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Erleichterung bei Quelle : „Das gibt wahnsinnige Motivation“

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Hat seine schützenden Häde über Quelle ausgebreitet: Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) Bild: dpa

Der Betriebsrat jubelt, die Geschäftsführung ist zufrieden und auch die Politiker in Bayern atmen auf: Der Massekredit für Quelle ist beschlossen. Doch der Insolvenzverwalter warnt bereits: Die Reorganisation des Unternehmen sei „kein Selbstgänger“.

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          Der dringend benötigte Kredit über 50 Millionen Euro für das insolvente Versandhaus Quelle ist nach tagelangem Tauziehen vereinbart. Bei Quelle wurde die Entscheidung mit riesiger Erleichterung aufgenommen. „Jetzt gehts los!“, jubelte Quelle-Gesamtbetriebsratschef Ernst Sindel. Er sprach von einer richtungsweisenden Entscheidung der Bundesregierung und der Landesregierungen. „Das gibt wahnsinnige Motivation.“ Der Kredit versetze Quelle in die Lage, den Geschäftsbetrieb wieder aufzunehmen. „Vor uns liegt eine Menge Arbeit“, sagte Sindel. „Aber wir haben jetzt die Chance zu beweisen, dass unsere Konzepte tragen.“ Allein in Bayern hängen mehr als 10.000 Arbeitsplätze von Quelle ab.

          Mit dem Kredit soll Quelle den Geschäftsbetrieb zunächst aufrechterhalten können. Bayern und Sachsen übernehmen zusammen 25 Millionen Euro. Die anderen 25 Millionen Euro kommen vom Bund und werden über die KfW ausgezahlt. Der sogenannte Massekredit soll bis zum 31. Dezember 2009 laufen. Der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) sagte, das sei das langersehnte positive Signal für Quelle (siehe auch: Massekredit: Quelle erhält 50 Millionen vom Staat).

          Insolvenzverwalter: „Kein Selbstgänger“

          Der vorläufige Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg gab sich dagegen nur verhalten optimistisch. Er erklärte: „Ich hoffe sehr, dass wir jetzt eine Basis haben, auf der wir beginnen können, die Gesellschaft zu reorganisieren.“ Dies sei aber kein „Selbstgänger“. Er hoffe jedoch auf einen „guten Ausgang“, sagte Görg.

          Auch Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) warnte: „Quelle ist mitnichten, wie es einige behaupten, gerettet. Quelle hat eine Chance bekommen, eine faire Chance, die bis zum 31.12. reicht“, sagte der Minister am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin. Ein solcher Massekredit könne auch dazu dienen, dass beispielsweise eine geordnete Insolvenz inklusive einer Abwicklung laufe. Zugleich äußerte sich Guttenberg überzeugt davon, dass der Staatskredit wieder zurückfließt. „Und das ist gesichert“, sagte er.

          Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) begrüßte die Entscheidung. „Damit bekommt Quelle in schwieriger Lage endlich eine faire Chance“, sagte er laut Mitteilung am Montagabend in München. Dies hätten das Unternehmen und die 10.000 Familien der Quelle- Mitarbeiter verdient, und es sei auch verantwortbar. Die nächsten Wochen und Monate müssten nun konsequent genutzt werden, denn Quelle habe noch einen schwierigen Weg vor sich.

          Der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) bezeichnete den Massekredit für Quelle als positives Signal für Unternehmen und Mitarbeiter. „Damit sind die Irritationen der letzten Tage beendet. Diese Zitterpartie hätten wir uns sparen können“, erklärte er laut Mitteilung. Das Ergebnis der Verhandlungen schaffe auch für die zahlreichen Zulieferer die nötige Sicherheit.

          Fürther Oberbürgermeister: „Spät, aber nicht zu spät“

          Quelle-Geschäftsführer Konrad Hilbers sagte, man werde alles tun, um die jetzt eröffnete Chance zu nutzen und das Quelle-Geschäft erfolgreich weiterzuentwickeln. Der Chef der Versandsparte Primondo des Arcandor-Konzerns, Marc Sommer, betonte, Quelle habe in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung vollzogen weg vom traditionellen Versandhändler hin zum Internet-basierten Homeshopping-Anbieter. „Damit hat sich Quelle eine Perspektive erarbeitet, die durch die jetzige Entscheidung bestätigt wird.“

          Erleichtert zeigte sich auch der Fürther Oberbürgermeister Thomas Jung (SPD). „Spät, aber nicht zu spät“ sei der weitere Geschäftsbetrieb vorerst abgesichert, erklärte er. Auch wenn vor dem Fürther Versandhaus noch ein dorniger Weg liege, so könne dieser Weg jetzt wenigstens weiter beschritten werden.

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