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Erfolgreiches Konzept : Fernsehen im Schneckentempo

Maschen für Millionen: Stricknacht im norwegischen Fernsehen Bild: F.A.Z.

In Norwegen ziehen stundenlange Strickwettbewerbe und brennende Kaminfeuer die Zuschauer an. Ein Experiment des öffentlich-rechtlichen Rundfunks NRK entpuppt sich als voller Erfolg.

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          Je langsamer, desto besser. Für Fernsehmacher klingt der Ratschlag merkwürdig, schließlich haben Musikvideos und Werbespots in den vergangenen Jahrzehnten das Tempo forciert: Eine Einstellung jagt die nächste, die Schnittfrequenz nimmt auch in Live-Übertragungen stetig zu, rasante Kamerafahrten sind zum Standard geworden. Eine Sendereihe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks NRK aus Norwegen stellt diesen Trend nun allerdings in Frage. „Sakte-TV“ heißt das Projekt in der Landessprache, auf Deutsch: Langsam-Fernsehen. Stundenlang wird dafür dasselbe Geschehen in Echtzeit übertragen – und die Zuschauer schalten in Scharen ein. Auf bis zu 40 Prozent Marktanteil kommt NRK in Norwegen damit. Das Experiment ist zu einem Verkaufserfolg geworden: Medienhäuser aus Großbritannien und den Vereinigten Staaten haben sich schon die internationalen Vermarktungsrechte gesichert.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Anfangs ähnelte das Konzept noch dem, was in Deutschland im Nachtprogramm mit den „Schönsten Bahnstrecken“ und der „Space Night“ zu sehen war beziehungsweise ist – mit dem Unterschied, dass NRK die beste Sendezeit dafür frei räumte. Die erste Folge war die gut sieben Stunden lange Übertragung einer Bahnfahrt von der Hauptstadt Oslo nach Bergen an der Westküste, die vor vier Jahren gezeigt wurde. Der verblüffende Erfolg – mehr als eine Million Zuschauer bei einer Bevölkerung von nur fünf Millionen – ermutigte zu mehr: 134 Stunden dauerte die Übertragung einer Fahrt der früheren Postschifflinie Hurtigruten von Bergen bis Kirkenes an der norwegisch-russischen Grenze. Kein anderer Sender wurde währenddessen im ganzen Land häufiger eingeschaltet als NRK.

          „Leidenschaft, Vorfreude, Enttäuschung und das totale Glück“

          Doch damit sahen die norwegischen Sakte-TV-Macher das Potential noch nicht erschöpft. Vom strikten Konzept des „Pilot’s Eye“, der Kamera im Führerhaus der Lok oder auf der Kapitänsbrücke, waren sie ohnehin schon abgekommen. Das Echtzeitprinzip blieb zwar erhalten. Aber die Zugfahrt wurde zusätzlich auch von zwei Begleitkameras gefilmt, der meditative Blick auf die wogenden Wellen während der tagelangen Schiffspassage von passender Musik untermalt, zu den angelaufenen Hafenstädten wurden maritime und historische Anekdoten eingespielt. Warum sollte das nur mit Reiseformaten funktionieren? „Es war wie ein Schneeball, der immer größer wird, wenn er erst einmal ins Rollen gekommen ist“, beschreibt Thomas Hellum, der bei NRK für das Projekt verantwortlich ist, die Entwicklung. Dreimal im Jahr geht es inzwischen auf Sendung. Und schnell zeigte sich, dass gerade vermeintlich abseitige Themen besonders gut für das langsame Fernsehen geeignet sind.

          „Leidenschaft, Vorfreude, Enttäuschung und das totale Glück“ – so warb NRK beispielsweise für eine 24-Stunden-Sendung zum Auftakt der Angelsaison 2012. Gezeigt wurden nicht nur Angler bei der Ausübung ihres Hobbys an einem besonders fischreichen Fluss. Direkt am Ufer bereitete ein Koch den Fang zu, Enthusiasten durften mit verbundenen Augen den Unterschied zwischen Lachs und Forelle schmecken, aus dem Studio und an Ort und Stelle steuerten Fachleute ihre Erläuterungen bei. 10 Prozent Marktanteil waren das Resultat. Die „Kaminfeuernacht“ gab den Zuschauern Anlass zu ausführlichen Fachsimpeleien über das richtige Lagern, Anzünden und Abbrennen von Feuerholz, und die „Stricknacht“ gipfelte darin, dass ein Team aus sieben fingerfertigen Frauen einen neuen Weltrekord im Pulloverstricken aufzustellen versuchte – von der Schur des Schafs Fregneguri bis zum fertigen Produkt wohlgemerkt.

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