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Erstes Umsatzplus seit 15 Jahren : Die CD rettet die deutschen Musiklabels

Hippe Angebote wie Spotify kommen in Deutschland gegen die CD nicht an. Bild: picture alliance / fStop

Ausgerechnet ein Uraltmedium, das längst abgeschrieben schien, ist die wichtigste Stütze der deutschen Musiklabels. Warum gerade wir Deutschen an unseren CDs hängen, weiß niemand.

          Nach fünfzehn Jahren Umsatzrückgang fließt erstmals wieder mehr Geld in die Kassen der Musiklabels in Deutschland. Wie der Branchenverband IFPI mitteilte, legten die Tonträgererlöse im vergangenen Jahr um 1,2 Prozent auf 1,45 Milliarden Euro zu. Es ist für die vom Internetzeitalter gebeutelte Musikbranche hierzulande die erste schwarze Umsatzzahl seit dem Jahr 1997.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Und ausgerechnet ein Uraltmedium, das schon abgeschrieben schien, ist ihre wichtigste Stütze: Die CD. Während die Silberscheibe international längst zum Auslaufmodell geworden ist, macht sie in Deutschland noch immer zwei Drittel der Verkäufe aus.

          Die Deutschen hängen an der CD

          Trotz iTunes,  Smartphones und dem Hype um Musikstreaming-Dienste wie Spotify: Die Deutschen wollen weiterhin Musik zum Anfassen – auf CD. Sie ist bei uns noch immer ein Milliardengeschäft. Im vergangenen Jahr schrumpften die Erlöse um lediglich 1,3 Prozent und damit so moderat wie seit 13 Jahren nicht mehr.

          Das sind Zahlen, von denen die Musikkonzerne in anderen wichtigen Märkten nur träumen können. Warum gerade die Deutschen noch immer stoisch Plastikscheiben in die Schubladen ihrer CD-Spieler bugsieren, weiß niemand so recht. Fachleute verweisen zwar auf die überlegene Klangqualität des physischen Tonträgers, die vor allem der von Streaming-Diensten deutlich überlegen ist. Aber ob das für die Masse der Musikfans wirklich ausschlaggebend ist?

          Die überschaubaren Einbußen im CD-Geschäft konnte die Branche letztes Jahr durch das Wachstum im Onlinevertrieb ausgleichen: Die Verkäufe von Musikdownloads legen allerdings kaum noch zu und die Erlöse mit Streaming-Angeboten wie Spotify und Deezer sind zwar um 91 Prozent gestiegen, aber die Basis ist bisher winzig. Sie machen in Deutschland bisher nur gut 5 Prozent des Tonträgergeschäfts aus.

          Zum Vergleich: In seinem schwedischen Heimatmarkt ist Spotify mittlerweile die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle der Musiklabels und macht gut 70 Prozent des Gesamtmarkts aus. Die CD ist dort fast verschwunden. Bei Spotify bekommt der Musikfan ein Abonnement, das entweder kostenlos ist und durch Werbung unterbrochen wird oder zehn Euro im Monat kostet. Anders als beim Download gehört den Kunden die Musik aber nicht. Man kann nur hören, solange man weiter bezahlt. Das kommt – jedenfalls in anderen Ländern – gut an unter Musikfans: Weltweit betrachtet sind die Schweden heute bereits die zweitwichtigste Einnahmequelle der Popbranche hinter iTunes von Apple.

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