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Nach Führungswechsel : Razzia bei Deutscher Bank in Frankfurt

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Ermittler haben abermals die Zentrale von Deutschlands wichtigstem Geldhaus durchsucht. Die Bank winkt ab: Es seien keine Mitarbeiter beschuldigt, die Razzia richte sich gegen Kunden der Bank. Nach ersten Informationen geht es um mutmaßlichen Steuerbetrug durch sogenannte Cum-Ex-Geschäfte.

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          Nächste Razzia bei der Deutschen Bank: Während in München der Strafprozess gegen Ko-Vorstandschef Jürgen Fitschen weitergeht, haben Ermittler abermals die Unternehmens-Zentrale in Frankfurt durchsucht. Das bestätigte die Bank. Allerdings würden keine Mitarbeiter beschuldigt, die Durchsuchungen richteten sich gegen Kunden. Dabei gehe es um „bestimmte Wertpapiertransaktionen". Weitere Details - etwa zu den Geschäften der Kunden - wollte die Bank nicht nennen.

          Agenturberichten zufolge sind rund 30 Beamte und zehn Polizeiautos zu den Doppeltürmen der Bank in der Frankfurter Innenstadt angerückt. Zu den konkreten Vorwürfen wollte sich auch die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt zunächst nicht äußern. Man führe „in einem laufenden Verfahren prozessuale Zwangsmaßnahmen“ durch, sagte ein Justizsprecher.

          Insider: Es geht es um Steuerbetrug durch sogenannte
          Cum-Ex-Geschäfte

          Zu Details der Ermittlungen könne die Behörde nichts sagen, weil „die operative Phase“ noch laufe. Der Sprecher verneinte allerdings einen Zusammenhang mit dem Verfahren zu mutmaßlichem Umsatzsteuerbetrug im Handel mit Luftverschmutzungsrechten (CO2-Zertifikate). Einem Insider zufolge geht es um umstrittene Dividendengeschäfte von Kunden. Die Razzia stehe im Zusammenhang mit den sogenannten Cum-Ex-Geschäften, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters.

          Ermittler gehen seit langem dem Verdacht nach, dass Banken und ihre Kunden den Fiskus mit Cum-Ex-Geschäften um Millionen betrogen haben. Dabei geht es um bestimmte Aktiengeschäfte, die um den Tag der Dividendenzahlung der jeweiligen Unternehmen herum getätigt wurden. In der Folge erstatteten die Finanzbehörden die einmal abgezogene Kapitalertragssteuer auf die Dividende sowohl dem Käufer als auch dem Verkäufer der Aktie. Werden die Papiere  mehrfach hin- und hergeschoben, werden mehrfach Bescheinigungen über nicht gezahlte Kapitalertragssteuern ausgestellt. Erst 2012 wurde die Gesetzeslücke geschlossen.

          Nach Informationen der "Bild"-Zeitung war Anlass der Razzia von Steuerfahndern und Beamten der Kriminalpolizei in Frankfurt, London und Paris ein Ermittlungsverfahren gegen einen Steueranwalt aus Hessen sowie weitere Beschuldigte wegen des Verdachts der „versuchten mittäterschaftlichen Steuerhinterziehung in besonders schweren Fällen“.

          An der Börse drehte der Aktienkurs der Deutschen Bank infolge der Berichte ins Minus. Die Anteilsscheine notierte gegen Mittag um fast 3 Prozent niedriger als am Vortagesschluss mit nun deutlich unter 28 Euro. Allerdings waren sie zu Wochenbeginn auch deutlich gestiegen um 7 Prozent - nachdem die Bank am Wochenende einen Führungswechsel bekannt gegeben hatte.

          Gerade deswegen kommt die neue Durchsuchung für Deutschlands größtes Geldhaus zur Unzeit. An die Stelle der bisherigen Doppelspitze aus dem Investmentbanker Anshu Jain und dem Deutschen Jürgen Fitschen wird künftig der Brite John Cryan treten, der bislang dem Aufsichtsrat der Bank angehört.

          Mit diesem Schritt versucht die Bank, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Sie befindet sich weiterhin in einer Vielzahl von Rechtsstreitigkeiten und hat für mögliche Strafen schon einmal Milliarden zur Seite gelegt.

          Schon in der Vergangenheit haben Ermittler die Bank mehrfach durchsucht - beispielsweise wegen mutmaßlichen Prozessbetrugs im Kirch -Schadenersatzprozess und der Betrugsaffäre beim Handel mit CO2-Emissionsrechten.
           

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