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Quote erfüllt : Erstmals mehr als 30 Prozent Frauen in den Dax-Aufsichtsräten

Auch Google-Managerin Diane Greene wurde am Nachmittag in den SAP-Aufsichtsrat gewählt. Bild: dpa

Vor drei Jahren setzte die damalige Familienministerin Manuela Schwesig eine gesetzliche Frauenquoten für Aufsichtsräte durch. Und siehe da: Sie wirkt.

          Mit der Wahl von drei Frauen in den Aufsichtsrat des Softwarekonzerns SAP ist die Frauenquote in den 30 Dax-Unternehmen am Donnerstag erstmals über die gesetzlich vorgeschriebene Quote von 30 Prozent gestiegen. Das geht aus einer Erhebung der Personalberatung Russell Reynolds hervor.

          Tillmann Neuscheler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auf der Hauptversammlung in Mannheim wählten die SAP-Aktionäre die Merck-Managerin Friederike Rotsch, die Intel-Managerin Aicha Evans und die Google-Managerin Diane Greene in den Aufsichtsrat des Unternehmens. SAP erhöht damit den Frauenanteil in dem Kontrollgremium von 22 Prozent im Vorjahr auf jetzt 56 Prozent und machte damit den größten Sprung aller Dax-Unternehmen. Auch andere Unternehmen haben die Frauenquote aber locker erfüllt. Auf jeweils 40 Prozent kommen Commerzbank und Munich Re.

          Seit Januar 2016 gilt für Aufsichtsräte von börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen in Deutschland eine Mindest-Frauenquote von 30 Prozent. Das Gesetz wurde von der früheren Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) forciert. Während vor drei Jahren nur 27 Frauen in den Dax-Aufsichtsratsgremien saßen, haben sie mittlerweile 81 von 256 Aufsichtsratsposten. Die 30-Prozent-Marke ist nun mit Blick auf die Gesamtzahl aller Dax-Aufsichtsräte erreicht, allerdings erfüllen fünf Dax-Unternehmen die Quote individuell noch nicht: Adidas, Henkel, Infineon, Merck und Continental. Das ist auch zulässig, aber die betroffenen Unternehmen müssen freiwerdende Stellen bei Neuwahlen jetzt zwingend mit Frauen besetzen.

          Der Personalberater Jens-Thomas Pietralla von Russell Reynolds wertet die Frauenquote als vollen Erfolg: „Schneller und geräuschloser als allgemein erwartet wurde die Frauenquote in den wichtigsten Aufsichtsräten Deutschlands erreicht“. Die Personalberatung geht davon aus, dass der Frauenanteil noch weiter auf über 35 Prozent steigt.

          Ganz anders sieht die Entwicklung allerdings in den Vorstandsgremien aus, wo keine gesetzliche Quote vorgeschrieben ist. Der Frauenanteil in den Dax-Vorständen liegt derzeit nur bei rund 12 Prozent. In den Vereinigten Staaten und Schweden liegt er in den Vorständen der 30 führenden Börsenunternehmen doppelt so hoch, wie eine Vergleichsstudie der Allbright-Stiftung vor wenigen Tagen gezeigt hat. Zudem wird kein einziges Dax-Unternehmen von einer Frau geführt.

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