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Erwachende Riesen (10) : Biocon ist Indiens Ikone für Hochtechnologie und Emanzipation

Erfolgeiche Unternehmerin: Kiran Mazumdar-Shaw Bild:

Vom Garagenlabor zum Börsenstar. Indiens reichste Frau hat für ihren Weg 25 Jahre gebraucht. Das von ihr gegründete Unternehmen Biocon India Ltd. ist Indiens größtes Biotechnologie-Unternehmen.

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          Der Weg war lang und steinig. Er begann vor einem Vierteljahrhundert mit 10 000 Rupien (169,70 Euro) Startkapital in einer gemieteten Garage. An seinem Ende warteten Reichtum, wichtiger aber vielleicht noch Anerkennung.

          Christoph Hein
          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Kiran Mazumdar-Shaw wurde Ende November zur „Geschäftsfrau des Jahres“ in Indien gewählt. Zeitschriften ernannten die gelernte Brauereimeisterin zur „Königin der indischen Biotechnologie“ und zur „Indischen Mutter der Erfindungen“. Die reichste Unternehmerin des Subkontinents ist sie sowieso. Auch nach dem Börsengang der von ihr gegründeten Biocon India Ltd. besitzt sie noch 40 Prozent an ihrem Unternehmen, das mit einem Marktwert von mehr als 1,2 Milliarden Dollar inzwischen Platz 30 der 500 wertvollsten indischen Firmen erreicht hat. Selbstverständlich ist Biocon damit zugleich Indiens größtes Biotechnologie-Unternehmen.

          Klima ändert sich zugunsten der Frauen

          In dem Land, in dem noch heute Frauen sterben, wenn sie keine ausreichende Mitgift zur Hand haben, kommt Mazumdar-Shaws selbst geschaffenem Aufstieg hohe Symbolkraft zu. „Der Preis spiegelt die Veränderung des Klimas in unserer Gesellschaft, die nun Frauen als gleichberechtigte Geschäftspartner zuläßt“, sagte sie bei der Verleihung. Aber noch ist Indien nicht am Ziel: „Ich weiß aber genau, daß noch ein langer Weg vor uns liegt, bis wir Frauen in allen Bereichen unserer Gesellschaft ebenfalls solche gleichen Chancen einräumen können.“

          Die starke Persönlichkeit Mazumdar-Shaws überdeckt fast ihr Unternehmen. Dabei ist dessen Werdegang beeindruckend genug. „Von einem reinen Herstellungsbetrieb für Industrie-Enzyme sind wir zu einem integrierten biopharmazeutischen Unternehmen mit einem Schwerpunkt in der Forschung gewachsen“, beschreibt die Gründerin den Weg. Auf die Enzyme folgte die Produktion von Bestandteilen für Lipidsenker und Insulintabletten. „Heute sind wir ein richtiges Biotech-Unternehmen, das sich auf die menschliche Gesundheitsversorgung konzentriert“, sagt die 50 Jahre alte Managerin.

          BASF in Miniatur

          Sie spricht laut, lacht laut, fährt einen silbernen Mercedes der E-Klasse und trägt eine Menge Goldschmuck. Gekleidet in Jeans und Bluse, setzt sie sich auf die Ecke ihres Schreibtisches, während sie von ihrem Aufstieg erzählt und zugleich Kritik an der indischen Gesellschaft übt.

          So unkonventionell die mit einem britischen Geschäftsmann verheiratete Mazumdar-Shaw auftritt, so geordnet erscheint ihr Unternehmen: Das Firmengelände in der Vorstadt von Bangalore, der indischen Software- und Outsourcing-Metropole im Süden des Landes, wirkt wie der Anlagenkomplex von BASF in Ludwigshafen in Miniatur. Backsteinhäuser, ein eher freudlos wirkendes Verwaltungsgebäude, gepflegte Straßen dazwischen, Schilder, die zur Aufmerksamkeit ermahnen. Hinter den Fassaden wird hart gearbeitet. 40 Prozent werde das Umsatzwachstum in diesem Geschäftsjahr (31. März 2005) betragen, sagt Mazumdar-Shaw. Damit entspräche das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte demjenigen, das Biocon auch in den ersten sechs Monaten erreicht hat. In dieser Zeit zogen die Umsätze um 40 Prozent auf 3,6 Milliarden Rupien (61,1 Millionen Euro) an. Im zweiten Quartal stieg der Reingewinn auf 560 (zweites Quartal 2003: 370) Millionen Rupien. Längst haben die Börsianer das Unternehmen ins Herz geschlossen: Der Börsengang im März war 38fach überzeichnet, der Ausgabepreis des Papiers lag bei 315 Rupien. Heute notiert die Aktie bei gut 500 Rupien.

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