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Erst Nokia, nun Mercedes : Alle zieht es nach Rumänien

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Warum sollte der Handyriese auch mehr zahlen? Das niedrige Lohnniveau trieb ihn ja gerade hierher. Es ist auch nicht so, als hätte eine Weltfirma wie Nokia Probleme, die Stellen hier zu besetzen. Der Name zog: Auf die Ausschreibung für die ersten 500 Posten im Werk gingen 8500 Bewerbungen auf Daniel Dons Schreibtisch ein - nicht nur von Rumänen. Die ersten Nokianer sind eine reichlich bunte Truppe: Vor dem Werkstor parkt eine Kolonne von Kleinbussen mit ungarischen, polnischen und slowakischen Nummernschildern, und in fast allen kleben Zettel mit der Aufschrift „Personaltransport Nokia“. Wenn sich die Mitarbeiter mittags zur Bohnensuppe mit Würstchen in der Kantine treffen, sprechen sie in fast allen osteuropäischen Dialekten durcheinander.

„Am Anfang haben die Verantwortlichen versucht, die Stellen mit Rumänen zu besetzen“, sagt Unternehmensberater Vlad Goga, „aber die waren nicht zuverlässig genug.“ Der Bautrupp des Nokiawerkes war mehrere Wochen im Verzug. Deshalb habe die Baufirma die Polen und Ungarn geholt. Vielleicht nicht ganz legal, jedenfalls waren sie nicht korrekt beim rumänischen Arbeitsamt gemeldet, ergab eine Überprüfung der Behörden. Die beteiligten Firmen schweigen. Überhaupt wollen derzeit weder Nokia noch Tetarom über das neue Industriegebiet reden. Denn die ausländischen Arbeiter sind nicht das einzige Problem von Stadtvätern und Investoren.

Rumänien ist für deutsche Firmen ein Steuerparadies

Dass Nokia so wenig über Cluj sprechen mag, leuchtet ein. „Nokia hat ein großes Imageproblem, seit es die Schließung des Werkes in Bochum und die Neueröffnung hier angekündigt hat“, sagt Vlad Goga. Damit stoßen die Finnen zwar in den aufstrebenden osteuropäischen Markt, der laut nach Handys ruft. Künftig würden 20 Millionen Kunden allein in Rumänien regelmäßig danach verlangen, sagen Studien von Unternehmensberatungen. Schon jetzt haben die jungen Leute in der Stadt öfter ein Handy am Ohr als irgendetwas anderes in der Hand. Vor allem Nokia-Handys. „Aber dafür“, sagt Goga, „verliert Nokia gerade 80 Millionen Kunden - in Deutschland.“

Wieso also kamen die Finnen hierher? Zum einen weil die Lohnkosten nur ein Zehntel des europäischen Durchschnitts betragen. Und weil die Stadtväter Millioneninvestitionen in die Infrastruktur versprachen. Sie wollen für 33 Millionen Euro Gas-, Strom- und Wasserleitungen verlegen, für 90 Millionen den Provinzflughafen ausbauen und planen eine Autobahn. All das bieten zwar andere Standorte längst, aber Cluj versprach noch mehr: Rumänien ist für deutsche Firmen ein Steuerparadies.

Zudem locken die Stadtväter von Cluj mit weiteren Steuererleichterungen: Auf 30 Jahre wollen sie Nokia die Immobilien- und Grundstücksabgaben erlassen, macht 18 Millionen Euro. Zusätzlich bekamen sie das Tetarom-Grundstück zum Sonderpreis. Wie hoch er war, sagt keiner, aber eines wissen hier alle: 90 Prozent der verfügbaren Grundstücke gehören dem Staat und den Kommunen. Deshalb konnten die Stadtväter 160 Hektar zum Spottpreis abgeben. Und es sollen noch einmal 170 Hektar sein, vielleicht für Mercedes.

Rumänische Träume vom großen Geschäft

Der kommunale Landbesitz ist auch der Grund, warum die Politiker zu Tetarom schweigen: Es gibt Gerüchte, dass etliche von ihnen selber Grundstücke kauften, als sich der Vertrag mit Nokia abzeichnete. Damals kostete der Quadratmeter einen Euro. Heute sind es 40 Euro. Es geht um Bodenspekulationen in großem Stil und nicht um irgendwelche Provinzfürsten: Landrat Nicoara von der nationalliberalen Partei ist der erste Mann unter dem Premier, und er hätte gern mehr Einfluss in Cluj. In der Stadt aber ist Bürgermeister Emil Boc an der Macht, Anführer der Demokraten und rechte Hand des rumänischen Präsidenten.

Bald sind Wahlen, und beide Männer träumen davon, eine Stufe weiter aufzurücken. „Wir haben eine Vision, wir machen aus Cluj ein europäisches Wirtschaftszentrum. Für unser Volk“, sagen sie. So seien die Rumänen, erklärt Wirtschaftsberater Goga: „Alles, wovon wir träumen, ist: einmal das ganz große Geschäft zu machen.“ Einige haben es wohl schon geschafft. Und vielleicht gelingt es Arbeitsamtsdirektor Don ja auch, und er kann bald wieder lachen.

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