https://www.faz.net/-gqe-88ajg

Erweiterungspaket : BER bekommt noch ein Terminal

  • -Aktualisiert am

Noch ist dieses Gepäckband sicher nicht überfüllt. Bild: dpa

Noch nicht fertig, aber schon zu klein: Am Hauptstadtflughafen BER beginnen die Planungen für ein zusätzliches Terminal. Das Erweiterungspaket ist nicht ganz billig.

          Den Blick nach vorn richten, den Ausbau des Hauptstadtflughafens, der bei seiner für 2017 geplanten Eröffnung zu klein ist, schon jetzt planen – darum ging es auf der Sitzung des Berliner Flughafenaufsichtsrats. Die Vertreter der Gesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg einigten sich auf ein 65 Millionen Euro teures Erweiterungspaket. Man habe Weichen für einen Ausbau der Infrastruktur auf bis zu 40 Millionen Passagiere im Jahr 2023 gestellt, sagte der Aufsichtsratschef, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), am Freitagabend.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zuletzt war der Flughafen mehr mit der Aufarbeitung von Altlasten beschäftigt als mit Zukunftsplanungen. Am Montag hatte die Bauaufsicht alle Arbeiten im Hauptterminal gestoppt. Prüfungen hatten ergeben, dass unter dem Dach verbaute Ventilatoren schwerer als geplant sind. Am Mittwoch trennte sich der Flughafen von einem Bereichsleiter nach einer Fehde über den Umgang mit derartigen Problemen auf der Baustelle. Zuvor musste ein Projektleiter gehen im Zusammenhang mit zu hohen Rechnungen des Siemens-Konzerns, die der Flughafen bezahlt hatte.

          Die Ventilatoren sind zu schwer

          Am fünften Tag des Stillstands im Hauptterminal war der Aufsichtsrat um Zuversicht bemüht. Dass trotz Statikproblemen über die Kapazitätsplanung für die Jahre nach der Eröffnung gesprochen wurde, sollte diesen Eindruck stützen. Der Aufsichtsrat hält an einer Inbetriebnahme im Herbst 2017 fest. Gleichwohl räumte Müller ein, dass die Folgen der Insolvenz des Bautechnikunternehmens Imtech und des Baustopps Zeitreserven aufzehren. „Es gehört zur Wahrheit dazu, dass es knapp wird mit den Zeiten.“

          Nach Flughafenangaben hat eine Nachprüfung mittlerweile ergeben, dass die Statik des Terminaldachs korrekt ist. Einsturzgefahr bestehe nicht. Allerdings wiegen von 15 Ventilatoren, die unter dem Dach montiert sind, zehn Stück je 2,3 Tonnen, fünf rund vier Tonnen statt je zwei Tonnen. Aktuell fehlt dem Bau daher der formale Standsicherheitsnachweis. Immerhin wird erwartet, dass zumindest Flächen unter den leichteren Ventilatoren bald freigegeben werden.

          Ein neues Terminal wird geplant

          Im Kampf gegen die erwartete Enge im BER setzen die Gesellschafter zunächst auf eine Ertüchtigung des alten Schönefelder Flughafens, der für seine Restzeit bis zur Schließung 2023 eine zusätzliche Halle bekommen soll. Parallel dazu darf der Flughafen mit Planungen für ein Billigflugterminal am Ende der BER-Nordpier beginnen. Schon der einstige Flughafenchef Hartmut Mehdorn hatte dafür gekämpft. Der Bau soll separate Gepäck- und Kontrollbereiche bekommen, damit weniger Passagiere das Hauptterminal nutzen müssen. Konzipiert ist der BER für 27 Millionen Reisende – so viele nutzten 2014 die Flughäfen Tegel und Schönefeld. Für 2023 rechnet der BER mit bis zu 40 Millionen.

          Die Aufseher verlangen auch, dass Arbeiten schneller vorangehen. Flughafenchef Karsten Mühlenfeld soll „Maßnahmen zur Beschleunigung“ vorlegen. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, übte indes Kritik an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Der Bund sei der einzige mit Großprojekten vertraute Miteigentümer. Er müsste zeigen, wie man einer Geschäftsführung auf die Finger schaue. „Dobrindt scheint jedoch allenfalls damit beschäftigt, sich um einzelne Personalangelegenheiten zu kümmern und die Schuld an Kostensteigerungen und Verzögerungen weit von sich zu schieben.“

          Weitere Themen

          Wie teuer wird es für mich?

          FAZ Plus Artikel: Klimapaket : Wie teuer wird es für mich?

          Das Klimapaket der Bundesregierung kostet manche Leute Geld, anderen bringt es eine Ersparnis. Wir haben einige Fälle durchgerechnet. In manchen Fällen können Pendler zum Beispiel sogar Geld sparen.

          Topmeldungen

          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.
          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.