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Bank in der Krise : IKB vor Wertpapier-Zwangsverkäufen

Wie tief ist das Loch bei der IKB? Bild: AFP

Die Schreckensmeldungen über die IKB sind womöglich noch nicht zu Ende. „Wir haben ein großes Problem mit Rhineland Funding“, sagte KfW-Vorstandschefin Matthäus-Maier. Wie tief das Loch noch werden kann? Vermutungen aus Finanzkreisen reichen bis zu 9,5 Milliarden Euro.

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          Die Schreckensmeldungen über die Mittelstandsbank IKB sind womöglich noch nicht zu Ende. „Wir haben ein großes Problem bei Rhineland Funding. Dies führt zu zusätzlichen möglichen Verlusten für die KfW“, sagte deren Vorstandssprecherin, Ingrid Matthäus-Maier, auf einer Veranstaltung der staatseigenen Förderbank am Dienstagabend.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Die KfW hatte am Dienstag mitgeteilt, sie müsse die Risikovorsorge für ihre Beteiligung an der IKB um 2,3 Milliarden auf 4,8 Milliarden Euro erhöhen. Das Verlustrisiko wird nun auf insgesamt 6,1 Milliarden Euro geschätzt. Entgegen bisheriger Beteuerungen sind jetzt offenbar Zwangsverkäufe von Rhineland-Wertpapieren notwendig geworden. „Die ersten Trigger-Brüche sind da“, heißt es. Damit ist das Erreichen von Auslöseschwellen gemeint, an denen automatisch Wertpapiere mit Kursverlust verkauft werden müssen.

          „Hier liegt ein Riesenproblem“

          Die Lage in der IKB ist noch immer sehr undurchsichtig. Das Investmentvehikel Rhineland, das die IKB in Schieflage gebracht hat, besteht nach jetzigen Erkenntnissen aus 140 Transaktionen. Von diesen sind 72 mit einer Auslöseschwelle („Event of Default Trigger“, EOD) belegt, die meisten davon ausgehandelt in den Jahren 2006 und 2007. Mindestens diese 72 Geschäfte drohen komplett auszufallen. „Hier liegt ein Riesenproblem“, warnte Matthäus-Maier. Sie verband dies mit schweren Vorwürfen gegen die frühere Führung der IKB, die die Rhineland-Geschäfte abgeschlossen hat. Angesichts der Dramatik prüft die KfW, ob juristische Schritte eingeleitet werden sollen.

          Es wurden Abschlüsse getätigt, die bei den an der Aufklärung Beteiligten Fassungslosigkeit auslösen. Ein Teil der Wertpapierkäufer (Asset Holder) hatte offenbar von der IKB ein Umtauschrecht in bessere Papiere eingeräumt bekommen, sollte sich die Qualität ihrer Papiere verschlechtern. Investoren sind den Erkenntnissen zufolge „durch die Hintertür“ abgesichert worden, indem die IKB eine Verlustübernahme (First Loss) garantierte. All dies sei von den Aufsichtsgremien nicht zu erkennen gewesen, versicherte Matthäus-Maier.

          Kompliziert, selbst für Fachjuristen

          Die Verträge seien bis zu 400 Seiten stark. Die Passage etwa auf die EOD-Auslöseschwellen finde sich auf Seite 92 und sei so kompliziert, dass selbst Fachjuristen Schwierigkeiten hätten. In die EOD sei ein Mechanismus eingebaut, der die Verteilung eventueller Verluste unter den diversen Wertpapierkäufern einer Tranche regele. Dabei sei oft von einem „Senior Holder“ die Rede, der bei sinkenden Kursen den Verkauf der gesamten Tranche verlangen könne, um seinen Verlust zu begrenzen.

          Dies habe den Anschein erweckt, die IKB stehe auf der sicheren Seite. Allerdings gebe es oftmals einen „Super Senior Holder“, der zunächst nicht zu erkennen sei, sich aber zuerst schadlos halten könne – mit entsprechenden Konsequenzen für die IKB.

          Vermutungen reichen bis zu 9,5 Milliarden

          Wie tief das Loch noch werden kann – Vermutungen aus Finanzkreisen reichen bis zu 9,5 Milliarden Euro – und welche weiteren Schritte einzuleiten sind, darüber finden derzeit fast täglich Gespräche mit Banken und Politik statt. Am Mittwoch wurde kurzfristig ein Gespräch auf Spitzenebene einberufen. Mit den an der Rettung beteiligten Poolbanken soll über eine Erhöhung der zugesagten 1 Milliarde Euro verhandelt werden. Am Freitag soll der Verwaltungsrat der KfW tagen.

          Die EU-Kommission interessiert sich für die erhöhte Risikovorsorge. Das Bundeswirtschaftsministerium denkt über eine Neuordnung des 37 Köpfe starken KfW-Verwaltungsrates, einen Verkauf der IKB und der für Exportfinanzierung zuständigen KfW-Gesellschaft Ipex nach – was das ebenfalls zuständige Finanzministerium als „nicht abgestimmte Position“ zurückweist. Allen gemein ist die Sorge, die KfW könne durch die Rettung in ihrer Fördertätigkeit eingeschränkt werden und selbst Hilfe benötigen. Das weist die Vorstandssprecherin von sich: „Wir brauchen trotz allem keine Kapitalerhöhung“.

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