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Erstes prominentes Opfer : Adolf Merckle verspekuliert sich mit VW-Aktien

  • -Aktualisiert am

Waghalsige Transaktionen: Adolf Merckle Bild: Privat

Der Unternehmer Adolf Merckle soll mit Spekulationen auf einen fallenden Kurs der VW-Aktie eine Milliarde Euro verloren haben. Die Banken drängen auf einen Verkauf des Generikaherstellers Ratiopharm. Die Heidelberg Cement AG soll davon unberührt bleiben.

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          Der Unternehmer Adolf Merckle soll mit Geschäften mit VW-Aktien und anderen Dax-Papieren im Oktober und November rund eine Milliarde Euro verloren haben. Derzeit laufen Verhandlungen mit den Banken über eine Lösung des Problems. Adolf Merckle selbst war am Sonntag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Sein Sohn Ludwig Merckle ließ der F.A.Z. ausrichten: "Wir stehen mit den Banken in Verhandlungen zur Stabilisierung der Situation. Diese Verhandlungen sind weit fortgeschritten."

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Merckle ist damit das erste prominente Opfer der Spekulation um Volkswagen. Adolf Merckle soll Put-Optionen in großem Stil gekauft haben, weil er erwartet habe, dass der VW-Kurs fallen würde, wenn Porsche eines Tages bekannt geben würde, dass ausreichend VW-Aktien gekauft worden seien. Tatsächlich ist das Gegenteil passiert: Der Kurs der Volkswagen-Aktie ist seit langem auf Werte gestiegen, die mit dem operativen Geschäft nichts zu tun haben, sondern allein durch solche Spekulationen entstanden sind. Nachdem Porsche erklärt hatte, mittelbar schon über 74 Prozent der Aktien zu verfügen, schlug der Kurs erst recht Kapriolen und stieg sogar kurzzeitig über 1000 Euro, weil einige Investoren sich unbedingt mit VW-Aktien eindecken mussten. Selbst als Porsche wieder Optionen freigab, um den Aktienhandel zu beruhigen, fiel der VW-Kurs nicht deutlich nach unten.

          Muss die Famile nun den Generikahersteller Ratiopharm verkaufen?

          Wer Merckle dazu geraten hat, auf die fallenden VW-Kurse zu spekulieren, ist nicht bekannt. Dem 74 Jahre alten Selfmade-Man ist durchaus zuzutrauen, dass es seine eigene Idee war. Er hat sein ganzes Vermögen, das seine Familie zu einer der reichsten in Deutschland gemacht hat, durch teils waghalsige Transaktionen gemacht. Allerdings gibt es auch Gerüchte, dass die LBBW den Merckles zu solchen Optionsgeschäften geraten habe.

          Für Merckle sind die schon realisierten und die noch drohenden Verluste offenbar so groß geworden, dass nun über den Verkauf des Generikaherstellers Ratiopharm spekuliert wird, der ebenfalls der Familie Merckle gehört. Zu diesen Spekulationen wollte Ludwig Merckle sich gegenüber dieser Zeitung nicht äußern. Sein Vater Adolf Merckle hatte Gerüchte darüber nicht dementiert, sondern gesagt: "Sie werden verstehen, wenn ich im Moment keine Stellungnahme dazu abgeben kann." Tatsächlich gibt es offenbar schon sehr konkrete Überlegungen dazu.

          Die Merckles könnten sich mit einem Verkauf von Ratiopharm ihrer Probleme entledigen. Ob es ohne einen Verkauf geht, ist sehr fraglich. Die Banken seien in hohem Maße nervös. Von dort kommt offenbar auch der Druck, das Unternehmen zu Geld zu machen. Mit einem Umsatz von 1,8 Milliarden Euro und zuletzt guten Gewinnmargen könnte es einen Betrag von 5 Milliarden Euro erlösen, wird spekuliert.

          Notverkäufe könnten allerdings die Preise drücken

          Einige hundert Millionen Euro könnte Merckle auch durch den Verkauf anderer Beteiligungen erlösen. So gilt das Fürstentum Hohenzollern durchaus als interessiert an der Übernahme der 50 Prozent der Zollernwerke. Notverkäufe in aller Eile könnten allerdings die Preise drücken. Daher wird mit den Banken nun über einen Überbrückungskredit verhandelt. Dem Vernehmen nach ist die Commerzbank dabei in führender Funktion tätig. Aber auch die LBBW und die Royal Bank of Scotland sollen involviert sein.

          Nicht in Mitleidenschaft gezogen werden soll die Heidelberg Cement AG, der größte deutschen Baustoff-Konzern, an dem Merckle 80 Prozent hält. Heidelberg Cement hatte im vergangenen Jahr für 14 Milliarden Euro den britischen Hanson-Konzern übernommen und schiebt nun 12 Milliarden Schulden vor sich her. Rund 600 Millionen Euro müssen nächstes Jahr bei Heidelcement refinanziert werden. Dieses Volumen ist nach Angaben des Unternehmens durch Kreditlinien von 2 Milliarden Euro gesichert. Etwa 5 Milliarden Euro müssen im Jahr 2010 refinanziert werden. Dann steht aus heutiger Sicht eine Kapitalerhöhung an. Die letzten beiden Kapitalspritzen von zusammen einer Milliarde Euro stemmte Merckle alleine. Im übernächsten Jahr werden wohl auch die anderen Aktionäre mitmachen müssen.

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