwort in der Chefetage der VC aus: „Wir werden über unsere Reaktion nach dem Streikstopp entscheiden, sobald die schriftliche Begründung des Urteils vom Mittwoch vorliegt“, heißt es dort. Die Verhandlungen in dem laufenden Tarifkonflikt, in dem es um höhere Gehälter sowie um eine neue Übergangs- und Altersversorgung geht, sind für die VC durch das jüngste Verdikt des Landesarbeitsgerichtes stark belastet: „Der Drang des Managements, uns die Bedingungen für einen neuen Tarifvertrag und den Aufbau des Billigfluggeschäftes zu diktieren, wird noch stärker“, fürchtet VC-Vorstand Jörg Handwerg.

          Die Lufthansa bekräftigte schon am Mittwoch, dass man nach dem Streikverbot auch eine Klage auf Schadensersatz gegen die VC prüfe. Zu diesem Schritt sei man gegenüber den Aktionären verpflichtet. Eine Schadensersatzklage über 60 Millionen Euro war bereits am Dienstag wegen der ersten Streikrunde im April 2014 beim Arbeitsgericht Frankfurt eingereicht worden. Nach der jüngsten Streikwelle der VC, die am Mittwoch abgebrochen wurde, dürfte sich der Schaden nach Schätzungen auf rund 30 Millionen Euro belaufen.

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