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F.A.Z. exklusiv : Im Aufsichtsrat der Deutschen Bank wächst der Widerstand

Der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing der Deutschen Bank und Aufsichtsratschef Paul Achleitner auf der Hauptversammlung am 24. Mai 2018 Bild: Helmut Fricke

„Allzu komplex“ findet ein Aufsichtsratsmitglied die Fusion mit der Commerzbank. Die Bankenaufsicht legt der Fusion dagegen keine Steine in den Weg – und kommt den Banken in einem Punkt entgegen.

          Anders als vom Vorstand der Commerzbank gewünscht hat es vor Ostern keine Mitteilungen mehr zum Stand der Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank gegeben, und auch an Ostern selbst herrschte Ruhe. Doch das wird sich in dieser Woche ändern. Spätestens am Freitag wird sich die Deutsche Bank äußern, wenn sie ihre Geschäftszahlen zum ersten Quartal bekanntgibt. So hat es ihr Aufsichtsratsvorsitzender Paul Achleitner schon vor Wochen angekündigt und sich mit diesem Zeitplan gegen den kleineren Fusionspartner Commerzbank offensichtlich durchgesetzt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit hat Achleitner zwar Zeit gewonnen, doch etliche Großaktionäre der Deutschen Bank wie das Emirat Qatar, der Vermögensverwalter Blackrock und das chinesische Konglomerat HNA sind nach wie vor keineswegs vom Sinn einer Fusion mit der Commerzbank überzeugt. Nach Informationen der F.A.Z. hat der Widerstand im Aufsichtsrat der Deutschen Bank gegen die „allzu komplexe“ Transaktion in den vergangenen Tagen sogar noch zugenommen. Auch die Bedenken von Firmenkunden, von denen sich viele gegen einen Zusammenschluss der beiden Banken ausgesprochen haben sollen, werden im Aufsichtsrat dem Vernehmen nach sehr ernst genommen. Damit scheint es offener denn je, ob die bislang „ergebnisoffenen“ Gespräche in eine vertiefte Prüfung eines Zusammenschlusses münden oder abgebrochen werden.

          Viel „Badwill“ notwendig

          Die Bankenaufsicht indes legt einem Kauf der Commerzbank durch die Deutsche Bank anscheinend keine großen Steine in den Weg. Nach Informationen der F.A.Z. ist die Bankenaufsicht vielmehr bereit, einen Großteil des „Badwill“ von rund 20 Milliarden Euro, der sich aus der Differenz zwischen dem bilanziellen Eigenkapital und dem Kaufpreis (wahrscheinlich nahe am niedrigen Börsenwert) der Commerzbank ergibt, in der Deutschen Bank als Eigenkapital anzuerkennen.

          „Ohne viel Badwill wäre die Transaktion auch nicht machbar“, sagte ein Beteiligter am Ostermontag. Klar sei von Anfang an gewesen, dass der Badwill um die in der Bilanz der Commerzbank nicht zu Marktpreisen bewerteten Italien-Anleihen verringert werden müsse. Dabei gehe es um stille Lasten von 2,5 Milliarden Euro. Ansonsten könnte der Badwill aber durchaus so hoch ausfallen, dass die Deutsche Bank zur Finanzierung des Kaufs der Commerzbank nur eine kleine Kapitalerhöhung braucht.

          Am Anfang der seit dem 17. März offiziellen Fusionsverhandlungen hätten Fragezeichen hinter dem Badwill, hinter der möglichen Kapitalerhöhung, aber auch hinter der Höhe der Fusionskosten gestanden, die sich aus Abfindungen für ausscheidende Mitarbeiter oder Abschreibungen auf nicht mehr benötigte IT-Systeme ergeben. Inzwischen stehe hinter diesen Posten ein Hoch- und ein Tiefwert, schildert ein Beteiligter den Stand der Verhandlungen. Je nachdem, auf welchen Wert man sich verständige, werde die Kapitalerhöhung höher oder niedriger ausfallen.

          Wichtige Aktionäre der Deutschen Bank stört aber eben nicht nur, dass nach einer (großen) Kapitalerhöhung ihre bisherigen Anteile (stark) verwässern. Sie zweifeln auch daran, dass Deutsche Bank und Commerzbank ihr Vorhaben wie geplant umsetzen, schließlich sei ein solcher Zusammenschluss hochkomplex und mit vielen Unwägbarkeiten verbunden.

          Dazu passt, dass es nicht nur unter den Aktionären der Deutschen Bank und den von einem Stellenabbau besonders betroffenen Arbeitnehmern der Commerzbank Widerstand gibt. Ein klares „Nein“ gab es auch von Mitarbeitern im Deutsche-Bank-Konzern, die sich vor Ostern an einer Umfrage des dortigen Gesamtbetriebsrats beteiligten: Knapp 70 Prozent der 7840 Teilnehmer wollen demnach keine Übernahme der Commerzbank. Fast 84 Prozent forderten vielmehr, zunächst die Integration der Postbank abzuschließen.

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